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	<title>Mystische Orte &#187; Bayern</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>H&#252;gelgr&#228;ber bei M&#252;nsing</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 11:14:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und fr&#252;hgeschichtlichen Denkm&#228;lern, denn schon fr&#252;h haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gef&#252;hlt. W&#228;hrend das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried gl&#228;nzt, sind die St&#228;tten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_387" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-387" title="Bei M&#252;nsing - Land der Kelten" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0079-300x200.jpg" alt="Bei M&#252;nsing - Land der Kelten" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Bei M&#252;nsing - Land der Kelten</p></div>
<p>Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und fr&#252;hgeschichtlichen Denkm&#228;lern, denn schon fr&#252;h haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gef&#252;hlt. W&#228;hrend das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried gl&#228;nzt, sind die St&#228;tten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll sind und von der bewegten Vergangenheit des F&#252;nf-Seen-Landes erz&#228;hlen.<span id="more-386"></span></p>
<p>Eine meiner liebsten Strecken ist der ca. 18 Kilometer lange Rundweg von Wolfratshausen aus &#252;ber M&#252;nsing nach Weipartshausen und zur&#252;ck, denn dort begegnen wir auf Schritt und Tritt den Zeigen einer l&#228;ngst vergessenen Zeit, in der die Kelten das Land besiedelten und uns ihre heiligen Orte hinterlie&#223;en, St&#228;tten der Totenverehrung, wie sie heute in den dichten W&#228;ldern zu finden sind:<br />
H&#252;gelgr&#228;berfelder aus der Hallstattzeit. Die Hallstattzeit markiert den Beginn der keltischen &#196;ra und ist die erste Periode der so genannten Eisenzeit (800 &#8211; 15 v.Chr.), in der das harte und leichter zu beschaffende Material langsam aber sicher die Bronze als Alltagswerkstoff abl&#246;ste. Zugleich wird nach einer Phase der Urnenbestattung die Sitte des Grabh&#252;gels wieder lebendig, wie sie schon Jahrhunderte zuvor in der Bronzezeit gang und g&#228;be war. Es ist bemerkenswert, dass die keltische Bev&#246;lkerung vielfach die gleichen Standorte f&#252;r ihre Totenst&#228;tten w&#228;hlte, wie schon ihre Vorfahren der Bronzezeit, sodass sich in die Grabh&#252;gelfelder immer wieder solche dieser noch weiter zur&#252;ck liegenden Epoche mischen, wenngleich sie damals kleiner und weniger luxuri&#246;s ausgestattet waren. Diese Kontinuit&#228;t zeigt, dass die Menschen sich der Kraft der Orte, an denen sie ihre Verstorbenen zu Grabe trugen, wohl bewusst gewesen sind.</p>
<div id="attachment_388" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-388" title="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0141-300x200.jpg" alt="H&#252;gelgrab" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">H&#252;gelgrab der Hallstattzeit</p></div>
<p>Noch heute strahlen die H&#252;gelgr&#228;berfelder, von denen einige bis zu 70 Grabh&#252;gel aufweisen, eine besondere Magie aus. Oft liegen sie in W&#228;ldern verborgen, wo sie die Zeiten &#252;berdauerten und vielleicht &#252;ber die Jahrhunderte als geheimnisvolle Relikte einer archaischen Vergangenheit respektiert wurden, denn erstaunlicherweise blieben sie in ihrer Lage bis heute unangetastet, obgleich sie auf durchaus fruchtbaren Land liegen, welches eher zur Bewirtschaftung einl&#228;dt, denn zur Bewahrung von Traditionen, deren Sinn sich im Nebel der fernen Vergangenheit verloren haben mag. Doch wer heute beispielsweise das weitl&#228;ufige Grabh&#252;gelfeld nordwestlich von Weipertshausen besucht, wird merken, dass die Kraft dieser Begr&#228;bnisst&#228;tte sich nie verloren hat und auch in den Herzen uns Heutiger Ehrfurcht entfachen muss. Es ist heiliger Boden, den wir betreten.</p>
<div id="attachment_391" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-391 " title="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0129-300x200.jpg" alt="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">H&#252;gelgrab der Hallstattzeit</p></div>
<p>Zu jeder Nekropole gibt es eine Siedlung, im Falle der H&#252;gelgr&#228;ber am &#8220;Kohlmannsfeld&#8221; und in der Nachbarschaft zum Schwarzen Weiher d&#252;rfte es die Siedlung gewesen sein, dort wo sich heute der idyllische Ort Weipertshausen befindet mit seinen wunderbaren herrlich verzierten H&#246;fen. Nordwestlich von Weipertshausen thront die Kapelle St. Koloman, ein nachgotischer Bau von 1608, auf einem Mor&#228;nenh&#252;gel &#8211; ein bezaubernder Ort an sich! Wer den H&#252;gel erklimmt und dort unter urzeitlich anmutenden Buchen und Linden einen Platz sucht, um den Blick weit &#252;ber das &#8220;blaue Land&#8221; streifen zu lassen bis hin zur leuchtenden Kette der Alpen, dem wird etwas von der Erhabenheit zuteil, den dieser lichte Kraftort ausstrahlt. Es empfiehlt sich vor dem Gr&#228;bergang diesen paradiesischen Ort aufzusuchen und hier innere Einkehr zu halten, denn die Himmelskr&#228;fte, die uns hier umfangen, bereiten uns auf den Abstieg in das Reich der Toten trefflich vor. Der H&#252;gel von St. Koloman ist besonderer Ort und es w&#252;rde nicht verwundern, wenn hier schon in vorchristlicher Zeit eine Kultst&#228;tte bestand.</p>
<div id="attachment_389" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-389" title="Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0094-300x200.jpg" alt="Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen</p></div>
<p>Der Heilige Koloman soll ein irischer K&#246;nigssohn im 11. Jahrhundert gewesen sein, der auf seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land in &#214;sterreich zum Tode verurteilt war, weil man ihn f&#252;r einen b&#246;hmischen Spion hielt. Als sein Leiche jedoch nicht verweste und sich zahlreiche Wunder an seinem Grab zeigten, wurde er schlie&#223;lich in den Stand eines Heiligen erhoben. Ausf&#252;hrlich nachzulesen ist die Geschichte hier: <a href="http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/niederoesterreich/weinviertel/kolomann.html" target="_blank">Die Legende vom Heiligen Koloman</a>.</p>
