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	<title>Mystische Orte &#187; Sachsen-Anhalt</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>Der Merseburger Dom (2)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 11:32:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer den Schlosshof links neben dem Portal des Merseburger Doms betritt, wird bald auf eine gro&#223;e Volière sto&#223;en, in der ein Rabenpaar sein Zuhause hat. Was hat es mit diesen Raben auf sich? Folgende Sage erkl&#228;rt diesen Zusammenhang:
Bischof Tilo von Trotha war bekannt als ein Mann, der sich nicht zu beherrschen wusste. Als ihm eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_356" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-356" title="Die Merseburger Raben" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_rabenkaefig_hdr-300x199.jpg" alt="Die Merseburger Raben" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Die Merseburger Raben</p></div>
<p>Wer den Schlosshof links neben dem Portal des Merseburger Doms betritt, wird bald auf eine gro&#223;e Volière sto&#223;en, in der ein Rabenpaar sein Zuhause hat. Was hat es mit diesen Raben auf sich? Folgende Sage erkl&#228;rt diesen Zusammenhang:<span id="more-355"></span></p>
<p>Bischof Tilo von Trotha war bekannt als ein Mann, der sich nicht zu beherrschen wusste. Als ihm eines Tages ein kostbarer Ring abhanden gekommen war, verd&#228;chtigte er sofort seinen Kammerdiener Hans. Obwohl dieser betagt und ihm schon viele Jahre treu gedient hatte, und obowhl er seine Unschuld beteuerte, lie&#223; ihn der Bischof in den Turm werfen. Nun begab es sich, dass der J&#228;ger um die Hand der sch&#246;nen Tochter des K&#228;mmerers angehalten hatte, aber von diesem wegen seines unsteten Lebenswandels abgewiesen worden war. Seither sann er auf Rache und sah den Augenblick gekommen. Er richtete einen Raben ab, die W&#246;rter &#8220;Hans Dieb!&#8221; zu sprechen. Der Bischof und mit ihm das Volk h&#246;rten den Raben dies von sich geben und glaubten, darin die Stimme Gottes zu h&#246;ren. Daraufhin lie&#223; ihn der zornige Bischof zum Tode durch das Schwert verurteilen. Noch auf dem Schafott hob der arme Mann die H&#228;nde zum Himmel und flehte, man m&#246;ge ihm seine Unschuld glauben &#8211; doch sein Flehen war vergebens: er wurde enthauptet. Doch zum Entsetzen der Zuschauer hob er auch nachdem sein Haupt vom Rumpfe fiel die H&#228;nde!</p>
<div id="attachment_364" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-364" title="Kapitelhof des Merseburger Doms" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_kapitelhof_hdr-199x300.jpg" alt="Kapitelhof des Merseburger Doms" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Kapitelhof des Merseburger Doms</p></div>
<p>Jahre sp&#228;ter riss ein Sturm das Dach des Turmes herunter. Zum Vorschein kam ein Rabennest &#8211; und in diesem lag der verlorene Ring! Nun war klar: der Bischof hatte die Schatulle mit dem Ring offen am Fenster stehen gelassen, und ein Rabe hatte sich von dem funkelnden Schmuckst&#252;ck angezogen gef&#252;hlt &#8211; und ihn gestohlen. Da legte der Bischof gro&#223;e Reue an den Tag, entsagte fortan allen weltlichen Gen&#252;ssen und tat Bu&#223;e bis an sein Lebensende. Zudem zieren zwei Raben mit einem Ring im Schnabel seither das Wappen des Bischofs.</p>
