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	<title>Mystische Orte &#187; Deutschland</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>H&#252;gelgr&#228;ber bei M&#252;nsing</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 11:14:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und fr&#252;hgeschichtlichen Denkm&#228;lern, denn schon fr&#252;h haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gef&#252;hlt. W&#228;hrend das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried gl&#228;nzt, sind die St&#228;tten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_387" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-387" title="Bei M&#252;nsing - Land der Kelten" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0079-300x200.jpg" alt="Bei M&#252;nsing - Land der Kelten" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Bei M&#252;nsing - Land der Kelten</p></div>
<p>Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und fr&#252;hgeschichtlichen Denkm&#228;lern, denn schon fr&#252;h haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gef&#252;hlt. W&#228;hrend das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried gl&#228;nzt, sind die St&#228;tten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll sind und von der bewegten Vergangenheit des F&#252;nf-Seen-Landes erz&#228;hlen.<span id="more-386"></span></p>
<p>Eine meiner liebsten Strecken ist der ca. 18 Kilometer lange Rundweg von Wolfratshausen aus &#252;ber M&#252;nsing nach Weipartshausen und zur&#252;ck, denn dort begegnen wir auf Schritt und Tritt den Zeigen einer l&#228;ngst vergessenen Zeit, in der die Kelten das Land besiedelten und uns ihre heiligen Orte hinterlie&#223;en, St&#228;tten der Totenverehrung, wie sie heute in den dichten W&#228;ldern zu finden sind:<br />
H&#252;gelgr&#228;berfelder aus der Hallstattzeit. Die Hallstattzeit markiert den Beginn der keltischen &#196;ra und ist die erste Periode der so genannten Eisenzeit (800 &#8211; 15 v.Chr.), in der das harte und leichter zu beschaffende Material langsam aber sicher die Bronze als Alltagswerkstoff abl&#246;ste. Zugleich wird nach einer Phase der Urnenbestattung die Sitte des Grabh&#252;gels wieder lebendig, wie sie schon Jahrhunderte zuvor in der Bronzezeit gang und g&#228;be war. Es ist bemerkenswert, dass die keltische Bev&#246;lkerung vielfach die gleichen Standorte f&#252;r ihre Totenst&#228;tten w&#228;hlte, wie schon ihre Vorfahren der Bronzezeit, sodass sich in die Grabh&#252;gelfelder immer wieder solche dieser noch weiter zur&#252;ck liegenden Epoche mischen, wenngleich sie damals kleiner und weniger luxuri&#246;s ausgestattet waren. Diese Kontinuit&#228;t zeigt, dass die Menschen sich der Kraft der Orte, an denen sie ihre Verstorbenen zu Grabe trugen, wohl bewusst gewesen sind.</p>
<div id="attachment_388" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-388" title="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0141-300x200.jpg" alt="H&#252;gelgrab" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">H&#252;gelgrab der Hallstattzeit</p></div>
<p>Noch heute strahlen die H&#252;gelgr&#228;berfelder, von denen einige bis zu 70 Grabh&#252;gel aufweisen, eine besondere Magie aus. Oft liegen sie in W&#228;ldern verborgen, wo sie die Zeiten &#252;berdauerten und vielleicht &#252;ber die Jahrhunderte als geheimnisvolle Relikte einer archaischen Vergangenheit respektiert wurden, denn erstaunlicherweise blieben sie in ihrer Lage bis heute unangetastet, obgleich sie auf durchaus fruchtbaren Land liegen, welches eher zur Bewirtschaftung einl&#228;dt, denn zur Bewahrung von Traditionen, deren Sinn sich im Nebel der fernen Vergangenheit verloren haben mag. Doch wer heute beispielsweise das weitl&#228;ufige Grabh&#252;gelfeld nordwestlich von Weipertshausen besucht, wird merken, dass die Kraft dieser Begr&#228;bnisst&#228;tte sich nie verloren hat und auch in den Herzen uns Heutiger Ehrfurcht entfachen muss. Es ist heiliger Boden, den wir betreten.</p>
<div id="attachment_391" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-391 " title="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0129-300x200.jpg" alt="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">H&#252;gelgrab der Hallstattzeit</p></div>
<p>Zu jeder Nekropole gibt es eine Siedlung, im Falle der H&#252;gelgr&#228;ber am &#8220;Kohlmannsfeld&#8221; und in der Nachbarschaft zum Schwarzen Weiher d&#252;rfte es die Siedlung gewesen sein, dort wo sich heute der idyllische Ort Weipertshausen befindet mit seinen wunderbaren herrlich verzierten H&#246;fen. Nordwestlich von Weipertshausen thront die Kapelle St. Koloman, ein nachgotischer Bau von 1608, auf einem Mor&#228;nenh&#252;gel &#8211; ein bezaubernder Ort an sich! Wer den H&#252;gel erklimmt und dort unter urzeitlich anmutenden Buchen und Linden einen Platz sucht, um den Blick weit &#252;ber das &#8220;blaue Land&#8221; streifen zu lassen bis hin zur leuchtenden Kette der Alpen, dem wird etwas von der Erhabenheit zuteil, den dieser lichte Kraftort ausstrahlt. Es empfiehlt sich vor dem Gr&#228;bergang diesen paradiesischen Ort aufzusuchen und hier innere Einkehr zu halten, denn die Himmelskr&#228;fte, die uns hier umfangen, bereiten uns auf den Abstieg in das Reich der Toten trefflich vor. Der H&#252;gel von St. Koloman ist besonderer Ort und es w&#252;rde nicht verwundern, wenn hier schon in vorchristlicher Zeit eine Kultst&#228;tte bestand.</p>
<div id="attachment_389" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-389" title="Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0094-300x200.jpg" alt="Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen</p></div>