<p>Von der H&#246;he der Kapelle steigen wir herunter in den weiter nordwestlich gelegenen Wald, wo wir schon bald ein Bachbett queren und auf den ersten Grabh&#252;gel sto&#223;en. Wenn wir unser Schritte weiter nordw&#228;rts wenden, tauchen immer mehr Grabh&#252;gel zwischen den B&#228;umen auf, zum Teil von enormen Ausma&#223;en mit sch&#228;tzungsweise bis zu drei Metern H&#246;he. Das Gr&#228;berfeld erstreckt sich bis zum Weihergraben und weiter. Auff&#228;llig ist auch, dass w&#228;hrend sich ringsum der Fichtenwald etablierte, auf den Gr&#228;bern selbst Buchen und andere B&#228;ume erhalten haben. Es ist ein Ort der Stille, aber auch ein unheimlicher Ort, der nicht lange zum Verweilen einl&#228;dt. Wir sind eindeutig Besucher, nicht zwingend G&#228;ste. Selbst bei helllichtem Tag umgibt die Gr&#228;ber etwas Dunkles, Geheimnisvolles und ich f&#252;hle mich an die keltischen Sagen erinnert, nach denen solche H&#252;gel zu gewissen Zeiten den  Eingang in die Andere Welt, die Anderswelt, das Jenseits der Kelten frei geben. Es ist Oktober und Samhain, die Nacht vom 31.10. auf den 1.11. ist nahe, eine Nacht, in der alter keltischer Tradition nach die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten verschwimmt.</p>
<div id="attachment_390" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-390 " title="Der Schwarze Weiher" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0105-300x200.jpg" alt="Der Schwarze Weiher" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Der Schwarze Weiher</p></div>
<p>Etwas weiter &#246;stlich erreichen wir den Schwarzen Weiher, vielleicht so genannt, weil er als Moorsee immer dunkles Wasser f&#252;hrt, vielleicht aber auch, weil auch ihn jene D&#252;sternis umgibt, selbst wenn sich der Himmel hell strahlend und wei&#223;-blau zwischen den Wipfeln der B&#228;ume zeigt, die das stille Gew&#228;sser umgeben. Bl&#228;tter segeln auf den schwarzen Spiegel des Wassers und zeichnen Kreise darauf, doch wirklich Leben hauchen sie der Szene damit nicht ein. Die Melancholie dieses Ortes passt gut zur benachbarten Totenstadt und wie von selbst kreisen die Gedanken um das Mysterium von Leben und Tod.</p>
<p>Wir wenden unsere Schritte weiter nach Osten, hinaus aus dem Wald und auf zur&#252;ck auf die hellen Fluren. Es ist ein eigenartiges Gef&#252;hl, denn das Helle und das Dunkle ist unserer Seele begegnet und hat in uns Licht und Schatten hinterlassen. Die Kelten waren dem Geheimnis des Werdens und Vergehens immer schon nahe. F&#252;r sie war die Anderswelt nur eine andere Form des Lebens, in der es rauschende Feste und k&#246;stliche Gelage geben w&#252;rde. So statteten sie die Gr&#228;ber ihrer Toten mit zahlreichen Gaben aus, allem voran Teller, Trinkgef&#228;&#223;e, T&#246;pfe, damit sie gut ausgestattet an den Feiern teilnehmen k&#246;nnen. Dass sie ihren Toten eigene St&#228;dte errichteten und die H&#252;gel wie Wohnst&#228;tten zu verstehen sind, wirft ein Licht auf das Verst&#228;ndnis von Leben und Tod in diesen vergessenen Zeiten, das so ganz anders ist als das der Moderne. Sterben war ein &#220;bergang in eine andere Form des Lebens und zugleich waren die Verstorbenen, die Ahnen, die Nachbarn der Lebenden.</p>
<p>Vielleicht ist dies die Botschaft, die die Begegnung mit den H&#252;gelgr&#228;bern von Weipartshausen und anderswo f&#252;r uns bereit h&#228;lt.</p>
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		<title>Der Eibenwald bei Paterzell</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 13:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.
Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_223" class="wp-caption alignleft" style="width: 343px"><img class="size-full wp-image-223" title="Im Eibenwald" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/im_eibenwald.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="333" height="222" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.<span id="more-217"></span></p>
<p>Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische Baumart. In Europa gibt es sie schon seit 600.000 Jahren und steht heute unter Naturschutz. Sie ist der einzige heimische Giftbaum und liebt es, im Schatten der anderen B&#228;ume zu gedeihen. Sie braucht kaum Licht und w&#228;chst sehr langsam und nicht sehr hoch (15, manchmal auch bis 18 Meter), doch kann sie daf&#252;r &#228;lter werden als alle &#252;brigen heimischen B&#228;ume.</p>
<div id="attachment_224" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-224" title="Arillus - die Frucht der Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenfrucht-200x300.jpg" alt="Foto: Christoher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Sie ist ein in vieler Hinsicht besonderer und merkw&#252;rdiger Baum, denn sie ist auf der einen Seite ein Nadelgeh&#246;lz, auf der anderen Seite bildet sie keine Samenzapfen wie die Fichte oder die Tanne, sondern als einzige Art rote Beeren, die in Wirklichkeit &#8220;Scheinbeeren&#8221; (Arillus) sind, bei denen das korallrote Fleisch des Fruchtbechers einen Samenkern umh&#252;llt. W&#228;hrend die weiblichen Eiben im Sp&#228;tsommer und Herbst diese Fr&#252;chte tragen, verbreiten die m&#228;nnlichen Eiben aus ihren Bl&#252;ten im Fr&#252;hling einen nebelartigen Staub.</p>
<p>Auff&#228;llig auch die oft gewundene, wulstige, tief gefurchte Gestalt des Stammes, in dessen Formen wir nicht selten eigenartige Wesen und Gesichter zu erkennen glauben. Die Eibe scheint keine Symmetrie zu verfolgen in ihrem Wuchs, sondern immer wieder vereinen sich &#196;ste mit dem Stamm, umwinden diesen, verbinden sich zu einer geschlungenen Ganzen. &#196;ltere B&#228;ume sind hohl und verj&#252;ngen sich, indem sich aus der Krone &#196;ste in den Boden senken und so einen neuen Stamm bilden oder werden von jungem Holz umwallt. Die Eibe scheint sich einem ununterbrochenen Transformationsprozess zu unterwerfen, der es schwer macht ihr wahres Alter zu bestimmen. Ihr Holz hat keine Harzkan&#228;le und eine gelbliche bis tiefrote F&#228;rbung. Besonders an feuchten, regenreichen Tagen leuchtet es unter der abgeschuppten Rinde oft blutrot hervor.</p>
