Hügelgräber bei Münsing

Bei Münsing - Land der Kelten

Bei Münsing - Land der Kelten

Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, denn schon früh haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gefühlt. Während das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried glänzt, sind die Stätten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll sind und von der bewegten Vergangenheit des Fünf-Seen-Landes erzählen.

Eine meiner liebsten Strecken ist der ca. 18 Kilometer lange Rundweg von Wolfratshausen aus über Münsing nach Weipartshausen und zurück, denn dort begegnen wir auf Schritt und Tritt den Zeigen einer längst vergessenen Zeit, in der die Kelten das Land besiedelten und uns ihre heiligen Orte hinterließen, Stätten der Totenverehrung, wie sie heute in den dichten Wäldern zu finden sind:
Hügelgräberfelder aus der Hallstattzeit. Die Hallstattzeit markiert den Beginn der keltischen Ära und ist die erste Periode der so genannten Eisenzeit (800 – 15 v.Chr.), in der das harte und leichter zu beschaffende Material langsam aber sicher die Bronze als Alltagswerkstoff ablöste. Zugleich wird nach einer Phase der Urnenbestattung die Sitte des Grabhügels wieder lebendig, wie sie schon Jahrhunderte zuvor in der Bronzezeit gang und gäbe war. Es ist bemerkenswert, dass die keltische Bevölkerung vielfach die gleichen Standorte für ihre Totenstätten wählte, wie schon ihre Vorfahren der Bronzezeit, sodass sich in die Grabhügelfelder immer wieder solche dieser noch weiter zurück liegenden Epoche mischen, wenngleich sie damals kleiner und weniger luxuriös ausgestattet waren. Diese Kontinuität zeigt, dass die Menschen sich der Kraft der Orte, an denen sie ihre Verstorbenen zu Grabe trugen, wohl bewusst gewesen sind.

Hügelgrab

Hügelgrab der Hallstattzeit

Noch heute strahlen die Hügelgräberfelder, von denen einige bis zu 70 Grabhügel aufweisen, eine besondere Magie aus. Oft liegen sie in Wäldern verborgen, wo sie die Zeiten überdauerten und vielleicht über die Jahrhunderte als geheimnisvolle Relikte einer archaischen Vergangenheit respektiert wurden, denn erstaunlicherweise blieben sie in ihrer Lage bis heute unangetastet, obgleich sie auf durchaus fruchtbaren Land liegen, welches eher zur Bewirtschaftung einlädt, denn zur Bewahrung von Traditionen, deren Sinn sich im Nebel der fernen Vergangenheit verloren haben mag. Doch wer heute beispielsweise das weitläufige Grabhügelfeld nordwestlich von Weipertshausen besucht, wird merken, dass die Kraft dieser Begräbnisstätte sich nie verloren hat und auch in den Herzen uns Heutiger Ehrfurcht entfachen muss. Es ist heiliger Boden, den wir betreten.

Hügelgrab der Hallstattzeit

Hügelgrab der Hallstattzeit

Zu jeder Nekropole gibt es eine Siedlung, im Falle der Hügelgräber am „Kohlmannsfeld“ und in der Nachbarschaft zum Schwarzen Weiher dürfte es die Siedlung gewesen sein, dort wo sich heute der idyllische Ort Weipertshausen befindet mit seinen wunderbaren herrlich verzierten Höfen. Nordwestlich von Weipertshausen thront die Kapelle St. Koloman, ein nachgotischer Bau von 1608, auf einem Moränenhügel – ein bezaubernder Ort an sich! Wer den Hügel erklimmt und dort unter urzeitlich anmutenden Buchen und Linden einen Platz sucht, um den Blick weit über das „blaue Land“ streifen zu lassen bis hin zur leuchtenden Kette der Alpen, dem wird etwas von der Erhabenheit zuteil, den dieser lichte Kraftort ausstrahlt. Es empfiehlt sich vor dem Gräbergang diesen paradiesischen Ort aufzusuchen und hier innere Einkehr zu halten, denn die Himmelskräfte, die uns hier umfangen, bereiten uns auf den Abstieg in das Reich der Toten trefflich vor. Der Hügel von St. Koloman ist besonderer Ort und es würde nicht verwundern, wenn hier schon in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte bestand.

Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen

Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen

Der Heilige Koloman soll ein irischer Königssohn im 11. Jahrhundert gewesen sein, der auf seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land in Österreich zum Tode verurteilt war, weil man ihn für einen böhmischen Spion hielt. Als sein Leiche jedoch nicht verweste und sich zahlreiche Wunder an seinem Grab zeigten, wurde er schließlich in den Stand eines Heiligen erhoben. Ausführlich nachzulesen ist die Geschichte hier: Die Legende vom Heiligen Koloman.

Von der Höhe der Kapelle steigen wir herunter in den weiter nordwestlich gelegenen Wald, wo wir schon bald ein Bachbett queren und auf den ersten Grabhügel stoßen. Wenn wir unser Schritte weiter nordwärts wenden, tauchen immer mehr Grabhügel zwischen den Bäumen auf, zum Teil von enormen Ausmaßen mit schätzungsweise bis zu drei Metern Höhe. Das Gräberfeld erstreckt sich bis zum Weihergraben und weiter. Auffällig ist auch, dass während sich ringsum der Fichtenwald etablierte, auf den Gräbern selbst Buchen und andere Bäume erhalten haben. Es ist ein Ort der Stille, aber auch ein unheimlicher Ort, der nicht lange zum Verweilen einlädt. Wir sind eindeutig Besucher, nicht zwingend Gäste. Selbst bei helllichtem Tag umgibt die Gräber etwas Dunkles, Geheimnisvolles und ich fühle mich an die keltischen Sagen erinnert, nach denen solche Hügel zu gewissen Zeiten den  Eingang in die Andere Welt, die Anderswelt, das Jenseits der Kelten frei geben. Es ist Oktober und Samhain, die Nacht vom 31.10. auf den 1.11. ist nahe, eine Nacht, in der alter keltischer Tradition nach die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten verschwimmt.

Der Schwarze Weiher

Der Schwarze Weiher

Etwas weiter östlich erreichen wir den Schwarzen Weiher, vielleicht so genannt, weil er als Moorsee immer dunkles Wasser führt, vielleicht aber auch, weil auch ihn jene Düsternis umgibt, selbst wenn sich der Himmel hell strahlend und weiß-blau zwischen den Wipfeln der Bäume zeigt, die das stille Gewässer umgeben. Blätter segeln auf den schwarzen Spiegel des Wassers und zeichnen Kreise darauf, doch wirklich Leben hauchen sie der Szene damit nicht ein. Die Melancholie dieses Ortes passt gut zur benachbarten Totenstadt und wie von selbst kreisen die Gedanken um das Mysterium von Leben und Tod.

Wir wenden unsere Schritte weiter nach Osten, hinaus aus dem Wald und auf zurück auf die hellen Fluren. Es ist ein eigenartiges Gefühl, denn das Helle und das Dunkle ist unserer Seele begegnet und hat in uns Licht und Schatten hinterlassen. Die Kelten waren dem Geheimnis des Werdens und Vergehens immer schon nahe. Für sie war die Anderswelt nur eine andere Form des Lebens, in der es rauschende Feste und köstliche Gelage geben würde. So statteten sie die Gräber ihrer Toten mit zahlreichen Gaben aus, allem voran Teller, Trinkgefäße, Töpfe, damit sie gut ausgestattet an den Feiern teilnehmen können. Dass sie ihren Toten eigene Städte errichteten und die Hügel wie Wohnstätten zu verstehen sind, wirft ein Licht auf das Verständnis von Leben und Tod in diesen vergessenen Zeiten, das so ganz anders ist als das der Moderne. Sterben war ein Übergang in eine andere Form des Lebens und zugleich waren die Verstorbenen, die Ahnen, die Nachbarn der Lebenden.

Vielleicht ist dies die Botschaft, die die Begegnung mit den Hügelgräbern von Weipartshausen und anderswo für uns bereit hält.

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