<p>Der Heilige Koloman soll ein irischer K&#246;nigssohn im 11. Jahrhundert gewesen sein, der auf seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land in &#214;sterreich zum Tode verurteilt war, weil man ihn f&#252;r einen b&#246;hmischen Spion hielt. Als sein Leiche jedoch nicht verweste und sich zahlreiche Wunder an seinem Grab zeigten, wurde er schlie&#223;lich in den Stand eines Heiligen erhoben. Ausf&#252;hrlich nachzulesen ist die Geschichte hier: <a href="http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/niederoesterreich/weinviertel/kolomann.html" target="_blank">Die Legende vom Heiligen Koloman</a>.</p>
<p>Von der H&#246;he der Kapelle steigen wir herunter in den weiter nordwestlich gelegenen Wald, wo wir schon bald ein Bachbett queren und auf den ersten Grabh&#252;gel sto&#223;en. Wenn wir unser Schritte weiter nordw&#228;rts wenden, tauchen immer mehr Grabh&#252;gel zwischen den B&#228;umen auf, zum Teil von enormen Ausma&#223;en mit sch&#228;tzungsweise bis zu drei Metern H&#246;he. Das Gr&#228;berfeld erstreckt sich bis zum Weihergraben und weiter. Auff&#228;llig ist auch, dass w&#228;hrend sich ringsum der Fichtenwald etablierte, auf den Gr&#228;bern selbst Buchen und andere B&#228;ume erhalten haben. Es ist ein Ort der Stille, aber auch ein unheimlicher Ort, der nicht lange zum Verweilen einl&#228;dt. Wir sind eindeutig Besucher, nicht zwingend G&#228;ste. Selbst bei helllichtem Tag umgibt die Gr&#228;ber etwas Dunkles, Geheimnisvolles und ich f&#252;hle mich an die keltischen Sagen erinnert, nach denen solche H&#252;gel zu gewissen Zeiten den  Eingang in die Andere Welt, die Anderswelt, das Jenseits der Kelten frei geben. Es ist Oktober und Samhain, die Nacht vom 31.10. auf den 1.11. ist nahe, eine Nacht, in der alter keltischer Tradition nach die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten verschwimmt.</p>
<div id="attachment_390" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-390 " title="Der Schwarze Weiher" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0105-300x200.jpg" alt="Der Schwarze Weiher" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Der Schwarze Weiher</p></div>
<p>Etwas weiter &#246;stlich erreichen wir den Schwarzen Weiher, vielleicht so genannt, weil er als Moorsee immer dunkles Wasser f&#252;hrt, vielleicht aber auch, weil auch ihn jene D&#252;sternis umgibt, selbst wenn sich der Himmel hell strahlend und wei&#223;-blau zwischen den Wipfeln der B&#228;ume zeigt, die das stille Gew&#228;sser umgeben. Bl&#228;tter segeln auf den schwarzen Spiegel des Wassers und zeichnen Kreise darauf, doch wirklich Leben hauchen sie der Szene damit nicht ein. Die Melancholie dieses Ortes passt gut zur benachbarten Totenstadt und wie von selbst kreisen die Gedanken um das Mysterium von Leben und Tod.</p>
<p>Wir wenden unsere Schritte weiter nach Osten, hinaus aus dem Wald und auf zur&#252;ck auf die hellen Fluren. Es ist ein eigenartiges Gef&#252;hl, denn das Helle und das Dunkle ist unserer Seele begegnet und hat in uns Licht und Schatten hinterlassen. Die Kelten waren dem Geheimnis des Werdens und Vergehens immer schon nahe. F&#252;r sie war die Anderswelt nur eine andere Form des Lebens, in der es rauschende Feste und k&#246;stliche Gelage geben w&#252;rde. So statteten sie die Gr&#228;ber ihrer Toten mit zahlreichen Gaben aus, allem voran Teller, Trinkgef&#228;&#223;e, T&#246;pfe, damit sie gut ausgestattet an den Feiern teilnehmen k&#246;nnen. Dass sie ihren Toten eigene St&#228;dte errichteten und die H&#252;gel wie Wohnst&#228;tten zu verstehen sind, wirft ein Licht auf das Verst&#228;ndnis von Leben und Tod in diesen vergessenen Zeiten, das so ganz anders ist als das der Moderne. Sterben war ein &#220;bergang in eine andere Form des Lebens und zugleich waren die Verstorbenen, die Ahnen, die Nachbarn der Lebenden.</p>
<p>Vielleicht ist dies die Botschaft, die die Begegnung mit den H&#252;gelgr&#228;bern von Weipartshausen und anderswo f&#252;r uns bereit h&#228;lt.</p>
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		<title>Der Merseburger Dom (2)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 11:32:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wer den Schlosshof links neben dem Portal des Merseburger Doms betritt, wird bald auf eine gro&#223;e Volière sto&#223;en, in der ein Rabenpaar sein Zuhause hat. Was hat es mit diesen Raben auf sich? Folgende Sage erkl&#228;rt diesen Zusammenhang:
Bischof Tilo von Trotha war bekannt als ein Mann, der sich nicht zu beherrschen wusste. Als ihm eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_356" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-356" title="Die Merseburger Raben" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_rabenkaefig_hdr-300x199.jpg" alt="Die Merseburger Raben" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Die Merseburger Raben</p></div>
<p>Wer den Schlosshof links neben dem Portal des Merseburger Doms betritt, wird bald auf eine gro&#223;e Volière sto&#223;en, in der ein Rabenpaar sein Zuhause hat. Was hat es mit diesen Raben auf sich? Folgende Sage erkl&#228;rt diesen Zusammenhang:<span id="more-355"></span></p>
<p>Bischof Tilo von Trotha war bekannt als ein Mann, der sich nicht zu beherrschen wusste. Als ihm eines Tages ein kostbarer Ring abhanden gekommen war, verd&#228;chtigte er sofort seinen Kammerdiener Hans. Obwohl dieser betagt und ihm schon viele Jahre treu gedient hatte, und obowhl er seine Unschuld beteuerte, lie&#223; ihn der Bischof in den Turm werfen. Nun begab es sich, dass der J&#228;ger um die Hand der sch&#246;nen Tochter des K&#228;mmerers angehalten hatte, aber von diesem wegen seines unsteten Lebenswandels abgewiesen worden war. Seither sann er auf Rache und sah den Augenblick gekommen. Er richtete einen Raben ab, die W&#246;rter &#8220;Hans Dieb!&#8221; zu sprechen. Der Bischof und mit ihm das Volk h&#246;rten den Raben dies von sich geben und glaubten, darin die Stimme Gottes zu h&#246;ren. Daraufhin lie&#223; ihn der zornige Bischof zum Tode durch das Schwert verurteilen. Noch auf dem Schafott hob der arme Mann die H&#228;nde zum Himmel und flehte, man m&#246;ge ihm seine Unschuld glauben &#8211; doch sein Flehen war vergebens: er wurde enthauptet. Doch zum Entsetzen der Zuschauer hob er auch nachdem sein Haupt vom Rumpfe fiel die H&#228;nde!</p>