<div id="attachment_225" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-225" title="Eibenholz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenholz-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Ihr sehr haltbares und elastisches Holz wurde der Eibe schon fr&#252;h zum Verh&#228;ngnis. Ihr Name leitet sich von &#8220;iwa&#8221; ab, gleichzeitig das Wort f&#252;r Bogen und Armbrust. Aus diesem Holz schuf man schon seit der Steinzeit besonders langlebige Waffen. Schon das Bogenholz von &#8220;&#214;zti&#8221;, der in den &#214;tztaler Alpen gefundene mumifizierte Leichnam eines Menschen der fr&#252;hen Steinzeit, war aus diesem begehrten Holz gefertigt. Nicht umsonst findet man sie als langsam wachsende Waffenkammern oft geh&#228;uft rings um Burgen. So kam es, dass Eiben in Oberbayern und anderswo aufgrund der gro&#223;en Nachfrage an Kriegs- und Jagdwaffen um 1600 schon weitgehend ausgerottet waren. &#220;berlebt hat sie zumeist in G&#228;rten, auf Friedh&#246;fen und in Parks. Doch selten sind solche Anblicke wie hier bei Paterzell: ein ganzer Wald voller Eiben. Einige dieser Baumahnen sind wohl bis zu 1000 Jahre alt.</p>
<p>Andere wiederum sagen, das althochdeutsche &#8220;iwa&#8221; h&#228;nge mit dem Wort &#8220;ewa&#8221; f&#252;r Ewigkeit zusammen &#8211; die Eibe, der immergr&#252;ne Baum, der den Tod &#252;berwindet &#8211; und bringt.</p>
<blockquote><p>Die Eibe<br />
schl&#228;gt an die Scheibe.<br />
Ein Funkeln<br />
Im Dunkeln<br />
Wie G&#246;tzenzeit, wie Heidentraum<br />
Blickt ins Fenster der Eibenbaum.<br />
(Theodor Fontane)</p></blockquote>
<div id="attachment_226" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-226" title="Eibengespenst" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibengespenst-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Von der Giftigkeit der Eibe spricht bereits Julius C&#228;sar. Er berichtet, dass der Eburonenk&#246;nig Catuvolcus sich mit einem Eibentrunk das Leben nahm. Sehr wahrscheinlich hatte der Selbstmord des Keltenf&#252;rsten einen kultischen Hintergrund. Das Gift der Eibe f&#252;hrt zu einem schnellen Herzstillstand, hei&#223;t Taxin und ist st&#228;rker als das des Fingerhuts. Schon eine geringe Dosis der Nadeln kann auf Pferde t&#246;dlich wirken. Auch f&#252;r Menschen ist die Eibe giftig, allerdings m&#252;sste er wenigstens 50 Gramm davon verspeisen. Einzig das rote Fruchtfleisch, welches den ebenfalls giftigen Samenkern umschlie&#223;t, ist ungiftig und schmackhaft. F&#252;r Rehe allerdings ist die Eibe ein wahrer Leckerbissen: Taxin scheint stimulierend auf die Tiere zu wirken, &#228;hnlich wie Tabak auf den Menschen &#8211; ein Problem vor allen Dingen f&#252;r den Nachwuchs der Eiben, der in den &#252;berhegten Rehbest&#228;nden unserer W&#228;lder durch entsprechende Ma&#223;nahmen wie Umz&#228;unungen gesch&#252;tzt werden muss.</p>
<p>Der griechische Arzt Dioskurides (1.Jhdt. n.Chr.) behauptete, wer unter den Eiben Spaniens schliefe, m&#252;sse sterben. Es reiche manchmal schon aus, vom Schatten der Eibe getroffen zu werden um. Hieronymus Bock (1198 &#8211; 1554) warnt in seinem Kr&#228;uterbuch: „<em id="froh515">Jeder der unter einer Eibe einschl&#228;ft ist des Todes.</em>&#8221; Wegen seiner Giftigkeit galt die Eibe auch als der &#8220;verbotene Baum&#8221;.</p>
<blockquote><p>Du starrtest damals schon<br />
So d&#252;ster treu wie heut,<br />
Du, unsrer Liebe Thron<br />
Und W&#228;chter manche Zeit;<br />
Man sagt, dass Schlaf, ein schlimmer,<br />
Dir aus den Nadeln raucht, -<br />
Ach, wacher war ich nimmer,<br />
Als rings von dir umhaucht!</p>
<p>(Annette von Droste-H&#252;lshoff)</p></blockquote>
<div id="attachment_227" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-medium wp-image-227" title="Die Rune Ihwaz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/rune_ihwaz.png" alt="Quelle: wikipedia" width="150" height="200" /><p class="wp-caption-text">Quelle: wikipedia</p></div>
<p>Es nimmt kaum Wunder, dass dieser geheimnisvolle Baum mit seiner sonderbaren Gestalt auch ein heiliger Baum ist. Die Germanen und Kelten sahen in ihm einen Baum des Todes und der Ewigkeit, ein Begleiter in die Anderswelt. Sie tr&#228;nkten ihre Pfeilspitzen im giftigen Eibensud. Die Druiden, so hei&#223;t es, bevorzugten f&#252;r ihre Zauberst&#228;be das Holz der Eibe. Wahrscheinlich wurde es unter aufwendigen Ritalen geschnitten, vielleicht bei Mondfinsternissen, wie die Hexen in Shakespearses Macbeth dies tun. Der Zauber der Eibe hatte zudem eine bannende Wirkung gegen alles B&#246;se, gegen Hexen und D&#228;monen: &#8220;Vor Eiben kann kein Zauber bleiben&#8221;. B&#246;sartigen Gnomen konnte man beikommen, indem man Eibenzweige vor deren H&#246;hlen streute. Der Eibe hatte im angels&#228;chsischen Raum eine eigene Rune: &#8220;Ihwaz&#8221;. Diese Zauberrune sollte Krankheit und Unheil abwenden.</p>
<p>Die Eiben s&#228;umen den Scheideweg zwischen Leben und Tod:</p>
<blockquote><p>Est via declivis funesta nubila taxo<br />
ducit ad infernas per muta silentia sedes.</p>
<p>Abw&#228;rts senkt sich der Weg,<br />
von trauernden Eiben umd&#252;stert,<br />
F&#252;hrt er durch Schweigen stumm<br />
zu den unterirdischen Sitzen.</p>
<p>(Ovid, Metamorphosen IV, 432)</p></blockquote>
<div id="attachment_228" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-228" title="Ein Eiben-Ungeheuer" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eiben_ungeheuer-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Eine gewaltige Eibe soll auch an den Ufern des Unterweltflusses Kokytus, dem Fluss der Klagen, wachsen. Als Baum der Unterwelt finden wir sie auf vielen Friedh&#246;fen. In der Bretagne hei&#223;t es, dass es auf einem Friedhof jeweils nur einen einzigen Eibenbaum geben d&#252;rfe, weil dieser seine Wurzeln in die M&#252;nder der Toten senke. Andererseits stehen Eiben nicht nur f&#252;r den Tod, sondern auch f&#252;r dessen &#220;berwindung, nicht zuletzt weil sie immergr&#252;n sind. In der irischen Sage von Naoise und Deirdre wachsen aus den Pfl&#246;cken, die in die Leichen der beiden Liebenden geschlagen wurden, zwei Eiben, deren Zweige sich miteinander verbinden und so den Sieg der Liebe &#252;ber den Tod symbolisieren.</p>