<p>Schon fr&#252;h wurde diese Sage auch als solche erkannt, denn Adligen von Trotha f&#252;hrten den Raben mit dem Ring schon lange vor Bischof Tilo in ihrem Wappen. Tilo selbst wurde au&#223;erdem von seinen Zeitgenossen alles andere als j&#228;hzornig beschrieben. Eine m&#246;gliche Erkl&#228;rung f&#252;r das Symbol k&#246;nnte eine Vorlage aus dem Morgenland sein: Bei der Falkenjagd wurden  im islamischen Raum Gl&#246;ckchen am Schnabel des Falken befestigt. Insofern w&#228;re der Rabe mit dem Ring die Fehldeutung eines Jagdfalken. Auch wenn Wappentiere an sich nicht zwingend etwas zu bedeuten haben, k&#246;nnte man sich jedoch auch &#252;berlegen, ob nicht die mythische Bedeutung des Raben eine Rolle gespielt haben mag. In der nordischen Mythologie stehen sie f&#252;r Weisheit und Klugheit, Odin trug die beiden Kolkraben Hugin und Munin auf seinen Schultern, die  ihm berichteten, was auf der Welt vor sich ging. Der Ring im Schnabel des Raben wird als Armreif der freien Germanen gedeutet und damit die Verwurzelung des Geschlechts der von Trotha in heidnische Zeiten angedeutet.</p>
<p>Erinnern wir uns auch an die Raben, die im Londoner Tower gehalten werden, weil nach einer Legende die Monarchie zugrunde gehen w&#252;rde, wenn die Raben den Tower verlassen. Unweit von Merseburg finden wir auch den Kyffh&#228;user,  dem K&#246;nig Barbarossa ruhen soll, und dereinst sein Reich erneuern w&#252;rde, wenn keine Raben mehr dort fliegen. Oder denken wir an den Raben als Todesboten im Gesicht von Edgar Allen-Poe: &#8220;Quoth the Raven, &#8220;Nevermore.&#8221;</p>
<div id="attachment_358" class="wp-caption alignright" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-358" title="Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_kreuzgang_hdr-199x300.jpg" alt="Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg</p></div>
<div id="attachment_359" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-359" title="Der Baumeister im Kreuzgang" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_baumeister_hdr-300x199.jpg" alt="Der Baumeister im Kreuzgang" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Der Baumeister im Kreuzgang</p></div>
<p>Eine weitere Sage rankt sich um seltsame Kratzspuren an den S&#228;ulen des Kreuzganges und ein merkw&#252;rdiges steinernes Bildnis, das einen Mann zeigt, der dem Betrachter offensichtlich sein Hinterteil entgegen streckt. Einst soll der Baumeister des Kreuzganges so unzufrieden mit seinen Planungen gewesen sein, dass er in seiner Wut ausrief: &#8220;Soll doch der Teufel den Kreuzgang bauen &#8211; ich vermag es nicht!&#8221; Der Leibhaftige lie&#223; sich nicht zweimal bitten und stand wie aus dem Boden gestampft vor dem verbl&#252;fften Mann. Er versprach ihm, den wunderbarsten Kreuzgang zu bauen, wenn der Baumeister ihm daf&#252;r seine Seele verspreche. Der listige Mann aber willigte ein, unter der Bedingung, dass der Kreuzgang in wirklich jeder Hinsicht vollkommen zu sein habe &#8211; sonst w&#252;rde der Handel platzen. Der Teufel war sich sicher, dass er diesen Handel gewinnen w&#252;rde und erschuf deinen Kreuzgang, wie es keinen zweiten auf Erden gibt. Als er fertig war und seinen Lohn forderte, erbat sich der Baumeister zuerst einen Rundgang durch das Geb&#228;ude, um zu pr&#252;fen, ob er den gestellten Anspr&#252;chen gen&#252;ge. In der Kapelle des Westfl&#252;gels blieb er stehen, wandte sich an den Teufel und fragte: &#8220;Und wo ist der Altar mit dem Bildnis unseres Erl&#246;sers? Eine Kapelle ist erst dann vollendet, wenn der Altar steht!&#8221; Da begriff der Teufel, dass man ihn zum Narren gehalten hatte, denn ein solches Bildnis konnte er nicht erstellen. Au&#223;er sich vor Wut raste er durch den Gang und versuchte mit seinen Krallen die S&#228;ulen einzurei&#223;en &#8211; was ihm nicht gelang, denn der Baumeister hatte einen Priester gebeten, sie mit Weihwasser zu besprengen. So verlie&#223;en den Widersacher Gottes bald die Kr&#228;fte und es blieben nur die Spuren &#252;brig, wie sie noch heute zu sehen sind. Im S&#252;dosteck des Kreuzganges aber verewigte sich der Baumeister in jener Pose, mit der er die Dummheit des Teufels verspottet.</p>