<div id="attachment_364" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-364" title="Kapitelhof des Merseburger Doms" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_kapitelhof_hdr-199x300.jpg" alt="Kapitelhof des Merseburger Doms" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Kapitelhof des Merseburger Doms</p></div>
<p>Jahre sp&#228;ter riss ein Sturm das Dach des Turmes herunter. Zum Vorschein kam ein Rabennest &#8211; und in diesem lag der verlorene Ring! Nun war klar: der Bischof hatte die Schatulle mit dem Ring offen am Fenster stehen gelassen, und ein Rabe hatte sich von dem funkelnden Schmuckst&#252;ck angezogen gef&#252;hlt &#8211; und ihn gestohlen. Da legte der Bischof gro&#223;e Reue an den Tag, entsagte fortan allen weltlichen Gen&#252;ssen und tat Bu&#223;e bis an sein Lebensende. Zudem zieren zwei Raben mit einem Ring im Schnabel seither das Wappen des Bischofs.</p>
<p>Schon fr&#252;h wurde diese Sage auch als solche erkannt, denn Adligen von Trotha f&#252;hrten den Raben mit dem Ring schon lange vor Bischof Tilo in ihrem Wappen. Tilo selbst wurde au&#223;erdem von seinen Zeitgenossen alles andere als j&#228;hzornig beschrieben. Eine m&#246;gliche Erkl&#228;rung f&#252;r das Symbol k&#246;nnte eine Vorlage aus dem Morgenland sein: Bei der Falkenjagd wurden  im islamischen Raum Gl&#246;ckchen am Schnabel des Falken befestigt. Insofern w&#228;re der Rabe mit dem Ring die Fehldeutung eines Jagdfalken. Auch wenn Wappentiere an sich nicht zwingend etwas zu bedeuten haben, k&#246;nnte man sich jedoch auch &#252;berlegen, ob nicht die mythische Bedeutung des Raben eine Rolle gespielt haben mag. In der nordischen Mythologie stehen sie f&#252;r Weisheit und Klugheit, Odin trug die beiden Kolkraben Hugin und Munin auf seinen Schultern, die  ihm berichteten, was auf der Welt vor sich ging. Der Ring im Schnabel des Raben wird als Armreif der freien Germanen gedeutet und damit die Verwurzelung des Geschlechts der von Trotha in heidnische Zeiten angedeutet.</p>
<p>Erinnern wir uns auch an die Raben, die im Londoner Tower gehalten werden, weil nach einer Legende die Monarchie zugrunde gehen w&#252;rde, wenn die Raben den Tower verlassen. Unweit von Merseburg finden wir auch den Kyffh&#228;user,  dem K&#246;nig Barbarossa ruhen soll, und dereinst sein Reich erneuern w&#252;rde, wenn keine Raben mehr dort fliegen. Oder denken wir an den Raben als Todesboten im Gesicht von Edgar Allen-Poe: &#8220;Quoth the Raven, &#8220;Nevermore.&#8221;</p>
<div id="attachment_358" class="wp-caption alignright" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-358" title="Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_kreuzgang_hdr-199x300.jpg" alt="Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg</p></div>
<div id="attachment_359" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-359" title="Der Baumeister im Kreuzgang" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_baumeister_hdr-300x199.jpg" alt="Der Baumeister im Kreuzgang" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Der Baumeister im Kreuzgang</p></div>
<p>Eine weitere Sage rankt sich um seltsame Kratzspuren an den S&#228;ulen des Kreuzganges und ein merkw&#252;rdiges steinernes Bildnis, das einen Mann zeigt, der dem Betrachter offensichtlich sein Hinterteil entgegen streckt. Einst soll der Baumeister des Kreuzganges so unzufrieden mit seinen Planungen gewesen sein, dass er in seiner Wut ausrief: &#8220;Soll doch der Teufel den Kreuzgang bauen &#8211; ich vermag es nicht!&#8221; Der Leibhaftige lie&#223; sich nicht zweimal bitten und stand wie aus dem Boden gestampft vor dem verbl&#252;fften Mann. Er versprach ihm, den wunderbarsten Kreuzgang zu bauen, wenn der Baumeister ihm daf&#252;r seine Seele verspreche. Der listige Mann aber willigte ein, unter der Bedingung, dass der Kreuzgang in wirklich jeder Hinsicht vollkommen zu sein habe &#8211; sonst w&#252;rde der Handel platzen. Der Teufel war sich sicher, dass er diesen Handel gewinnen w&#252;rde und erschuf deinen Kreuzgang, wie es keinen zweiten auf Erden gibt. Als er fertig war und seinen Lohn forderte, erbat sich der Baumeister zuerst einen Rundgang durch das Geb&#228;ude, um zu pr&#252;fen, ob er den gestellten Anspr&#252;chen gen&#252;ge. In der Kapelle des Westfl&#252;gels blieb er stehen, wandte sich an den Teufel und fragte: &#8220;Und wo ist der Altar mit dem Bildnis unseres Erl&#246;sers? Eine Kapelle ist erst dann vollendet, wenn der Altar steht!&#8221; Da begriff der Teufel, dass man ihn zum Narren gehalten hatte, denn ein solches Bildnis konnte er nicht erstellen. Au&#223;er sich vor Wut raste er durch den Gang und versuchte mit seinen Krallen die S&#228;ulen einzurei&#223;en &#8211; was ihm nicht gelang, denn der Baumeister hatte einen Priester gebeten, sie mit Weihwasser zu besprengen. So verlie&#223;en den Widersacher Gottes bald die Kr&#228;fte und es blieben nur die Spuren &#252;brig, wie sie noch heute zu sehen sind. Im S&#252;dosteck des Kreuzganges aber verewigte sich der Baumeister in jener Pose, mit der er die Dummheit des Teufels verspottet.</p>
<p>Wie schon in <a href="http://mystische-orte.de/deutschland/sachsen-anhalt/der-merseburger-dom-1">meinem ersten Beitrag zum Merseburger Dom</a> erw&#228;hnt, wird Merseburg als Mars-Stadt betitelt, indem &#8220;Merse&#8221; volksetymologisch mit dem Kriegsgott in Verbindung gebracht wird. So erstaunt es nicht, dass diese Sagen von den Auswirkungen blinder Wut und ihrer Folgen handeln.</p>
