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	<title>Mystische Orte &#187; Schleswig-Holstein</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>M&#246;lln – An Eulenspiegels Grab</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Aug 2008 03:49:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schleswig-Holstein]]></category>
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		<category><![CDATA[Narr]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_237" class="wp-caption alignleft" style="width: 191px"><img class="size-medium wp-image-237" title="Eulenspiegelbrunnen - Skulptur von Karlheinz Goedke" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eulenspiegel_brunnen-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="181" height="272" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Auch wenn Eulenspiegel in der N&#228;he von Braunschweig geboren wurde, so ist doch die Stadt M&#246;lln ganz besonders mit dem Leben des weltber&#252;hmten Volksnarren verbunden, denn hier soll er 1350 an der Pest gestorben sein und auf dem Kirchberg unter einer Linde begraben liegen. Dies ist freilich so gewiss wie die zahlreichen Schw&#228;nke, die sich um diese Sagengestalt ranken. Doch links vom Westportal der Kirche St. Nicolai ist der angebliche Grabstein des Till Eulenspiegel zu besichtigen, in einer vergitterten Nische, die im ausgehenden 19. Jahrhundert eigens geschaffen wurde.<span id="more-236"></span></p>
<p>Heute wissen wir, dass dieser Stein erst um 1500 aufgestellt wurde, sehr wahrscheinlich, um der Frage nach dem Grab des Eulenspiegel eine konkrete Antwort zuordnen zu k&#246;nnen, nachdem die Streiche, die von Hermann Bote um 1470 in einem Volksbuch zusammengefasst wurden, immer beliebter wurden und sich immer mehr Wandernde danach erkundigten. So gesehen ist es weniger ein Grab- als ein Gedenkstein, der wohl zuvor an der Linde vor dem Portal gelehnt stand, bis er wegen der zunehmenden Besch&#228;digungen – man glaubte, ein St&#252;ck der Stele w&#252;rde Gl&#252;ck bringen – seinen Platz in besagter Nische fand.</p>
<div id="attachment_238" class="wp-caption alignright" style="width: 161px"><img class="size-medium wp-image-238" title="Der Eulenspiegelgedenkstein - St. Nicolai zu M&#246;lln" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eulenspiegel_gedenkstein_ganz-151x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="151" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Auf dem Stein ist Eulenspiegel zu erkennen: in der einen Hand tr&#228;gt eine Eule, mit der anderen h&#228;lt er einen Spiegel empor. Darunter ist zu lesen:</p>
<blockquote><p>Anno 1350 is dusse steen upgehauvn de ulenspigel ligt hir under begraven market wol un denket dran wer ick gewest si up erden alle de hir vor&#246;ver gan moten mi glick werden.</p></blockquote>
<p>Ins Neuhochdeutsche &#252;bersetzt hei&#223;t das:</p>
<blockquote><p>Im Jahre 1350 wurde dieser Stein aufgestellt, der Eulenspiegel liegt darunter begraben. Erinnert euch und denkt daran, wer ich war auf Erden. Alle, die hier vor&#252;ber gehen, sollen mir gleich werden.</p></blockquote>
<div id="attachment_239" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-239" title="Eulenspiegel Gedenkstein - Detail" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eulenspiegel_gedenkstein_detail-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Es wird berichtet, dass das Begr&#228;bnis des Till Eulenspiegels ebenso wunderlich ablief wie sein gesamtes Leben. Als man den Sarg hinab lie&#223;, riss ein Seil und der Sarg fiel senkrecht in der Grube, sodass Eulenspiegel auf den F&#252;&#223;en zum Stehen kam. Die M&#246;llner belie&#223;en es dabei, sch&#252;tteten das Grab zu und pflanzten obenauf den Wanderstock des Schelms, so wie er es sich zu Lebzeiten gew&#252;nscht hatte. Aus diesem Stock wuchs dann eben jene Linde, auch wenn diese heute sicherlich eine der vielen Nachpflanzungen ist, die den urspr&#252;nglichen Baum ersetzten. In diesen Baum trieb man fr&#252;her N&#228;gel und auch M&#252;nzen, um dadurch Krankheiten wie Zahnschmerzen zu heilen oder einfach nur, weil es Gl&#252;ck bringen sollte.</p>