<div id="attachment_229" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-229" title="Hohle Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/hohle_eibe-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>An dieser Stelle sei auch erw&#228;hnt, dass manche glauben, Yggdrasil, der Weltenbaum der Germanen, sei gar keine Esche, sondern eine Eibe, da diese als immergr&#252;ner Baum viel besser geeignet sei, die neun Welten zu verbinden. Bemerkenswert ist, dass Yggdrasil so viel wie &#8220;das Pferd des Schrecklichen&#8221; bedeutet, wobei der Schreckliche niemand geringerer sein wird als Odin selbst, der h&#246;chste aller G&#246;tter. Wenn damit der Baum selbst gemeint ist, dann k&#246;nnte er auch als ein &#8220;Reisebaum&#8221; betrachtet werden &#8211; ein Baum, auf dessen &#8220;R&#252;cken&#8221; wir in andere Welten reisen k&#246;nnen. Dies k&#246;nnte ein Hinweis auf die psychoaktiven Wirkstoffe der Eibe sein: Besonders an warmem Tagen d&#252;nsten Eiben Pseudoalkaloide aus, so dass viele Menschen schon nach wenigen Minuten eine Mundtrockenheit, Entspannung und W&#228;rme empfinden, eine typische Alkaloidwirkung. Andere berichten &#252;ber Beklommenheit, Kopfschmerzen und Kreislaufst&#246;rungen, die sich nach einem mehrst&#252;ndigen Aufenthalt unter der Eibe einstellen. Auch rauschartige, euphorische Zust&#228;nde bis hin zu Trance k&#246;nnen eintreten.Hielten deshalb die Druiden unter Eiben Rat, weil sie die bewusstseinserweiternde Wirkung dieses Baumes nutzten?</p>
<p>Wie dem auch sei. Alles Wissen um die Mythologie der Eibe reicht nicht aus, um zu beschreiben, was wir erleben, wenn wir uns auf die Kraft des Eibenwaldes einlassen. Bei einem Besuch im Paterzeller Eibenwald, am besten fr&#252;h am Morgen oder in den Abenstunden, mag jeder sich seinen eigenen Eindruck verschaffen. Die Begegnung mit diesen Baumgeistern ist in jeden Fall etwas ganz Besonderes. In ihrem Schatten herrscht eine d&#252;stere Atmosph&#228;re, die Ehrfurcht einfl&#246;&#223;t &#8211; kein Baum, unter dessen sch&#252;tzenden Dach ich ein Picknick machen w&#252;rde. Jeder Baum ist ein Individuum, keine Begegnung gleicht der anderen. Wie Gespenster oder Wesen aus einer anderen Welt strecken sie uns ihre &#196;ste entgegen, manchmal einladend, &#246;fters aber warnend. Wer sich von der Eibe ber&#252;hren l&#228;sst, der muss bereit sein, ihre starke Kraft der Wandlung zuzulassen. Dann aber ist die Eibe wie ein Kanal, der uns vo Altlasten befreien kann &#8211; wenn wir bereit sind, sie wirklich loszulassen, um einen Neubeginn zu wagen. Eiben ver&#228;ndern uns, mehr noch, sie verwandeln uns. Wer dies nicht ertragen will, der sollte sich nicht zu lange ihrem Einfluss aussetzen &#8230;</p>
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		<title>Die Orakelquelle des St. Moritz</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jul 2008 09:23:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nein &#8211; St. Moritz liegt nicht nur im Engadin, sondern auch am Rande der Fr&#228;nkischen Schweiz, unweit der Ortschaft Leutenbach. Und dieses eher unbekannte Fleckchen Erde in der Fr&#228;nkischen Schweiz birgt eine Besonderheit: Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt h&#246;ren wir es schon pl&#228;tschern &#8211; das Orakelbr&#252;nnlein des Heiligen Moritz. Hinter den Gittern einer wei&#223; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_78" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-78" title="Moritzbrunnen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/moritzbrunnen_02.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="266" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Nein &#8211; St. Moritz liegt nicht nur im Engadin, sondern auch am Rande der Fr&#228;nkischen Schweiz, unweit der Ortschaft Leutenbach. Und dieses eher unbekannte Fleckchen Erde in der Fr&#228;nkischen Schweiz birgt eine Besonderheit: Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt h&#246;ren wir es schon pl&#228;tschern &#8211; das Orakelbr&#252;nnlein des Heiligen Moritz. Hinter den Gittern einer wei&#223; get&#252;nchten Feldkapelle quillt das Wasser aus der Tiefe und ergie&#223;t sich zwischen groben Steinen in ein kleines B&#228;chlein davor. &#220;ber allem wacht die seltsam h&#246;lzern wirkende Statue des Ortsheiligen Sankt Mauritius oder Sankt Moritz &#8211; ein Schild in der linken, die Legion&#228;rslanze in der rechten Hand, den Blick geradewegs auf den Besucher gerichtet. Auf seine Weise wirkt er fast unheimlich in seiner starren Pose. <span id="more-48"></span></p>
<p>Der Heilige bewacht die Quelle und ihr Geheimnis: sie soll magische Kr&#228;fte besitzen und die Zukunft prophezeien k&#246;nnen. Dazu bitte man St. Moritz um seinen Beistand, werfe ein St&#252;ckchen Holz in den Brunnen und stelle eine Frage. Schwimmt es obenauf &#8211; wird sich alles zum Besten wenden. Geht es aber unter, dann sieht es leider d&#252;ster aus. Andere berichten von Heilkr&#228;ften des Wassers: es soll gegen Hautkrankheiten und Augenleiden helfen. Eins soll man jedoch tunlichst unterlassen: das Wasser trinken &#8211; das bringe Ungl&#252;ck, so erz&#228;hlt man sich.</p>
<p>Wer war dieser St. Moritz? In der Tat ist es der Gleiche, der dem ber&#252;hmten Ski-Ort und Tummelplatz f&#252;r Promis seinen Namen gab &#8211; und &#252;brigens schon im Mittelalter f&#252;r seine Heilquellen ber&#252;hmt war. Geboren wurde er wohl im 3. Jahrhundert nach Christus im &#228;gyptischen Theben. Die Legende berichtet, dass er sich der Theb&#228;ischen Legion des r&#246;mischen Kaisers Maximianus anschloss und dort zum Kommandeur aufstieg. Mauritius war Christ &#8211; und dies wurde ihm zum Verh&#228;ngnis, denn als der Kaiser gegen die Christen ziehen wollte, weigerte er sich, diesem Befehl zu folgen. Bei der &#220;berquerung der Alpen im Jahre 302 oder 303 n.Chr. meuterte er mit seinen Mannen bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice &#8211; nicht zu verwechseln mit St. Moritz! &#8211; im Kanton Wallis. Der Zorn des Kaisers lie&#223; nicht auf sich warten: dieser gab den Befehl, die Legio zu dezimieren, d.h. so lange jeden zehnten Legion&#228;r zu t&#246;ten, bis die &#220;briggebliebenen aufgaben. Doch die Legion des Mauritius blieb standhaft &#8211; und es kam zu einem Blutbad: ohne Gegenwehr zu leisten wurden alle Soldaten hingerichtet. Mauritius wurde zum M&#228;rtyrer und sp&#228;ter zum Heiligen.</p>