<p>Wie schon in <a href="http://mystische-orte.de/deutschland/sachsen-anhalt/der-merseburger-dom-1">meinem ersten Beitrag zum Merseburger Dom</a> erw&#228;hnt, wird Merseburg als Mars-Stadt betitelt, indem &#8220;Merse&#8221; volksetymologisch mit dem Kriegsgott in Verbindung gebracht wird. So erstaunt es nicht, dass diese Sagen von den Auswirkungen blinder Wut und ihrer Folgen handeln.</p>
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		<title>Die Nixe aus der Unstrut</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jul 2008 20:55:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Fluss]]></category>
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		<description><![CDATA[Bevor die Unstrut bei Naumburg in die Saale m&#252;ndet, hat sie bereits fast 200 Kilometer durch Th&#252;ringen und Sachsen-Anhalt zur&#252;ckgelegt. Ihr Name geht auf das germanische Wort f&#252;r Sumpf zur&#252;ck und die Vorsilbe &#8220;Un-&#8221; ist eine Steigerungsform dazu: wie aus einem Wetter ein &#8220;Unwetter&#8221; wird, so wird aus einem Sumpf, ein &#8220;Unsumpf&#8221; &#8211; oder eben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_207" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-207" title="An der Unstrut" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/unstrut-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Bevor die Unstrut bei Naumburg in die Saale m&#252;ndet, hat sie bereits fast 200 Kilometer durch Th&#252;ringen und Sachsen-Anhalt zur&#252;ckgelegt. Ihr Name geht auf das germanische Wort f&#252;r Sumpf zur&#252;ck und die Vorsilbe &#8220;Un-&#8221; ist eine Steigerungsform dazu: wie aus einem Wetter ein &#8220;Unwetter&#8221; wird, so wird aus einem Sumpf, ein &#8220;Unsumpf&#8221; &#8211; oder eben die Unstrut. Dies zeigt, dass dieser Fluss sich mitnichten immer so sanft und beschaulich gegeben haben mag, wie ihn heute Kanufahrer und Wanderer erleben. Und so verwandelt sich das von B&#228;umen und B&#252;schen flankierte Gew&#228;sser noch heute in regenreichen Zeiten in einen rei&#223;enden Strom und sein Wasser droht &#252;ber die Ufer zu treten und Wiesen, Felder und St&#228;dte zu &#252;berfluten.<span id="more-206"></span></p>
<div id="attachment_209" class="wp-caption alignright" style="width: 190px"><img class="size-medium wp-image-209" title="Der Fischer und die Nixe - Knut Ekvall" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/nixe.jpg" alt="Quelle: Wikipedia" width="180" height="239" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Wikipedia</p></div>
<p>Diese Unberechenbarkeit des Wassers schuldete man in fr&#252;heren Zeiten den Launen der Wassergeister, die ihre Heimst&#228;tte in den Fl&#252;ssen hatten. Wie ihre gro&#223;e Schwester, die Saale, wird auch die Unstrut von solchen unheimlichen Wesen bewohnt. Man erz&#228;hlt sich von der Unstrutnixe und beschreibt sie als eine wundersch&#246;ne Frau mit wasserhellen Augen und langen, nasstriefenden Haaren, die ihr bis zu den Fersen reichen. Wenn sie an den Ufern entlang schreitet, rauscht sanft ihr Kleid aus Seide und man h&#246;rt das Pl&#228;tschern der Wellen darin. Auch wenn sie vielen Menschen nicht geheuer ist, so gilt sie doch nicht als b&#246;ser Geist, denn wer ihr wohlgesonnen ist, den l&#228;sst sie in Frieden und zeigt sich sogar mildt&#228;tig, dann und wann. Doch &#252;ble Menschen und solche, die ihr spotten, haben nichts Gutes von ihr zu erwarten: die holt sie in ihr nasses Grab.</p>