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		<title>M&#246;lln – An Eulenspiegels Grab</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Aug 2008 03:49:44 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Schleswig-Holstein]]></category>
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		<description><![CDATA[Auch wenn Eulenspiegel in der N&#228;he von Braunschweig geboren wurde, so ist doch die Stadt M&#246;lln ganz besonders mit dem Leben des weltber&#252;hmten Volksnarren verbunden, denn hier soll er 1350 an der Pest gestorben sein und auf dem Kirchberg unter einer Linde begraben liegen. Dies ist freilich so gewiss wie die zahlreichen Schw&#228;nke, die sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_237" class="wp-caption alignleft" style="width: 191px"><img class="size-medium wp-image-237" title="Eulenspiegelbrunnen - Skulptur von Karlheinz Goedke" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eulenspiegel_brunnen-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="181" height="272" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Auch wenn Eulenspiegel in der N&#228;he von Braunschweig geboren wurde, so ist doch die Stadt M&#246;lln ganz besonders mit dem Leben des weltber&#252;hmten Volksnarren verbunden, denn hier soll er 1350 an der Pest gestorben sein und auf dem Kirchberg unter einer Linde begraben liegen. Dies ist freilich so gewiss wie die zahlreichen Schw&#228;nke, die sich um diese Sagengestalt ranken. Doch links vom Westportal der Kirche St. Nicolai ist der angebliche Grabstein des Till Eulenspiegel zu besichtigen, in einer vergitterten Nische, die im ausgehenden 19. Jahrhundert eigens geschaffen wurde.<span id="more-236"></span></p>
<p>Heute wissen wir, dass dieser Stein erst um 1500 aufgestellt wurde, sehr wahrscheinlich, um der Frage nach dem Grab des Eulenspiegel eine konkrete Antwort zuordnen zu k&#246;nnen, nachdem die Streiche, die von Hermann Bote um 1470 in einem Volksbuch zusammengefasst wurden, immer beliebter wurden und sich immer mehr Wandernde danach erkundigten. So gesehen ist es weniger ein Grab- als ein Gedenkstein, der wohl zuvor an der Linde vor dem Portal gelehnt stand, bis er wegen der zunehmenden Besch&#228;digungen – man glaubte, ein St&#252;ck der Stele w&#252;rde Gl&#252;ck bringen – seinen Platz in besagter Nische fand.</p>
<div id="attachment_238" class="wp-caption alignright" style="width: 161px"><img class="size-medium wp-image-238" title="Der Eulenspiegelgedenkstein - St. Nicolai zu M&#246;lln" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eulenspiegel_gedenkstein_ganz-151x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="151" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Auf dem Stein ist Eulenspiegel zu erkennen: in der einen Hand tr&#228;gt eine Eule, mit der anderen h&#228;lt er einen Spiegel empor. Darunter ist zu lesen:</p>
<blockquote><p>Anno 1350 is dusse steen upgehauvn de ulenspigel ligt hir under begraven market wol un denket dran wer ick gewest si up erden alle de hir vor&#246;ver gan moten mi glick werden.</p></blockquote>
<p>Ins Neuhochdeutsche &#252;bersetzt hei&#223;t das:</p>
<blockquote><p>Im Jahre 1350 wurde dieser Stein aufgestellt, der Eulenspiegel liegt darunter begraben. Erinnert euch und denkt daran, wer ich war auf Erden. Alle, die hier vor&#252;ber gehen, sollen mir gleich werden.</p></blockquote>
<div id="attachment_239" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-239" title="Eulenspiegel Gedenkstein - Detail" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eulenspiegel_gedenkstein_detail-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Es wird berichtet, dass das Begr&#228;bnis des Till Eulenspiegels ebenso wunderlich ablief wie sein gesamtes Leben. Als man den Sarg hinab lie&#223;, riss ein Seil und der Sarg fiel senkrecht in der Grube, sodass Eulenspiegel auf den F&#252;&#223;en zum Stehen kam. Die M&#246;llner belie&#223;en es dabei, sch&#252;tteten das Grab zu und pflanzten obenauf den Wanderstock des Schelms, so wie er es sich zu Lebzeiten gew&#252;nscht hatte. Aus diesem Stock wuchs dann eben jene Linde, auch wenn diese heute sicherlich eine der vielen Nachpflanzungen ist, die den urspr&#252;nglichen Baum ersetzten. In diesen Baum trieb man fr&#252;her N&#228;gel und auch M&#252;nzen, um dadurch Krankheiten wie Zahnschmerzen zu heilen oder einfach nur, weil es Gl&#252;ck bringen sollte.</p>
<p>Unterhalb des Kirchbergs befindet sich der Eulenspiegelbrunnen, eine Bronzeskulptur in den 50er Jahren geschaffen vom M&#246;llner K&#252;nstler Karlheinz Goedke. Auch hier kann man deutlich erkennen, wie sich der Glaube, Eulenspiegel bringe Gl&#252;ck bis heute fortgesetzt hat: Daumen und Schuhspitzen gl&#228;nzen blank poliert von den unz&#228;hligen Ber&#252;hrungen Vorbeiziehender.</p>
<div id="attachment_240" class="wp-caption alignright" style="width: 224px"><img class="size-medium wp-image-240" title="Eulenspiegel" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eulenspiegel_stich-214x300.jpg" alt="Quelle: Wikipedia" width="214" height="300" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Wikipedia</p></div>
<p>Die Possen des Till Eulenspiegels sind alles andere als Kindersp&#228;&#223;e, denn sie strotzen nur so vor derben Humor und Anz&#252;glichkeiten – alles andere als politisch korrekt, wie wir heute sagen w&#252;rden. Eine besondere Spezialit&#228;t des Possenrei&#223;ers war das bewusste W&#246;rtlichnehmen von Redewendungen. So verdingte er sich einmal als B&#228;cker und fragte den B&#228;cker, was er denn backen solle. Dieser antwortete ungehalten: &#8220;Eulen und Meerkatzen!&#8221; Till nahm dies w&#246;rtlich – und verbrauchte den gesamten Teig daf&#252;r, Brot in Form von Eulen und Meerkatzen. Der w&#252;tende B&#228;cker forderte daraufhin von ihm, den Teig zu bezahlen. Eulenspiegel tat dies und verkaufte die sonderbaren Backwaren mit hohem Gewinn vor der Kirche – sehr zum weiteren Verdruss der B&#228;ckers.</p>