<p>Noch eine Besonderheit weist der Heilige Moritz auf: ab dem 15. Jahrhundert wird er immer h&#228;ufiger auch als gewappneter Ritter mit dunkler Hautfarbe dargestellt, als &#8220;Mohr&#8221;. So finden wir ihn als Schutzpatron von Coburg als &#8220;Coburger Mohr&#8221; im Stadtwappen. Sein Name wird ausschlaggebend gewesen sein: lat. <em>maurus</em>, eigentlich der &#8220;Maure&#8221;, wird sp&#228;ter gleichbedeutend f&#252;r &#8220;Mohr&#8221;. Aufgrund seiner Farbigkeit wird er u.A. zum Schutzherrn der F&#228;rber und Glasmaler &#8211; &#252;berhaupt aller Berufe, die mit Farben zu tun haben. Zudem wird er angerufen bei verschiedenen Leiden wie Ohrenschmerzen, Gicht und sogar Besessenheit.</p>
<div id="attachment_80" class="wp-caption alignleft" style="width: 385px"><img class="size-full wp-image-80" title="Der Moritzbrunnen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/moritzbrunnen.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="375" height="281" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Wir gehen ein St&#252;ck des Weges weiter und erblicken bald die Kapelle St. Moritz, von den Einheimischen auch &#8220;Moritzla&#8221; genannt, die hinter hohen Mauern auf einem Bergvorsprung &#252;ber den Wald ragt &#8211; wie ein Schmuckst&#252;ck in einer Schatulle. Das Alter der Kirche ist ungewiss, urkundlich erw&#228;hnt wird sie erst im 15. Jahrhundert, doch mit Sicherheit ist dieser Ort wesentlich &#228;lter. Jahrhundertlang war die Kapelle ein Wallfahrtsort. Wir betreten also den idyllischen Friedhof durch das Tor rechts neben dem Einsiedlerh&#228;uschen &#8211; und finden uns auf einem Grund wieder, von dem eine magische Anziehungskraft ausgeht. Wie die Reeling eines Schiffes umgeben die Mauern in einem Sechseck die Kirche &#8211; ihr Turm der hochaufragende Mast. Mit ihrem Bug durchpfl&#252;gt die Kirche die W&#228;lder wie die hohe See. Alles ist ganz ruhig und innig hier nur das Rauschen des Silberbaches unterhalb der Kapelle ist zu h&#246;ren: dort bildet er einen Wasserfall und soll in fr&#252;herer Zeit eine M&#252;hle angetrieben haben. Silberbach? Es wird vermutet, dass der nahe gelegene, aber mittlerweile verschwundene Weiler Oberleutenbach eine Siedlung von Bergleuten war, die dort nach Silber sch&#252;rften. Vielleicht erkl&#228;rt dies auch die oft genannten, mysteri&#246;sen unterirdischen G&#228;nge in dieser Gegend. Die St.Moritz-Kapelle mit ihren etwa 1 Meter hohen Mauern und ihrem st&#228;mmigen Turm mag f&#252;r die Menschen im Falle eines Angriffes als letzte Zufluchtsst&#228;tte gedient haben. Im Inneren der Kirche &#8211; leider nur gegen Voranmeldung zu besichtigen &#8211; entdecken wir &#252;ber dem Tabernakel am Hochaltar das Standbild des Kirchenpatrons, zu seiner Linken de Hl. Nikolaus und zu seiner Rechten der Hl. Otto.</p>
<p>Hinter uns, etwas weiter den Pfad &#252;ber einige befestigte Stufen bergauf, erhebt sich der Burgstein: dort sind noch die Reste einer alten Burganlage zu finden, einst der Stammsitz der freien Herren von Leutenbach. Es geht das Ger&#252;cht, dass St. Moritz urspr&#252;nglich die Kapelle der Burg gewesen sei und mit dieser durch einen unterirdischen Gang verbunden ist. Doch davon ist nichts erwiesen noch hat man einen solchen Gang jemals gefunden. Doch was k&#252;mmert es &#8211; von dort haben wir einen fantastischen Ausblick: wir blicken hinab ins Tal auf die Kapelle und weit ins Land hinein bis zum sagen umwobenen &#8220;Walberla&#8221; &#8211; sogar die Vexierkapelle ist von diesem Platz aus bei gutem Wetter und klarer Sicht zu sehen. Dieser Blick erfrischt die Sinne &#8211; ein wahrer Kraftort.</p>
<p>Die drei Etappen dieser kleinen Wanderung tragen jede eine andere Signatur der Kraft: die Moritz-Quelle ist ein mysteri&#246;ser Platz, die Kapelle ist eine idyllische Zufluchtsst&#228;tte und der Burgstein weitet unseren Blick f&#252;r die &#252;bergeordneten Zusammenh&#228;nge. Wenn wir an der Quelle unserer Frage stellen, verinnerlichen wir das Geheimnis ihrer Antwort in der Umfriedung der Kapelle und &#252;berwinden jeden Zweifel auf dem Burgstein. So wird die Antwort auf die Frage unserers Lebens in drei Stationen aus der Tiefe der Erde ans Licht der Welt gebracht.</p>
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		<title>Die Tanzlinde zu Effeltrich</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jun 2008 00:40:24 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn ich auf die uralte Sommerlinde auf dem Dorfplatz in Effeltrich blicke, kommt mir ein Gedicht des fr&#228;nkisches Dichters Friedrich Schnack (1888 &#8211; 1977) in den Sinn, das, wie mir scheint, nur im Angesicht dieses Baumriesen entstanden sein kann:
Unter deinem m&#228;chtigen Gest&#252;hle
&#252;berf&#228;llt mich ahnungslose K&#252;hle,
Str&#246;mt mich an des Sommers Atemsto&#223;,
Und ich sp&#252;re aus der Bl&#228;tter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_11.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="300" height="150" />Wenn ich auf die uralte Sommerlinde auf dem Dorfplatz in Effeltrich blicke, kommt mir ein Gedicht des fr&#228;nkisches Dichters Friedrich Schnack (1888 &#8211; 1977) in den Sinn, das, wie mir scheint, nur im Angesicht dieses Baumriesen entstanden sein kann:</p>
<blockquote><p>Unter deinem m&#228;chtigen Gest&#252;hle<br />
&#252;berf&#228;llt mich ahnungslose K&#252;hle,<br />
Str&#246;mt mich an des Sommers Atemsto&#223;,<br />
Und ich sp&#252;re aus der Bl&#228;tter Wehen<br />
Fremden Lebens heimliches Geschehen,<br />
Deine Seele gro&#223;.<span id="more-39"></span></p>
<p>Wie sie sich verzweigt im Baume,<br />
Aufw&#228;rts steigt und wirkt im Raume,<br />
&#252;berwindend ihren Erdengrund:<br />
Wie sie schauert, klingt und leuchtet,<br />
Lichtgesalbt und regenangefeuchtet,<br />
Mit dem Himmel schloss sie ihren Bund.</p>
<p>W&#246;lbig wohnen, wunderbare Haube,<br />