<p>Die Unstrut, so hei&#223;t es, will noch vor dem Johannis-Tag &#8211; der Mittsommernacht -, ein Opfer haben. Erst danach ist man an ihren Ufern wirklich sicher. Nur Kinder sollten das ganze Jahr auf der Hut sein, denn trauen sollte man dem Frieden auf keinen Fall. Einmal warfen dumme Jungen mit Steinen nach der Nixe als sie gerade auftauchte und sangen:</p>
<blockquote><p>Wassernixe, du musst sterben<br />
in dem tiefen Wasserloch!<br />
Wassernixe, bist getroffen?<br />
Wassernixe, lebst du noch?&#8221;</p></blockquote>
<p>Das freilich mussten die Bengel b&#252;&#223;en. Ehe sie es sich versehen konnten, griff sie eines der Kinder und zerrte es an den dunklen Grund des Wassers &#8211; auf Nimmerwiedersehen. Ein anderes Mal weinte eine Frau an den Ufern der Unstrut und beklagte den Verlust ihres Kindes, das in den Fluss gefallen und dort ertrunken war. Die Tr&#228;nen regneten nur so in das Wasser. Da tauchte die Nixe auf und &#252;bergab der Mutter das tote Kind, um zu zeigen, dass sie es nicht geholt hatte, sondern das es ein Unfall war. Zugleich &#252;berreichte sie ihr eine goldene Schale mit Perlen darin und fl&#252;sterte mit ihrer sanften, pl&#228;tschernden Stimme: &#8220;Nimm diese, es sind deine Tr&#228;nen, die ich auffing&#8221; &#8211; und verschwand in den Tiefen.</p>
<div id="attachment_208" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-208" title="Unwetter an der Unstrut" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/unstrut_gewitter-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Geopfert haben die Menschen den Wassergeistern, in der Hoffnung, sie milde zu stimmen und vor dem Hochwasser verschont zu bleiben. So wird berichtet, dass ein M&#252;ller, dessen Wehr von der Unstrut immer wieder zerst&#246;rt worden war, geh&#246;rt hatte, er m&#252;sse ein lebendes Wesen beim Errichten des neuen Wehrs einmauern. Nach anf&#228;nglichem Zweifeln entschied er sich, dieses schreckliche Opfer zu bringen und kaufte einer armen Frau ihr Neugeborenes ab. Unter Zauberspr&#252;chen mauerte der Baumeister des M&#252;llers den S&#228;ugling um Mitternacht in das neue Wehr ein &#8211; mit Erfolg: zwanzig Jahre trotze das Bauwerk jedem Hochwasser. Eines Tages aber ging die Mutter des Kindes an dem Wehr vorbei &#8211; da erhob sich die Unstrut, begann zu brodeln und zu sch&#228;umen, b&#228;umte sich in einer gewaltigen Welle auf und zerst&#246;rte die Mauern. Aus den Fluten aber tauchte eine wundersch&#246;ne Nixe auf mit langem, goldenem Haar, niemand anderes als die Tochter der ungl&#252;ckseligen Frau. In Panik rannte sie davon. Tage sp&#228;ter fand man sie &#8211; ertrunken in der Unstrut.</p>
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		<title>Der Bauerngraben</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jul 2008 12:21:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Harz]]></category>
		<category><![CDATA[See]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen Ro&#223;la und Agnesdorf, westlich von Questenberg, liegt der geheimnisvolle Bauerngraben.