<p>Unterhalb des Kirchbergs befindet sich der Eulenspiegelbrunnen, eine Bronzeskulptur in den 50er Jahren geschaffen vom M&#246;llner K&#252;nstler Karlheinz Goedke. Auch hier kann man deutlich erkennen, wie sich der Glaube, Eulenspiegel bringe Gl&#252;ck bis heute fortgesetzt hat: Daumen und Schuhspitzen gl&#228;nzen blank poliert von den unz&#228;hligen Ber&#252;hrungen Vorbeiziehender.</p>
<div id="attachment_240" class="wp-caption alignright" style="width: 224px"><img class="size-medium wp-image-240" title="Eulenspiegel" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eulenspiegel_stich-214x300.jpg" alt="Quelle: Wikipedia" width="214" height="300" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Wikipedia</p></div>
<p>Die Possen des Till Eulenspiegels sind alles andere als Kindersp&#228;&#223;e, denn sie strotzen nur so vor derben Humor und Anz&#252;glichkeiten – alles andere als politisch korrekt, wie wir heute sagen w&#252;rden. Eine besondere Spezialit&#228;t des Possenrei&#223;ers war das bewusste W&#246;rtlichnehmen von Redewendungen. So verdingte er sich einmal als B&#228;cker und fragte den B&#228;cker, was er denn backen solle. Dieser antwortete ungehalten: &#8220;Eulen und Meerkatzen!&#8221; Till nahm dies w&#246;rtlich – und verbrauchte den gesamten Teig daf&#252;r, Brot in Form von Eulen und Meerkatzen. Der w&#252;tende B&#228;cker forderte daraufhin von ihm, den Teig zu bezahlen. Eulenspiegel tat dies und verkaufte die sonderbaren Backwaren mit hohem Gewinn vor der Kirche – sehr zum weiteren Verdruss der B&#228;ckers.</p>
<p>Der Name &#8220;Eulenspiegel&#8221; hat zu vielen Spekulationen Anlass gegeben. Vielleicht leitet er sich davon ab, dass der Schalk &#8220;ulen den spegel&#8221;, also &#8220;euch den Spiegel&#8221; vorgehalten hat mit seinen Scherzen. Andere wollen darin die mittelalterlichen Wendungen &#8220;ulen&#8221; f&#252;r wischen und und &#8220;spegel&#8221; f&#252;r Hinterteil erkennen, sodass dieser Name so viel hei&#223;t wie &#8220;den Hintern wischen&#8221; im Sinne von &#8220;am Arsche lecken&#8221;. Vielleicht steckt von allem etwas darin. Die Eule ist ein bekanntes Symbol f&#252;r Weisheit und der Spiegel f&#252;r Selbsterkenntnis – passend f&#252;r einen Narren.</p>
<p>Till Eulenspiegel, der Narr. An mittelalterlichen H&#246;fen war der Narr eine soziale Institution am Hof und Art Gegenfigur zur h&#246;fischen Etikette. Im Gegensatz zu allen anderen am Hofe, die allesamt &#8220;h&#246;flich&#8221; gegen&#252;ber ihrem Herrscher zu sein hatten, konnte der Narr dem Regenten die Wahrheit ungeschoren ins Gesicht sagen – er hatte &#8220;Narrenfreiheit&#8221;. Traditionell sollte er so daran erinnern, dass auch er sterblich und von Gott eingesetzt worden sei. Interessant ist, dass der Narr selbst durchaus nicht nur als ein sympathischer Schalk betrachtet wurde, denn Narren sind in der christlichen Tradition auch solche, die sich dem Glauben an Gott verleugnen. Sie stehen daher auch f&#252;r Gottesferne – und Teufelsn&#228;he. Dennoch erreichten Hofnarren immer wieder einen angesehenen Status und galten nicht selten als die besten Ratgeber.</p>