Licht und Finsternis in deinem Laube,<br />
Nacht und Tag.<br />
Wenn die Abendsterne blinken,<br />
Wenn die Morgensterne sinken,<br />
Gr&#252;&#223;t sie deines Herzens Schlag.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_2.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="200" height="150" />Auf &#252;ber 800 Jahre sch&#228;tzen manche diese Baumahnin. Andere sind vorsichtiger und geben ihr Alter zwischen 400 und 670 Jahren an. In jedem Falle aber beeindruckt dieser ehrw&#252;rdige Baum durch seine imposante Gestalt: der Stamm misst ca. acht Meter im Umfang, der Baum erreicht eine H&#246;he von 4,5 Metern. Der Umfang der Krone bel???uft sich auf sechzig Meter und die Haupt&#228;ste sind bis zu sieben Meter lang und 90 Zentimeter stark.</p>
<p>Welche Verbindung gibt es zwischen Effeltrich, der &#8220;Apfelreichen&#8221;, und der Linde? In der Apfelzucht wird der Bast ben&#246;tigt zur Veredelung der Sorten &#8211; und eben dieser wird aus den jungen, nach oben strebenden Trieben der Linde gewonnen. Auf diese Weise erhielt die Linde ihre  weit gespannte Kuppelkrone. Doch neben dieser ganz praktischen Bedeutung der Linde f&#252;r den Ort markiert sie &#8211; wie in vielen anderen Ortschaften auch &#8211; den zentralen Versammlungsort, sei es um dort Feste zu feiern und in fr&#252;heren Tagen vor allen Dingen auch um Rat zu halten und Recht zu sprechen. Schon die Germanen hielten bevorzugt unter Linden das Thing ab, eine j&#228;hrliche Zusammenkunft einer Stammes unter der Schirmherrschaft des K&#246;nigs. Dann wurde zu Gericht gesessen, politische Gesch&#228;fte beraten und rituelle Br&#228;uche abgehalten. W&#228;hrend des Things mussten alle Waffenruhe ruhen ??? es galt der so genannte Thingfriede. Manches Urteil wird mit der Schlussformel besiegelt: &#8220;Gegeben unter der Linde.&#8221;</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/gerichtslinde.JPG" alt="Gerichtslinde" width="150" height="260" />Nicht nur die Germanen, auch die Slawen und die Kelten verehrten die Linde als heiligen Baum. Er war der G&#246;ttin Freya geweiht, die in vielen ihrer Aspekte mit der lateinischen Venus gleichgesetzt werden kann, der G&#246;ttin der Liebe. Betrachten wir das Blatt einer Linde genauer: gleicht es nicht einem Herzen? Im Zuge der Christianisierung ersetzte die Muttergottes die alte heidnische G&#246;ttin und aus so mancher Freya-Linde wurde eine Marienlinde. Was bleibt: die Linde ist <em>der</em> Baum der Liebe. In ihrem Schatten offenbart  sich ihr Geheimnis in all seinen Spielarten.</p>
<blockquote><p>Mondscheintrunkne Lindenbl&#252;ten,<br />
Sie ergie&#223;en ihre D&#252;fte,<br />
Und von Nachtigallenliedern<br />
Sind erf&#252;llet Laub und L&#252;fte.</p>
<p>Lieblich l&#228;&#223;t es sich, Geliebter,<br />
Unter dieser Linde sitzen,<br />
Wenn die goldnen Mondeslichter<br />
Durch des Baumes Bl&#228;tter blitzen.</p>
<p>Sieh dies Lindenblatt! du wirst es<br />
Wie ein Herz gestaltet finden;<br />
Darum sitzen die Verliebten<br />
Auch am liebsten unter Linden.</p>
<p>Doch du l&#228;chelst, wie verloren<br />
In entfernten Sehnsuchttr&#228;umen -<br />
Sprich, Geliebter, welche W&#252;nsche<br />
Dir im lieben Herzen keimen?</p>
<p>Ach, ich will es dir, Geliebte,<br />
Gern bekennen, ach, ich m&#246;chte,<br />
Da&#223; ein kalter Nordwind pl&#246;tzlich<br />
Wei&#223;es Schneegest&#246;ber br&#228;chte;</p>
<p>Und da&#223; wir, mit Pelz bedecket<br />
Und im buntgeschm&#252;ckten Schlitten,<br />
Schellenklingelnd, peitschenknallend,<br />
&#220;ber Flu&#223; und Fluren glitten.<br />
<em>Heinrich Heine (1797-1856)</em></p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/lindenblatt.JPG" alt="Lindenblatt" width="150" height="194" />Die Kraft der Linde ist die Kraft der Verbindung: in ihrem Schatten begegnen sich die Menschen &#8211; nicht nur um Rat zu halten, sondern auch aus Liebe. So beginnt eines der sch&#246;nsten Minnelieder des Mittelalters, komponiert von Walther von der Vogelweide (170-1230):</p>
<blockquote><p>Under der linden<br />
an der heide,<br />
da unser zweier bette was,<br />
da mugt ir vinden<br />
sch&#246;ne beide<br />
gebrochen bluomen unde gras.<br />
vor dem walde in einem tal,<br />
tandaradei,<br />
sch&#246;ne sanc diu nahtegal.</p></blockquote>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/unter_den_linden.JPG" alt="Unter den Linden" width="150" height="209" />Unter der Effeltricher Linde feierte man im 19. Jahrhundert romantische &#8220;Mondscheinn&#228;chte&#8221; mit Musik und Gesang. Aus der ganzen Umgebung kamen die Menschen herbei, um unter den belaubten Armen dieses magischen Baumes einander zu begegnen.&#8221; Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken und tanzen und fr&#246;hlich zu sein, denn die Linde ist uns ein Friede- und Freudenbaum&#8221;, bekennt Martin Luther.</p>
<p>Die Effeltricher Linde ist vielleicht eine so genannte Apostellinde, deren Haupt&#228;ste, zw&#246;lf an der Zahl, k&#252;nstlich in die L&#228;nge gezogen und auf 24 St&#252;tzen getragen werden. Zw&#246;lf Apostel, zw&#246;lf Stunden, zw&#246;lf Monate, zw&#246;lf Tierkreiszeichen &#8211; mit dieser Zahl wird die Verbindung zwischen Himmel und Erde ausgedr&#252;ckt, dreimal Vier: die Zahl Vier steht f&#252;r die Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen, w&#228;hrend die Drei die Zahl des G&#246;ttlichen ist, wie die unz&#228;hligen G&#246;ttertriaden in vielen Kulturen der Welt zeigen. Die Vier ist die Zahl des Raumes, die Drei die Zahl der Zeit, denn sie markiert Anfang, Mitte und Ende eines Zyklus. Ich denke auch an die Pyramiden mit ihren vier aus Dreiecken gebildeten Seiten. Auf diese Weise wird diese Linde zu einem Symbol des gesamten Universums &#8211; in ihr verbinden sich oben und unten. &#8220;Wie oben &#8211; so unten&#8221; &#8211; so lautet der oberste Grundsatz des legend&#228;ren Hermes Trismegistos in seinen Smaragdtafeln:</p>
<blockquote><p>Wahr ist es, ohne L&#252;ge und sicher:<br />
Was oben ist, ist gleich dem, was unten ist,<br />
und was unten ist, ist gleich dem, was oben ist,<br />