Unser Spaziergang beginnt an einem Parkplatz an der Stra&#223;e von Ro&#223;la nach Agnesdorf, an dem der Karstwanderweg nach Osten Richtung Questenberg f&#252;hrt. Wir aber wenden uns westw&#228;rts, &#252;berqueren die Stra&#223;e und tauchen in den dichten Buchenwald ein. Hin und wieder leuchten die roten Beeren der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_113" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-113" title="bauerngraben" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/bauerngraben.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="150" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Zwischen Ro&#223;la und Agnesdorf, westlich von Questenberg, liegt der geheimnisvolle Bauerngraben.</p>
<p>Unser Spaziergang beginnt an einem Parkplatz an der Stra&#223;e von Ro&#223;la nach Agnesdorf, an dem der Karstwanderweg nach Osten Richtung Questenberg f&#252;hrt. Wir aber wenden uns westw&#228;rts, &#252;berqueren die Stra&#223;e und tauchen in den dichten Buchenwald ein. Hin und wieder leuchten die roten Beeren der Eberesche am Wegrand auf. Der kaum befestigte Weg steigt in sanften Schw&#252;ngen auf und ab, an unz&#228;hligen Dolinen vorbei, die erahnen lassen, auf welchem Gestein wir hier wandern. <span id="more-108"></span>Schlie&#223;lich &#246;ffnet sich der Wald zu unserer Rechten und gibt den Blick frei auf Felder und &#196;cker. Nach einer Weile wird es auch zu unserer Linken lichter und zwischen den Zweigen und &#196;sten blitzt der wei&#223;e Karstfelsen auf, w&#228;hrend die B&#246;schung auf einmal einige Meter steil abf&#228;llt und zwischen den B&#228;umen ein T&#252;mpel sichtbar wird, der sich auf dem Grund einer weitl&#228;ufigen Talsenke befindet. Wir gehen noch ein St&#252;ck des Weges am Rande dieser Senke entlang bis die B&#228;ume ganz weichen und den Blick v&#246;llig freigeben auf das Tal. Wir stehen da und staunen.</p>
<div id="attachment_114" class="wp-caption alignnone" style="width: 660px"><img class="size-full wp-image-114" title="bauerngraben_panorama" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/bauerngraben_panorama.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="650" height="99" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Eine gr&#252;ne, sumpfige Landschaft erstreckt sich zu unseren F&#252;&#223;en, zwischen hohem Gras leuchten gelbe und violette Blumen auf. Fast unscheinbar zeichnet der m&#228;andernde Glasebach seinen Weg durch das satte Gr&#252;n.<br />
Wir treffen zwei Wanderer, die sich als Einheimische vorstellen. Die Frau erz&#228;hlt, dass sie als Kind im Bauerngraben schwimmen ging, und dass das Wasser wundervoll klar und sauber sei und bis an den Waldrand hinauf reicht, doch seit zwei Jahren h&#228;tte sich der See nicht mehr gezeigt. Ob man denn nicht sagen k&#246;nne, wann der See wieder auftaucht, frage ich. Nein, f&#252;gt der Mann hinzu, man habe keine Regelm&#228;&#223;igkeit beobachtet, weder die Schneeschmelze im Fr&#252;hjahr noch starke Regeng&#252;sse h&#228;tten einen Einfluss. Er sei eben nicht periodisch &#8211; und nun verstehe ich, warum er auf manchen Karten als episodischer See eingetragen war. Er kommt und geht, wann er will.</p>