<p>Der Name &#8220;Eulenspiegel&#8221; hat zu vielen Spekulationen Anlass gegeben. Vielleicht leitet er sich davon ab, dass der Schalk &#8220;ulen den spegel&#8221;, also &#8220;euch den Spiegel&#8221; vorgehalten hat mit seinen Scherzen. Andere wollen darin die mittelalterlichen Wendungen &#8220;ulen&#8221; f&#252;r wischen und und &#8220;spegel&#8221; f&#252;r Hinterteil erkennen, sodass dieser Name so viel hei&#223;t wie &#8220;den Hintern wischen&#8221; im Sinne von &#8220;am Arsche lecken&#8221;. Vielleicht steckt von allem etwas darin. Die Eule ist ein bekanntes Symbol f&#252;r Weisheit und der Spiegel f&#252;r Selbsterkenntnis – passend f&#252;r einen Narren.</p>
<p>Till Eulenspiegel, der Narr. An mittelalterlichen H&#246;fen war der Narr eine soziale Institution am Hof und Art Gegenfigur zur h&#246;fischen Etikette. Im Gegensatz zu allen anderen am Hofe, die allesamt &#8220;h&#246;flich&#8221; gegen&#252;ber ihrem Herrscher zu sein hatten, konnte der Narr dem Regenten die Wahrheit ungeschoren ins Gesicht sagen – er hatte &#8220;Narrenfreiheit&#8221;. Traditionell sollte er so daran erinnern, dass auch er sterblich und von Gott eingesetzt worden sei. Interessant ist, dass der Narr selbst durchaus nicht nur als ein sympathischer Schalk betrachtet wurde, denn Narren sind in der christlichen Tradition auch solche, die sich dem Glauben an Gott verleugnen. Sie stehen daher auch f&#252;r Gottesferne – und Teufelsn&#228;he. Dennoch erreichten Hofnarren immer wieder einen angesehenen Status und galten nicht selten als die besten Ratgeber.</p>
<div id="attachment_241" class="wp-caption alignleft" style="width: 192px"><img class="size-medium wp-image-241" title="Der Narr im Marseille Tarot" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/narr_tarot_02-182x300.jpg" alt="Quelle: Wikipedia" width="182" height="300" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Wikipedia</p></div>
<p>Der Narr ist also weise und unweise zugleich. Gerade in seiner augenscheinlichen Torheit ist er kl&#252;ger als alle anderen. Er sieht die Dinge, wie sie wirklich sind, kann es sich leisten, abseits von Moral und Konvention den Finger auf die wunden Stellen zu legen. Was Narretei zu sein scheint, ist in Wirklichkeit Ausdruck gro&#223;er Weitsicht.</p>
<p>Und dann gibt es da noch den &#8220;reinen Tor&#8221; wie Parzival, dessen Torheit ihm erst den Zutritt zur Gralsburg gew&#228;hrte und der – wie Eulenspiegel – gerne alles w&#246;rtlich nahm und als Kind sich von seiner Mutter losriss, um in einem Narrenkleid Ritter zu werden – unbedarft und mutig zugleich. Hier ist die Narrheit, die Freiheit von allen Pr&#228;gungen und Konventionen, der Schl&#252;ssel zur Spiritualit&#228;t.</p>
<div id="attachment_242" class="wp-caption alignright" style="width: 190px"><img class="size-medium wp-image-242" title="Der Narr im Tarot (Rider-Waite)" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/narr_tarot_01-180x300.jpg" alt="Quelle: Wikipedia" width="180" height="300" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Wikipedia</p></div>
<p>Im Tarot finden wir die Figur des Narren als Trumpf mit der Zahl 0. Die Null ist die Nicht-Zahl, das Nichts. Sie steht f&#252;r den Zustand der Welt vor dem Kosmos, verk&#246;rpert durch die Zahl 1. Die Null ist das Chaos – und zwar nicht im landl&#228;ufigen Sinne von Unordnung, sondern von Noch-Nicht-Ordnung: der Zustand der Welt, in der sie noch tohu-wa-bohu war, wie es in der Genesis hei&#223;t, &#8220;w&#252;st und leer&#8221;. Die Elemente sind noch nicht geordnet, sondern liegen in einem chaotischen Durcheinander vor, sie besitzen die M&#246;glichkeit der Ordnung, aber nicht die Wirklichkeit. Die Null ist die Zahl der M&#246;glichkeiten, w&#228;hrend alle anderen Zahlen die Ebenen der Wirklichkeiten verk&#246;rpern. Es hei&#223;t, der Narr tr&#252;ge in seinem Sack das Chaos mit sich herum. Er hinterfragt die Wirklichkeit und zeigt auf, dass hinter allen noch so fest stehenden Konventionen andere Blickwinkel und Denkweisen m&#246;glich sind. Er ersch&#252;ttert unseren Glauben an das Sosein des Kosmos, indem er darauf hinweist, wie die Welt m&#246;glicherweise auch sein kann. Zugleich ist die Zahl Null ein Kreis – Anfang und Ende vereinen sich. Der Kosmos entsteht aus dem Chaos und geht wieder &#252;ber in das Chaos. Die Ordnung der Welt ist ein tempor&#228;rer Zustand, irgendwann werden die Karten neu gemischt und eine neue Ordnung entsteht. Der Narr im Tarot t&#228;nzelt am Abgrund. Es ist das Risiko, das im Chaos verborgen liegt. Hier gibt es keinen sicheren Pfad, keine Sicherheit von Ursache und Wirkung. Hier kennt das Universum ein Vielleicht, hier regiert der Zufall.</p>
<p>Frechheit zerrei&#223;t die Maskerade der so genannten Wirklichkeit – das hat uns Eulenspiegel gelehrt. Wie alle anderen Narren zeigt er uns, dass das, was wir wirklich nennen, nur eine Konvention ist, ein Glaubenskonstrukt, das ziemlich schnell ins Wanken ger&#228;t, wenn wir genauer hinsehen. Viele von uns haben Angst davor und reagieren ver&#228;rgert, ja w&#252;tend – wie der B&#228;cker. Doch Eulenspiegel l&#228;sst sich nicht beirren und zeigt uns weiter, dass das Hinterfragen des &#8220;So-muss-es-sein&#8221; unser Leben &#252;berraschend ver&#228;ndern kann. Der Augenblick, indem wir unsere Gewohnheiten hinterfragen, kann der Beginn einer neuen Sicht der Dinge sein, die uns reicher werden l&#228;sst.</p>
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		<title>Der Eibenwald bei Paterzell</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 13:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Anderswelt]]></category>
		<category><![CDATA[Baum]]></category>
		<category><![CDATA[Eibe]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Trance]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.
Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_223" class="wp-caption alignleft" style="width: 343px"><img class="size-full wp-image-223" title="Im Eibenwald" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/im_eibenwald.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="333" height="222" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.<span id="more-217"></span></p>
<p>Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische Baumart. In Europa gibt es sie schon seit 600.000 Jahren und steht heute unter Naturschutz. Sie ist der einzige heimische Giftbaum und liebt es, im Schatten der anderen B&#228;ume zu gedeihen. Sie braucht kaum Licht und w&#228;chst sehr langsam und nicht sehr hoch (15, manchmal auch bis 18 Meter), doch kann sie daf&#252;r &#228;lter werden als alle &#252;brigen heimischen B&#228;ume.</p>
<div id="attachment_224" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-224" title="Arillus - die Frucht der Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenfrucht-200x300.jpg" alt="Foto: Christoher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Sie ist ein in vieler Hinsicht besonderer und merkw&#252;rdiger Baum, denn sie ist auf der einen Seite ein Nadelgeh&#246;lz, auf der anderen Seite bildet sie keine Samenzapfen wie die Fichte oder die Tanne, sondern als einzige Art rote Beeren, die in Wirklichkeit &#8220;Scheinbeeren&#8221; (Arillus) sind, bei denen das korallrote Fleisch des Fruchtbechers einen Samenkern umh&#252;llt. W&#228;hrend die weiblichen Eiben im Sp&#228;tsommer und Herbst diese Fr&#252;chte tragen, verbreiten die m&#228;nnlichen Eiben aus ihren Bl&#252;ten im Fr&#252;hling einen nebelartigen Staub.</p>
<p>Auff&#228;llig auch die oft gewundene, wulstige, tief gefurchte Gestalt des Stammes, in dessen Formen wir nicht selten eigenartige Wesen und Gesichter zu erkennen glauben. Die Eibe scheint keine Symmetrie zu verfolgen in ihrem Wuchs, sondern immer wieder vereinen sich &#196;ste mit dem Stamm, umwinden diesen, verbinden sich zu einer geschlungenen Ganzen. &#196;ltere B&#228;ume sind hohl und verj&#252;ngen sich, indem sich aus der Krone &#196;ste in den Boden senken und so einen neuen Stamm bilden oder werden von jungem Holz umwallt. Die Eibe scheint sich einem ununterbrochenen Transformationsprozess zu unterwerfen, der es schwer macht ihr wahres Alter zu bestimmen. Ihr Holz hat keine Harzkan&#228;le und eine gelbliche bis tiefrote F&#228;rbung. Besonders an feuchten, regenreichen Tagen leuchtet es unter der abgeschuppten Rinde oft blutrot hervor.</p>
<div id="attachment_225" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-225" title="Eibenholz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenholz-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Ihr sehr haltbares und elastisches Holz wurde der Eibe schon fr&#252;h zum Verh&#228;ngnis. Ihr Name leitet sich von &#8220;iwa&#8221; ab, gleichzeitig das Wort f&#252;r Bogen und Armbrust. Aus diesem Holz schuf man schon seit der Steinzeit besonders langlebige Waffen. Schon das Bogenholz von &#8220;&#214;zti&#8221;, der in den &#214;tztaler Alpen gefundene mumifizierte Leichnam eines Menschen der fr&#252;hen Steinzeit, war aus diesem begehrten Holz gefertigt. Nicht umsonst findet man sie als langsam wachsende Waffenkammern oft geh&#228;uft rings um Burgen. So kam es, dass Eiben in Oberbayern und anderswo aufgrund der gro&#223;en Nachfrage an Kriegs- und Jagdwaffen um 1600 schon weitgehend ausgerottet waren. &#220;berlebt hat sie zumeist in G&#228;rten, auf Friedh&#246;fen und in Parks. Doch selten sind solche Anblicke wie hier bei Paterzell: ein ganzer Wald voller Eiben. Einige dieser Baumahnen sind wohl bis zu 1000 Jahre alt.</p>
<p>Andere wiederum sagen, das althochdeutsche &#8220;iwa&#8221; h&#228;nge mit dem Wort &#8220;ewa&#8221; f&#252;r Ewigkeit zusammen &#8211; die Eibe, der immergr&#252;ne Baum, der den Tod &#252;berwindet &#8211; und bringt.</p>
<blockquote><p>Die Eibe<br />
schl&#228;gt an die Scheibe.<br />
Ein Funkeln<br />
Im Dunkeln<br />
Wie G&#246;tzenzeit, wie Heidentraum<br />
Blickt ins Fenster der Eibenbaum.<br />
(Theodor Fontane)</p></blockquote>
<div id="attachment_226" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-226" title="Eibengespenst" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibengespenst-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Von der Giftigkeit der Eibe spricht bereits Julius C&#228;sar. Er berichtet, dass der Eburonenk&#246;nig Catuvolcus sich mit einem Eibentrunk das Leben nahm. Sehr wahrscheinlich hatte der Selbstmord des Keltenf&#252;rsten einen kultischen Hintergrund. Das Gift der Eibe f&#252;hrt zu einem schnellen Herzstillstand, hei&#223;t Taxin und ist st&#228;rker als das des Fingerhuts. Schon eine geringe Dosis der Nadeln kann auf Pferde t&#246;dlich wirken. Auch f&#252;r Menschen ist die Eibe giftig, allerdings m&#252;sste er wenigstens 50 Gramm davon verspeisen. Einzig das rote Fruchtfleisch, welches den ebenfalls giftigen Samenkern umschlie&#223;t, ist ungiftig und schmackhaft. F&#252;r Rehe allerdings ist die Eibe ein wahrer Leckerbissen: Taxin scheint stimulierend auf die Tiere zu wirken, &#228;hnlich wie Tabak auf den Menschen &#8211; ein Problem vor allen Dingen f&#252;r den Nachwuchs der Eiben, der in den &#252;berhegten Rehbest&#228;nden unserer W&#228;lder durch entsprechende Ma&#223;nahmen wie Umz&#228;unungen gesch&#252;tzt werden muss.</p>
<p>Der griechische Arzt Dioskurides (1.Jhdt. n.Chr.) behauptete, wer unter den Eiben Spaniens schliefe, m&#252;sse sterben. Es reiche manchmal schon aus, vom Schatten der Eibe getroffen zu werden um. Hieronymus Bock (1198 &#8211; 1554) warnt in seinem Kr&#228;uterbuch: „<em id="froh515">Jeder der unter einer Eibe einschl&#228;ft ist des Todes.</em>&#8221; Wegen seiner Giftigkeit galt die Eibe auch als der &#8220;verbotene Baum&#8221;.</p>