f&#228;hig die Wunder des Einen auszuf&#252;hren.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_4.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="200" height="150" />Diese Linde ist nicht einfach nur ein Baum &#8211; aus ihren Wurzeln steigt die Kraft der Liebe und verteilt sich &#252;ber die Bl&#228;tterkuppel auf alle, die unter ihr verweilen. Wer seinen Fu&#223; unter diesen setzt, betritt heiligen Grund. Bedacht gehe ich im Uhrzeigersinn um die Linde mit ihrem m&#228;chtigen, fast acht Meter im Umfang messenden Stamm. Immer enger lasse ich die Kreise werden, n&#228;here mich ihr in einer Spirale. Je n&#228;her ich dem Mittelpunkt komme, umso st&#228;rker wird die Energie, eine weiche, m&#252;tterliche und freundliche Kraft, die mich von allen Seiten umgibt und mich einh&#252;llt. Fast erscheint es mir, als sei ich in ein helles, goldenes Licht getaucht, das aus den zweigen &#252;ber mir auf mich herabregnet. Die Kraft w&#228;chst sanft und bald kann ich mit ausgestreckten Armen die furchige Rinde ber&#252;hren. Ich halte inne, sp&#252;re dem Kreislauf nach, dessen Teil ich geworden bin: aus der Tiefe der Erde &#252;ber die Bl&#228;tterkuppel wieder hinab &#8211; es str&#246;mt auf und ab, und durch mich hindurch. Zwischen Himmel und Erde, oben und unten werde auch zu einem Kanal und erlebe ein eigenartiges Empfinden von Grenzenlosigkeit, von vollst&#228;ndiger Verbundenheit von allem zu allem.</p>
<p>Langsam l&#246;se ich mich aus diesem Zustand und verlasse die Runde. In mir kreisen Gedanken:</p>
<p><em>Was h&#228;lt mich hier zwischen Himmel und Erde? Nach welcher Art der Verbundenheit mit der Welt sehne ich mich? In welchen Bereichen meines Lebens fehlt mir dieses Gef&#252;hl &#8211; eingebunden zu sein, dazu zu geh&#246;ren? Wem w?&#252;rde ich jetzt und hier am liebsten unter der Linde mein Herz schenken? Welchen Menschen, denen ich je mein Herz schenkte, w&#252;rde ich unter diesem Baum wieder begegnen &#8211; und was w&#252;rden sie mir &#252;ber mich und mein Leben erz&#228;hlen?</em></p>
<p>Gegen&#252;ber der Linde erhebt sich trotzig die wehrhafte Umfriedung der Kirchenfestung St. Georg. Was f&#252;r ein Gegensatz! Hier die weiche Umarmung der Linde, die keine W&#228;nde braucht, keine Mauern, um uns Schutz und Geborgenheit zu spenden &#8211; dort die steinerne Umklammerung der Mauern im Schutze des Drachent&#246;ters, ein Bollwerk der Abgrenzung. So offenbart sich in Effeltrich die doppelte Wahrheit des Lebens: Verbindung und Trennung sind nur zwei Aspekte ein und desselben &#8211; so wie Yin und Yang den Tanz des Tao in Gang halten.</p>
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		<title>Die Wehrkirche St. Georg zu Effeltrich</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 15:28:29 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Wehrkirche]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Rande des alten Dorfkernes von Effeltrich, einer Ortschaft am westlichen Ende der Fr&#228;nkischen Schweiz, erheben sich die eindrucksvollen Mauern der Wehrkirche St. Georg. Sie z&#228;hlt zu den besterhaltenen Kirchenburgen des Frankenlandes und von der fast viereckigen Anlgae sind noch drei Rundt&#252;rme und ein rechteckiger Turm erhalten und recken ihre spitzen Dachh&#252;te in den Himmel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_1.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich" width="200" height="150" />Am Rande des alten Dorfkernes von Effeltrich, einer Ortschaft am westlichen Ende der Fr&#228;nkischen Schweiz, erheben sich die eindrucksvollen Mauern der Wehrkirche St. Georg. Sie z&#228;hlt zu den besterhaltenen Kirchenburgen des Frankenlandes und von der fast viereckigen Anlgae sind noch drei Rundt&#252;rme und ein rechteckiger Turm erhalten und recken ihre spitzen Dachh&#252;te in den Himmel &#8211; urspr&#252;nglich bildete die Kirchenfestung ein F&#252;nfeck. Auch wenn von dem einst die ganze Anlage umgebendem Wehrgang nur noch Teil erhalten sind, hinerl&#228;sst ihr Anblick einen tiefen Eindruck: Warum in aller Welt wurde eine Kirche von derart massiven und m&#228;chtigen Mauern eingeschlossen &#8211; vor wem oder was galt es, sich zu sch&#252;tzen?<span id="more-32"></span></p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_3.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - durch den Torbogen" width="150" height="200" />Die Antwort ist Geschichte: In der zweiten H&#228;lfte des 15. Jahrhunderts &#252;berfielen die N&#252;rnberger das Land im ersten Markgrafenkrieg 1149/50. In den Wirren dieser Zeit waren die Dorfbewohner und die Bauern die Opfer: sie hatten keine Burgen, in die sie sich fl&#252;chten konnten, und konnte sich auch nicht hinter starkne Stadtmauern zur&#252;ckziehen wie die St&#228;dter. Warum dann keine Mauer um die D&#246;rfer bauen? Viel zu unsicher &#8211; denn so viele M&#228;nner gab es nicht, die es gebarucht h&#228;tte, um eine so lange Umfriedung zu verteidigen. So enstchloss man sich bereits um 1300 herum in Franken die Kirchen samt der Friedh&#246;fge in kleine Burgen umzubauen: der Kirchturm wurde mit Schie&#223;scharten versehen, die Friedhofsmauern verst&#228;rkt und oftmals mit einem Wehrgang ausger&#252;stet. Wichtig war auch die Lage dieser Wehrkirchen: sie  durften nicht in der Dorfmitte liegen, sondern eher am Rande, um den herankommenden Feind sofort ersp&#228;hen zu k&#246;nnen. Und ihr Eingang musste zur Dorfseite ausgerichtet sein, damit die Einwohner sich bei Gefahr im Verzuge schnellstens hinter die sch&#252;tzenden Mauern zur&#252;ckziehen konnten.</p>
<p>Ludwig Uhland dichtete wohl mit einer solchen Kirchenburg vor ASugen in seiner &#8220;D&#246;ffinger Schlacht&#8221;:</p>
<blockquote><p>Am Ruheplatz der Toten, da pflegt es still zu sein,<br />
Man h&#246;rt nur leises Beten bei Kreuz und Leichenstein.<br />
Zu D&#246;ffingen war&#8217;s anders; dort scholl den ganzen Tag<br />
Der feste Kirchhof wider von Kampfruf, Sto&#223; und Schlag.</p>
<p>Die St&#228;dter sind gekommen, der Bauer hat sein Gut<br />
Zum festen Ort gefl&#252;chtet und h&#228;lt&#8217;s in tapfrer Hut.<br />
Mit Spies und Karst und Sense treibt er den Angriff ab;<br />