<div id="attachment_115" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-115" title="bauerngraben_vegetation" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/bauerngraben_vegetation.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="150" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Wie erkl&#228;rt sich dieses seltene Ph&#228;nomen? Der Bauerngraben tr&#228;gt den Titel &#8220;episodischer See&#8221;: Wenn zuviel Wasser aus dem Glasebach in das Becken dr&#228;ngt, staut es sich, denn die Schluckl&#246;cher des Karstfelsens, die in ein weitverzweigtes H&#246;hlensystem f&#252;hren, in das sich der Bach ergie&#223;t, k&#246;nnen schnell durch Schlamm verstopfen. Dann kann es vorkommen, dass &#252;ber Wochen, Monate und sogar Jahre Wasser im Bauerngraben zu finden ist. Ebenso h&#228;ufig aber kann der Bauerngraben &#252;ber Jahre trocken bleiben. Dieses unstete F&#252;llen und Leeren des Sees hat Anlass zu vielen Geschichten und Spekulationen gegeben, denn niemand vermag vorherzusagen, ob er das etwas drei Hektar gro&#223;e Becken als See besuchen wird oder nur eine sumpfige Wiese vorfinden wird. Von heute auf morgen kann sich der Zustand des Bauerngrabens &#228;ndern. Einmal soll sich der See &#252;ber einige Jahre gehalten haben. Da hat man sich ein Herz gefasst und Karpfen in den Teich gesetzt, um das Gew&#228;sser zu befischen. Das ging auch einige Zeit gut &#8211; doch dann war der See wieder &#252;ber Nacht verschwunden, und mit ihm alle Fische.</p>
<p>Meine oben geschilderte Begegnung mit dem Bauerngraben fand bereits 2005 statt. Zurzeit (2008) ist der See offensichtlich wieder gef&#252;llt &#8230; wie lange diesmal?</p>
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		<title>Der Merseburger Dom (1)</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jul 2008 08:48:52 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
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		<description><![CDATA[Merseburg &#8211; der Name der Stadt wurde noch bis in die Renaissance hinein als &#8220;Burg des Mars&#8221; gedeutet, eine Stadt also geweiht dem Kriegsgott Mars. Sehr viel wahrscheinlicher ist zwar, dass sich der erste Teil des Namens der Stadt von dem alts&#228;chsichen Wort meri f&#252;r &#8220;Sumpf&#8221; ableitet, denn die Stadt liegt dort, wo sich das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_58" class="wp-caption alignleft" style="width: 170px"><img class="size-medium wp-image-58" title="Merseburger Dom" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/merseburger_dom_eingang-200x300.jpg" alt="" width="160" height="240" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Merseburg &#8211; der Name der Stadt wurde noch bis in die Renaissance hinein als &#8220;Burg des Mars&#8221; gedeutet, eine Stadt also geweiht dem Kriegsgott Mars. Sehr viel wahrscheinlicher ist zwar, dass sich der erste Teil des Namens der Stadt von dem alts&#228;chsichen Wort <em>meri</em> f&#252;r &#8220;Sumpf&#8221; ableitet, denn die Stadt liegt dort, wo sich das Fl&#252;sschen Geisel in die Saale ergie&#223;t, ein in fr&#252;heren Zeiten sicherlich sehr wasserreiches Gebiet. Das Gebiet wurde wohl schon sehr fr&#252;h besiedelt, doch erste urkundliche Erw&#228;hnung findet die Stadt im 9. Jahrhundert &#8211; wir betreten also fr&#252;hmittelalterlichen Grund. Im 11. Jahrhundert errichtete Thietmar von Merseburg den heute weltber&#252;hmten Dom, der einige der bedeutendsten Meisterwerke des Mittelalters und sp&#228;terer Epochen beherbergt.<span id="more-53"></span></p>