<div id="attachment_241" class="wp-caption alignleft" style="width: 192px"><img class="size-medium wp-image-241" title="Der Narr im Marseille Tarot" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/narr_tarot_02-182x300.jpg" alt="Quelle: Wikipedia" width="182" height="300" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Wikipedia</p></div>
<p>Der Narr ist also weise und unweise zugleich. Gerade in seiner augenscheinlichen Torheit ist er kl&#252;ger als alle anderen. Er sieht die Dinge, wie sie wirklich sind, kann es sich leisten, abseits von Moral und Konvention den Finger auf die wunden Stellen zu legen. Was Narretei zu sein scheint, ist in Wirklichkeit Ausdruck gro&#223;er Weitsicht.</p>
<p>Und dann gibt es da noch den &#8220;reinen Tor&#8221; wie Parzival, dessen Torheit ihm erst den Zutritt zur Gralsburg gew&#228;hrte und der – wie Eulenspiegel – gerne alles w&#246;rtlich nahm und als Kind sich von seiner Mutter losriss, um in einem Narrenkleid Ritter zu werden – unbedarft und mutig zugleich. Hier ist die Narrheit, die Freiheit von allen Pr&#228;gungen und Konventionen, der Schl&#252;ssel zur Spiritualit&#228;t.</p>
<div id="attachment_242" class="wp-caption alignright" style="width: 190px"><img class="size-medium wp-image-242" title="Der Narr im Tarot (Rider-Waite)" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/narr_tarot_01-180x300.jpg" alt="Quelle: Wikipedia" width="180" height="300" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Wikipedia</p></div>
<p>Im Tarot finden wir die Figur des Narren als Trumpf mit der Zahl 0. Die Null ist die Nicht-Zahl, das Nichts. Sie steht f&#252;r den Zustand der Welt vor dem Kosmos, verk&#246;rpert durch die Zahl 1. Die Null ist das Chaos – und zwar nicht im landl&#228;ufigen Sinne von Unordnung, sondern von Noch-Nicht-Ordnung: der Zustand der Welt, in der sie noch tohu-wa-bohu war, wie es in der Genesis hei&#223;t, &#8220;w&#252;st und leer&#8221;. Die Elemente sind noch nicht geordnet, sondern liegen in einem chaotischen Durcheinander vor, sie besitzen die M&#246;glichkeit der Ordnung, aber nicht die Wirklichkeit. Die Null ist die Zahl der M&#246;glichkeiten, w&#228;hrend alle anderen Zahlen die Ebenen der Wirklichkeiten verk&#246;rpern. Es hei&#223;t, der Narr tr&#252;ge in seinem Sack das Chaos mit sich herum. Er hinterfragt die Wirklichkeit und zeigt auf, dass hinter allen noch so fest stehenden Konventionen andere Blickwinkel und Denkweisen m&#246;glich sind. Er ersch&#252;ttert unseren Glauben an das Sosein des Kosmos, indem er darauf hinweist, wie die Welt m&#246;glicherweise auch sein kann. Zugleich ist die Zahl Null ein Kreis – Anfang und Ende vereinen sich. Der Kosmos entsteht aus dem Chaos und geht wieder &#252;ber in das Chaos. Die Ordnung der Welt ist ein tempor&#228;rer Zustand, irgendwann werden die Karten neu gemischt und eine neue Ordnung entsteht. Der Narr im Tarot t&#228;nzelt am Abgrund. Es ist das Risiko, das im Chaos verborgen liegt. Hier gibt es keinen sicheren Pfad, keine Sicherheit von Ursache und Wirkung. Hier kennt das Universum ein Vielleicht, hier regiert der Zufall.</p>
<p>Frechheit zerrei&#223;t die Maskerade der so genannten Wirklichkeit – das hat uns Eulenspiegel gelehrt. Wie alle anderen Narren zeigt er uns, dass das, was wir wirklich nennen, nur eine Konvention ist, ein Glaubenskonstrukt, das ziemlich schnell ins Wanken ger&#228;t, wenn wir genauer hinsehen. Viele von uns haben Angst davor und reagieren ver&#228;rgert, ja w&#252;tend – wie der B&#228;cker. Doch Eulenspiegel l&#228;sst sich nicht beirren und zeigt uns weiter, dass das Hinterfragen des &#8220;So-muss-es-sein&#8221; unser Leben &#252;berraschend ver&#228;ndern kann. Der Augenblick, indem wir unsere Gewohnheiten hinterfragen, kann der Beginn einer neuen Sicht der Dinge sein, die uns reicher werden l&#228;sst.</p>
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