Wer tot zu Boden sinket, hat hier nicht weit ins Grab.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_2a.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg in der Nische" width="150" height="200" />Schreiten wir also auf das Tor zu, die ber&#252;hmte Effeltricher Dorflinde in unserem R&#252;cken. &#220;ber dem Bogen begr&#252;&#223;en uns in drei Nischen die gotischen Holzfiguren der Hlg. Laurentius, Georg und Sebastian. Etwas weiter rechts reitet in einer weiteren bunt bemalten Nische noch einmal der Heilige Georg, der Schutzherr dieser Kirche, und sticht den Drachen. Es ist dieses Reiterstandbild, dass von jungen M&#228;nnern in Effeltricher Tracht zum Georgiritt mitgef&#252;hrt wird.</p>
<p>Der Georgiritt. Effeltrich ist bekannt in der Fr&#228;nkischen Schweiz f&#252;r sein lebendiges Brauchtum. Der wichtigste und bekannteste ist der Georgiritt, eine Pferdewallfahrt, bei der an jedem Ostermontag der Kirchenpatron geehrt wird. In einem farbenpr&#228;chtigen Zug werden Pferde aus der Umgebung durch das Dorf und an der Kirchenfestung vorbeigef&#252;hrt, allen voran der Pfarrer hoch zu Ross. In Effeltrich, der &#8220;Apfelreichen&#8221;, ist der Heilige Georg &#252;brigens so beliebt, dass noch heute der Vorname Georg &#252;berdurchschnittlich h&#228;ufig vergeben wird.</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_4.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg vor dem Eingang" width="150" height="306" />Der Drachent&#246;ter ist uns schon in einem anderen Zusammenhang begegnet: wie auch zum Beispiel im Ramsachkircherl am Rande des Murnauer Mooses k&#246;nnte seine Gegenwart ein Hinweise darauf sein, dass an diesem Ort besondere Erdkr&#228;fte gebunden sind. Der Drache steht dann f&#252;r die wilden tellurischen Kr&#228;fte, w&#228;hrend die Lanze des Heiligen den Drachen nicht t&#246;tet, sondern konzentriert &#8211; und f&#252;r den Menschen nutzbar macht. Die geomantische Variante dieser Legende sozusagen.</p>
<p>Wir &#252;berqueren den Friedhof und begegnen dem Heiligen Georg wieder, diesmal in einer moderneren Darstellung rechts vom Eingang zur Kirche und in einpr&#228;gsamer Dramatik. Der Drache ist nun kein Fabelwesen mehr, sondern ganz im Sinne der kirchlichen Deutung der Legende Luzifer selbst, das B&#246;se. Auf diese Weise eingestimmt betreten wir das Geb&#228;ude. Wenden wir uns dem um 1720/30 geschaffenen Hochaltar zu, in dessen Mitte der Heilige Georg seinen Kampf gegen den Drachen erneut zu f&#252;hren hat. Und wir m&#252;ssen nicht lange suchen, um sein Abbild erneut zu erblicken: an der s&#252;dlichen Langhauswand finden wir ihn wieder in Gestalt einer sp&#228;tgotischen Holzfigur, auf dem Drachen stehend und seine mit einem Kreuz gekr&#246;nten Lanze in sein zahnbewehrtes Maul stechend. Doch im Gegensatz zum apokalyptischen Alptraum, der mich noch am Eingang der Kirche begr&#252;&#223;te, strahlt dieser Georg eine unendliche Gelassenheit aus, fast m&#246;chte man meinen, er tr&#228;ume vor sich hin, w&#228;hrend er das Ungeheuer streckt. Und dann erkenne ich &#8211; seine Lanze verbindet ihn mit dem Drachen! Ich stelle mir vor, wie seine Urkraft an dem Stab hinaufwandert und den Ritter erf&#252;llt &#8211; er tankt die Erdenergie, indem er sie anzapft und sich mit ihr verbindet.</p>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_5.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg Statue in der Kirche" width="150" height="347" />Schutz und R&#252;ckzug &#8211; dies sind die Themen dieses Ortes, verbunden mit der Kraft der Erde, die an dieser Stelle gebunden scheint. In der Kirche selbst ist es &#252;berall zu sp&#252;ren: Wir stehen auf einem bedeutsamen, kraftvollen Ort. Ich nehme mir einige Zeit, um diese Energie in mir aufsteigen zu lassen, f&#252;r einen Augenblick folge ich dem Bild des Heiligen Georgs, sp&#252;re wie ich mit meinen F&#252;&#223;en mit dem Untergrund verbunden bin und wie die Energie durch meine Sohlen &#252;ber mein R&#252;ckgrat hinauf steigt. Mein R&#252;ckgrat &#8211; die Lanze, mit der ich mich mit den Erdkr&#228;ften verbinde. Ein Woge von Kraft erf&#252;llt meinen ganzen K&#246;rper &#8211; mit jedem Atemzug wird sie st&#228;rker und setzt sich durch den Raum fort. Dann habe ich mit einem Male genug &#8211; und wende mich zum Gehen. Die Energie des Ortes ist sehr geb&#252;ndelt und m&#228;chtig &#8211; zusammengehalten und konzentriert im Schutz der starken Mauern der Kirchenfestung.</p>
<p>Beim Verlassen der Kirche atme ich tief durch &#8211; ich f&#252;hle mich kraftvoll und verbunden. Bevor wir den Friedhof wieder verlassen, lohnt es sich vim Eingang der Kirche aus rechts herum um das Geb&#228;ude zu gehen und die Nordseite zu besuchen. Dort findet sich ein fast unscheinbares Kleinod &#8211; eine Marienstatute in einer mit Efeu und Blumen geschm&#252;ckten Grotte. In ihrem wei&#223;en und blauen Gewand erhebt sie die Augen in Andachht gen Himmel &#8211; ein fast kitschiger Anblick. Und doch nach diesem kraftvollen Erlebnis in der Kirche genau das Richtige, um die Energie wieder zu erden und zu sich zu finden. F&#252;r einen Moment verweile ich in ebenso stiller Andacht vor dieser Statue und reflektiere das Erlebte:</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_6.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - Marienstatue an der Nordseite" width="150" height="200" /><em>Wovor brauche ich zurzeit Schutz? Welche inneren St&#228;rken habe ich, um mich selbst zu sch&#252;tzen? Wie gut bin ich mit meinem inneren Fundament verbunden? Habe ich das Bed&#252;rfnis, mich zur&#252;ckzuziehen, um wieder in Ber&#252;hrung mit der Kraft meiner inneren MItte zu gelangen? Wenn ich mich gerade zur&#252;ckziehe &#8211; was suche ich in diesem R&#252;ckzug?</em></p>
<p>Dann verlasse ich die Festung durch den Torturm und mein Blick f&#228;llt auf die uralte Linde, deren schwere &#196;ste von einem Konstrukt aus Holzbalken getragen werden, sodass sie die Form eines gewaltigen runden Daches einnimmt. Da wird mir ein zuweites Geheimnis von Effeltrich bewusst: diese Linde ist das Gegenst&#252;ck zu St. Georg mit seiner m&#228;nnlichen, aufsteigenden Yang-Energie. Hier finde ich den weiblichen Yin-Pol. Immer noch energetisch lenke ich meine Schritte auf den Dorfplatz, um unter der Linde ganz zu werden.</p>
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