<p>Genau dort, wo sich Langhaus und Querhaus der Kirche kreuzen, im Mittelpunkt der so genannten Vierung und damit an der wichtigsten Stelle &#252;berhaupt im ganzen Geb&#228;ude, befindet sich die bronzene Grabplatte Rudolfs von Schwaben, das wohl &#228;lteste erhaltene Bildnisgrabmal. Urspr&#252;nglich vergoldet und mit Edelsteinen besetzt muss einen tiefen Eindruck auf die Besucher der Kirche gemacht haben, wenn das Licht der Sonne durch die Fenster im Chor es in vollem Glanze erstrahlen lie&#223;.</p>
<p>Fast wie ein Heiliger liegt Rudolf da, einst Gegenk&#246;nig Heinrichs IV. und seinen Verletzungen nach der verlorenen Schlacht an der Elster im Jahre 1080 erlegen. &#8220;Der Tod ward ihm Leben. F&#252;r die Kirche ist er gefallen&#8221; &#8211; so preisen ihn die Majuskeln auf der glatt polierten Grabplatte. Seine rechte Hand hatte er in der Schlacht verloren, die Hand, mit der er einst Heinrich die Treue geschworen hatte &#8211; ein Gottesurteil, so sahen es die Zeitgenossen. Doch noch nach seinem Tod wurde er wie ein K&#246;nig gefeiert, und so liegt er hier mit den Insignien der k&#246;niglichen Macht: Reichsapfel, Zepter und B&#252;gelkrone.</p>
<div id="attachment_63" class="wp-caption alignleft" style="width: 197px"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Grabplatte_Rudolf_von_Rheinfelden_Detail.JPG"><img class="size-medium wp-image-63" title="Grabplatte Rudolfs des Schwaben" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/merseburger_dom_grabplatte-187x300.jpg" alt="foto" width="187" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Michail Jungierek</p></div>
<p>Diese Stelle ist die kraftvollste in der ganzen Kirche. Folgen Sie dem Blick des starr da liegenden K&#246;nigs mit seinem strengen und freudlosen Gesicht und beobachten Sie, wie sich hier die Kraft b&#252;ndelt. Was sieht er von dort aus, wohin schweift sein Blick? So kraftvoll der Ort, so wenig einladend ist es, dort l&#228;nger zu verweilen &#8211; leicht bekomme ich den Eindruck, das hier das Erhabene sich mit dem Bedr&#252;ckende mischt.</p>
<p>Im n&#246;rdlichen Querschiff f&#252;hrt eine Treppe hinab in die Krypta, dem &#228;ltesten erhaltenen Teil der Kirche und ein stiller Ort, dessen Atmosph&#228;re die aufw&#252;hlende Kraft unmittelbar &#252;ber unseren K&#246;pfen d&#228;mpft und ausgleicht. Drei Pfeilerpaare gliedern die Halle, in welcher die Energie sanft und doch bestimmt schwingt. Die Akustik dieses Raumes ist fantastisch: bei ge&#246;ffneten Seitent&#252;ren dringt der Gesang des dort singenden Chores bis in das Kirchenschiff und f&#252;llt den Dom mit Klang &#8211; ohne dass wir w&#252;ssten, woher der Gesang seinen Ursprung nimmt. Unser Augenmerk gilt aber weniger diesem Umstand. An der Westseite des Raumes beleuchten Kerzen eine Kammer, deren urspr&#252;ngliche Funktion ein Geheimnis ist &#8211; in sp&#228;teren Zeiten wurden hier immer wieder Reliquien aufbewahrt. Wer seine Scheu &#252;berwindet und den Raum dort betritt, wird etwas &#220;berraschendes entdecken: direkt &#252;ber dem Eingang erhebt sich die segnenden Hand Gottes vor dem Hintergrund eines Kreuzes. &#8220;M&#246;ge dich diese Hand davor bewahren, Unrecht zu begehen.&#8221;, k&#252;ndet eine nur in Bruchst&#252;cken &#252;berlieferte Inschrift.</p>