<blockquote><p>Du starrtest damals schon<br />
So d&#252;ster treu wie heut,<br />
Du, unsrer Liebe Thron<br />
Und W&#228;chter manche Zeit;<br />
Man sagt, dass Schlaf, ein schlimmer,<br />
Dir aus den Nadeln raucht, -<br />
Ach, wacher war ich nimmer,<br />
Als rings von dir umhaucht!</p>
<p>(Annette von Droste-H&#252;lshoff)</p></blockquote>
<div id="attachment_227" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-medium wp-image-227" title="Die Rune Ihwaz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/rune_ihwaz.png" alt="Quelle: wikipedia" width="150" height="200" /><p class="wp-caption-text">Quelle: wikipedia</p></div>
<p>Es nimmt kaum Wunder, dass dieser geheimnisvolle Baum mit seiner sonderbaren Gestalt auch ein heiliger Baum ist. Die Germanen und Kelten sahen in ihm einen Baum des Todes und der Ewigkeit, ein Begleiter in die Anderswelt. Sie tr&#228;nkten ihre Pfeilspitzen im giftigen Eibensud. Die Druiden, so hei&#223;t es, bevorzugten f&#252;r ihre Zauberst&#228;be das Holz der Eibe. Wahrscheinlich wurde es unter aufwendigen Ritalen geschnitten, vielleicht bei Mondfinsternissen, wie die Hexen in Shakespearses Macbeth dies tun. Der Zauber der Eibe hatte zudem eine bannende Wirkung gegen alles B&#246;se, gegen Hexen und D&#228;monen: &#8220;Vor Eiben kann kein Zauber bleiben&#8221;. B&#246;sartigen Gnomen konnte man beikommen, indem man Eibenzweige vor deren H&#246;hlen streute. Der Eibe hatte im angels&#228;chsischen Raum eine eigene Rune: &#8220;Ihwaz&#8221;. Diese Zauberrune sollte Krankheit und Unheil abwenden.</p>
<p>Die Eiben s&#228;umen den Scheideweg zwischen Leben und Tod:</p>
<blockquote><p>Est via declivis funesta nubila taxo<br />
ducit ad infernas per muta silentia sedes.</p>
<p>Abw&#228;rts senkt sich der Weg,<br />
von trauernden Eiben umd&#252;stert,<br />
F&#252;hrt er durch Schweigen stumm<br />
zu den unterirdischen Sitzen.</p>
<p>(Ovid, Metamorphosen IV, 432)</p></blockquote>
<div id="attachment_228" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-228" title="Ein Eiben-Ungeheuer" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eiben_ungeheuer-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Eine gewaltige Eibe soll auch an den Ufern des Unterweltflusses Kokytus, dem Fluss der Klagen, wachsen. Als Baum der Unterwelt finden wir sie auf vielen Friedh&#246;fen. In der Bretagne hei&#223;t es, dass es auf einem Friedhof jeweils nur einen einzigen Eibenbaum geben d&#252;rfe, weil dieser seine Wurzeln in die M&#252;nder der Toten senke. Andererseits stehen Eiben nicht nur f&#252;r den Tod, sondern auch f&#252;r dessen &#220;berwindung, nicht zuletzt weil sie immergr&#252;n sind. In der irischen Sage von Naoise und Deirdre wachsen aus den Pfl&#246;cken, die in die Leichen der beiden Liebenden geschlagen wurden, zwei Eiben, deren Zweige sich miteinander verbinden und so den Sieg der Liebe &#252;ber den Tod symbolisieren.</p>
<div id="attachment_229" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-229" title="Hohle Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/hohle_eibe-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>An dieser Stelle sei auch erw&#228;hnt, dass manche glauben, Yggdrasil, der Weltenbaum der Germanen, sei gar keine Esche, sondern eine Eibe, da diese als immergr&#252;ner Baum viel besser geeignet sei, die neun Welten zu verbinden. Bemerkenswert ist, dass Yggdrasil so viel wie &#8220;das Pferd des Schrecklichen&#8221; bedeutet, wobei der Schreckliche niemand geringerer sein wird als Odin selbst, der h&#246;chste aller G&#246;tter. Wenn damit der Baum selbst gemeint ist, dann k&#246;nnte er auch als ein &#8220;Reisebaum&#8221; betrachtet werden &#8211; ein Baum, auf dessen &#8220;R&#252;cken&#8221; wir in andere Welten reisen k&#246;nnen. Dies k&#246;nnte ein Hinweis auf die psychoaktiven Wirkstoffe der Eibe sein: Besonders an warmem Tagen d&#252;nsten Eiben Pseudoalkaloide aus, so dass viele Menschen schon nach wenigen Minuten eine Mundtrockenheit, Entspannung und W&#228;rme empfinden, eine typische Alkaloidwirkung. Andere berichten &#252;ber Beklommenheit, Kopfschmerzen und Kreislaufst&#246;rungen, die sich nach einem mehrst&#252;ndigen Aufenthalt unter der Eibe einstellen. Auch rauschartige, euphorische Zust&#228;nde bis hin zu Trance k&#246;nnen eintreten.Hielten deshalb die Druiden unter Eiben Rat, weil sie die bewusstseinserweiternde Wirkung dieses Baumes nutzten?</p>
<p>Wie dem auch sei. Alles Wissen um die Mythologie der Eibe reicht nicht aus, um zu beschreiben, was wir erleben, wenn wir uns auf die Kraft des Eibenwaldes einlassen. Bei einem Besuch im Paterzeller Eibenwald, am besten fr&#252;h am Morgen oder in den Abenstunden, mag jeder sich seinen eigenen Eindruck verschaffen. Die Begegnung mit diesen Baumgeistern ist in jeden Fall etwas ganz Besonderes. In ihrem Schatten herrscht eine d&#252;stere Atmosph&#228;re, die Ehrfurcht einfl&#246;&#223;t &#8211; kein Baum, unter dessen sch&#252;tzenden Dach ich ein Picknick machen w&#252;rde. Jeder Baum ist ein Individuum, keine Begegnung gleicht der anderen. Wie Gespenster oder Wesen aus einer anderen Welt strecken sie uns ihre &#196;ste entgegen, manchmal einladend, &#246;fters aber warnend. Wer sich von der Eibe ber&#252;hren l&#228;sst, der muss bereit sein, ihre starke Kraft der Wandlung zuzulassen. Dann aber ist die Eibe wie ein Kanal, der uns vo Altlasten befreien kann &#8211; wenn wir bereit sind, sie wirklich loszulassen, um einen Neubeginn zu wagen. Eiben ver&#228;ndern uns, mehr noch, sie verwandeln uns. Wer dies nicht ertragen will, der sollte sich nicht zu lange ihrem Einfluss aussetzen &#8230;</p>