<p>Die Hand, die Unrecht getan hat &#8211; sie befindet sich &#252;ber uns, denn unmittelbar im Anschluss an diese Kammer befindet sich die Grablege Rudolfs. So findet der Ausgleich zwischen Recht und Unrecht an der gleichen Stelle statt. Die rechte Hand &#8211; das ist die Hand, die Rechtes und Gutes tut. Mit ihr steuern wir unser Leben (sofern wir Rechtsh&#228;nder sind), sie reichen wir zur Begr&#252;&#223;ung, sie erheben wir, um ein Zeichen zu geben, und mit ihr segnen wir. In vielen Sprachen existiert die Gleichsetzung dieser Richtung mit &#8220;richtig&#8221; und mit &#8220;Recht&#8221;, wie im Franz&#246;sischen <em>droit</em>, im Englischen <em>right</em> und im Spanischen <em>derecha</em>. Die rechte Hand kann etwa Recht machen. Sie kann das Ungerade zurecht r&#252;cken, kann Unrecht ausgleichen.</p>
<p>Vielleicht wird das Unrecht, das wir begangen haben, ob wissentlich oder unwissentlich, immer wieder ausgeglichen. Tief in uns gibt es eine Instanz, an einem heiligen inneren Ort, an dem dies geschieht, an dem wir gesegnet sind und an dem unsere guten Absichten wohnen. Vielleicht begehen wir an der Oberfl&#228;che unserer Existenz, dort wo wir die W&#252;rden unseres Lebens tragen, Funktionen erf&#252;llen und uns oft genug in ein Dilemma begeben m&#252;ssen und uns entscheiden m&#252;ssen, welchem Herrn wir dienen wollen, Fehler. Doch unter dieser Oberfl&#228;che gibt es diese Gewissheit, dass wir es gut gemeint haben. Vielleicht blicken wir, so wie Rudolf, mit den Augen nach oben, weil wir dort den Richter vermuten (und wohl auch finden), der uns f&#252;r unser Unrecht bestraft. Doch in uns gibt es eine segnende Hand, die uns h&#228;lt und tr&#228;gt und uns verziehen hat, noch bevor wir &#252;berhaupt so etwas wie eine Verfehlung begangen haben. Das ist das wahre Gottesurteil: wir sind in unserem Herzen allesamt unschuldig und aus unserem Herzen sch&#246;pfen wir immer wieder neue Unschuld.</p>
<p><em>Mich erinnert das Wechselspiel zwischen Vierung und Krypta des Merseburger Doms an die Augenblicke meines Lebens, in denen ich gefehlt habe, in denen ich Dinge getan habe, die Unrecht waren. Ich habe Versprechen gebrochen, Erwartungen entt&#228;uscht, die L&#252;ge der Wahrheit vorgezogen. Was habe ich dadurch besch&#252;tzen wollen? Worum ging es mir wirklich? Bin ich mir bewusst, dass ich in guter Absicht handelte? Und welche gute Absicht war es, die sich in mir durchgesetzt hat, und die mich in den Augen der Welt Unrecht tun lie&#223;?</em></p>
<p>Gehen wir den Weg noch einmal: von der Grabplatte, an der wir uns als diejenigen vorfinden, die Unrecht begangen haben, die sich schuldig daf&#252;r gef&#252;hlt haben und sich vielleicht nicht anders zu helfen wussten. Hier stehen wir im Kreuzfeuer der Geschichte, richten unseren Blick nach oben, wo unsere Augen nach dem Richter f&#252;r unsere Verfehlungen suchen. Dann aber wenden wir uns in die Tiefe, suchen jenen geheimen, viel &#228;lteren Ort in der Krypta auf und betrachten die uns immer w&#228;hrend segnende rechte Hand, wie sie alles Unrecht ausgleicht.</p>
<p>Wer &#252;brigens die abgeschlagene Schwurhand Rudolfs des Schwaben besichtigen m&#246;chte, der findet sie im Kapitelhaus des Doms, wo sie mumifiziert als Reliquie ausgestellt ist.</p>
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