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		<title>Die Nixe aus der Unstrut</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jul 2008 20:55:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
		<category><![CDATA[Nixe]]></category>
		<category><![CDATA[Wasserfrau]]></category>
		<category><![CDATA[Wassergeist]]></category>

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		<description><![CDATA[Bevor die Unstrut bei Naumburg in die Saale m&#252;ndet, hat sie bereits fast 200 Kilometer durch Th&#252;ringen und Sachsen-Anhalt zur&#252;ckgelegt. Ihr Name geht auf das germanische Wort f&#252;r Sumpf zur&#252;ck und die Vorsilbe &#8220;Un-&#8221; ist eine Steigerungsform dazu: wie aus einem Wetter ein &#8220;Unwetter&#8221; wird, so wird aus einem Sumpf, ein &#8220;Unsumpf&#8221; &#8211; oder eben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_207" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-207" title="An der Unstrut" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/unstrut-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Bevor die Unstrut bei Naumburg in die Saale m&#252;ndet, hat sie bereits fast 200 Kilometer durch Th&#252;ringen und Sachsen-Anhalt zur&#252;ckgelegt. Ihr Name geht auf das germanische Wort f&#252;r Sumpf zur&#252;ck und die Vorsilbe &#8220;Un-&#8221; ist eine Steigerungsform dazu: wie aus einem Wetter ein &#8220;Unwetter&#8221; wird, so wird aus einem Sumpf, ein &#8220;Unsumpf&#8221; &#8211; oder eben die Unstrut. Dies zeigt, dass dieser Fluss sich mitnichten immer so sanft und beschaulich gegeben haben mag, wie ihn heute Kanufahrer und Wanderer erleben. Und so verwandelt sich das von B&#228;umen und B&#252;schen flankierte Gew&#228;sser noch heute in regenreichen Zeiten in einen rei&#223;enden Strom und sein Wasser droht &#252;ber die Ufer zu treten und Wiesen, Felder und St&#228;dte zu &#252;berfluten.<span id="more-206"></span></p>
<div id="attachment_209" class="wp-caption alignright" style="width: 190px"><img class="size-medium wp-image-209" title="Der Fischer und die Nixe - Knut Ekvall" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/nixe.jpg" alt="Quelle: Wikipedia" width="180" height="239" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Wikipedia</p></div>
<p>Diese Unberechenbarkeit des Wassers schuldete man in fr&#252;heren Zeiten den Launen der Wassergeister, die ihre Heimst&#228;tte in den Fl&#252;ssen hatten. Wie ihre gro&#223;e Schwester, die Saale, wird auch die Unstrut von solchen unheimlichen Wesen bewohnt. Man erz&#228;hlt sich von der Unstrutnixe und beschreibt sie als eine wundersch&#246;ne Frau mit wasserhellen Augen und langen, nasstriefenden Haaren, die ihr bis zu den Fersen reichen. Wenn sie an den Ufern entlang schreitet, rauscht sanft ihr Kleid aus Seide und man h&#246;rt das Pl&#228;tschern der Wellen darin. Auch wenn sie vielen Menschen nicht geheuer ist, so gilt sie doch nicht als b&#246;ser Geist, denn wer ihr wohlgesonnen ist, den l&#228;sst sie in Frieden und zeigt sich sogar mildt&#228;tig, dann und wann. Doch &#252;ble Menschen und solche, die ihr spotten, haben nichts Gutes von ihr zu erwarten: die holt sie in ihr nasses Grab.</p>
<p>Die Unstrut, so hei&#223;t es, will noch vor dem Johannis-Tag &#8211; der Mittsommernacht -, ein Opfer haben. Erst danach ist man an ihren Ufern wirklich sicher. Nur Kinder sollten das ganze Jahr auf der Hut sein, denn trauen sollte man dem Frieden auf keinen Fall. Einmal warfen dumme Jungen mit Steinen nach der Nixe als sie gerade auftauchte und sangen:</p>
<blockquote><p>Wassernixe, du musst sterben<br />
in dem tiefen Wasserloch!<br />
Wassernixe, bist getroffen?<br />
Wassernixe, lebst du noch?&#8221;</p></blockquote>
<p>Das freilich mussten die Bengel b&#252;&#223;en. Ehe sie es sich versehen konnten, griff sie eines der Kinder und zerrte es an den dunklen Grund des Wassers &#8211; auf Nimmerwiedersehen. Ein anderes Mal weinte eine Frau an den Ufern der Unstrut und beklagte den Verlust ihres Kindes, das in den Fluss gefallen und dort ertrunken war. Die Tr&#228;nen regneten nur so in das Wasser. Da tauchte die Nixe auf und &#252;bergab der Mutter das tote Kind, um zu zeigen, dass sie es nicht geholt hatte, sondern das es ein Unfall war. Zugleich &#252;berreichte sie ihr eine goldene Schale mit Perlen darin und fl&#252;sterte mit ihrer sanften, pl&#228;tschernden Stimme: &#8220;Nimm diese, es sind deine Tr&#228;nen, die ich auffing&#8221; &#8211; und verschwand in den Tiefen.</p>
<div id="attachment_208" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-208" title="Unwetter an der Unstrut" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/unstrut_gewitter-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Geopfert haben die Menschen den Wassergeistern, in der Hoffnung, sie milde zu stimmen und vor dem Hochwasser verschont zu bleiben. So wird berichtet, dass ein M&#252;ller, dessen Wehr von der Unstrut immer wieder zerst&#246;rt worden war, geh&#246;rt hatte, er m&#252;sse ein lebendes Wesen beim Errichten des neuen Wehrs einmauern. Nach anf&#228;nglichem Zweifeln entschied er sich, dieses schreckliche Opfer zu bringen und kaufte einer armen Frau ihr Neugeborenes ab. Unter Zauberspr&#252;chen mauerte der Baumeister des M&#252;llers den S&#228;ugling um Mitternacht in das neue Wehr ein &#8211; mit Erfolg: zwanzig Jahre trotze das Bauwerk jedem Hochwasser. Eines Tages aber ging die Mutter des Kindes an dem Wehr vorbei &#8211; da erhob sich die Unstrut, begann zu brodeln und zu sch&#228;umen, b&#228;umte sich in einer gewaltigen Welle auf und zerst&#246;rte die Mauern. Aus den Fluten aber tauchte eine wundersch&#246;ne Nixe auf mit langem, goldenem Haar, niemand anderes als die Tochter der ungl&#252;ckseligen Frau. In Panik rannte sie davon. Tage sp&#228;ter fand man sie &#8211; ertrunken in der Unstrut.</p>
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