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	<title>Mystische Orte &#187; Baum</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>Der Eibenwald bei Paterzell</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 13:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Anderswelt]]></category>
		<category><![CDATA[Baum]]></category>
		<category><![CDATA[Eibe]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Trance]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.
Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_223" class="wp-caption alignleft" style="width: 343px"><img class="size-full wp-image-223" title="Im Eibenwald" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/im_eibenwald.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="333" height="222" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.<span id="more-217"></span></p>
<p>Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische Baumart. In Europa gibt es sie schon seit 600.000 Jahren und steht heute unter Naturschutz. Sie ist der einzige heimische Giftbaum und liebt es, im Schatten der anderen B&#228;ume zu gedeihen. Sie braucht kaum Licht und w&#228;chst sehr langsam und nicht sehr hoch (15, manchmal auch bis 18 Meter), doch kann sie daf&#252;r &#228;lter werden als alle &#252;brigen heimischen B&#228;ume.</p>
<div id="attachment_224" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-224" title="Arillus - die Frucht der Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenfrucht-200x300.jpg" alt="Foto: Christoher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Sie ist ein in vieler Hinsicht besonderer und merkw&#252;rdiger Baum, denn sie ist auf der einen Seite ein Nadelgeh&#246;lz, auf der anderen Seite bildet sie keine Samenzapfen wie die Fichte oder die Tanne, sondern als einzige Art rote Beeren, die in Wirklichkeit &#8220;Scheinbeeren&#8221; (Arillus) sind, bei denen das korallrote Fleisch des Fruchtbechers einen Samenkern umh&#252;llt. W&#228;hrend die weiblichen Eiben im Sp&#228;tsommer und Herbst diese Fr&#252;chte tragen, verbreiten die m&#228;nnlichen Eiben aus ihren Bl&#252;ten im Fr&#252;hling einen nebelartigen Staub.</p>
<p>Auff&#228;llig auch die oft gewundene, wulstige, tief gefurchte Gestalt des Stammes, in dessen Formen wir nicht selten eigenartige Wesen und Gesichter zu erkennen glauben. Die Eibe scheint keine Symmetrie zu verfolgen in ihrem Wuchs, sondern immer wieder vereinen sich &#196;ste mit dem Stamm, umwinden diesen, verbinden sich zu einer geschlungenen Ganzen. &#196;ltere B&#228;ume sind hohl und verj&#252;ngen sich, indem sich aus der Krone &#196;ste in den Boden senken und so einen neuen Stamm bilden oder werden von jungem Holz umwallt. Die Eibe scheint sich einem ununterbrochenen Transformationsprozess zu unterwerfen, der es schwer macht ihr wahres Alter zu bestimmen. Ihr Holz hat keine Harzkan&#228;le und eine gelbliche bis tiefrote F&#228;rbung. Besonders an feuchten, regenreichen Tagen leuchtet es unter der abgeschuppten Rinde oft blutrot hervor.</p>
<div id="attachment_225" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-225" title="Eibenholz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenholz-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Ihr sehr haltbares und elastisches Holz wurde der Eibe schon fr&#252;h zum Verh&#228;ngnis. Ihr Name leitet sich von &#8220;iwa&#8221; ab, gleichzeitig das Wort f&#252;r Bogen und Armbrust. Aus diesem Holz schuf man schon seit der Steinzeit besonders langlebige Waffen. Schon das Bogenholz von &#8220;&#214;zti&#8221;, der in den &#214;tztaler Alpen gefundene mumifizierte Leichnam eines Menschen der fr&#252;hen Steinzeit, war aus diesem begehrten Holz gefertigt. Nicht umsonst findet man sie als langsam wachsende Waffenkammern oft geh&#228;uft rings um Burgen. So kam es, dass Eiben in Oberbayern und anderswo aufgrund der gro&#223;en Nachfrage an Kriegs- und Jagdwaffen um 1600 schon weitgehend ausgerottet waren. &#220;berlebt hat sie zumeist in G&#228;rten, auf Friedh&#246;fen und in Parks. Doch selten sind solche Anblicke wie hier bei Paterzell: ein ganzer Wald voller Eiben. Einige dieser Baumahnen sind wohl bis zu 1000 Jahre alt.</p>
<p>Andere wiederum sagen, das althochdeutsche &#8220;iwa&#8221; h&#228;nge mit dem Wort &#8220;ewa&#8221; f&#252;r Ewigkeit zusammen &#8211; die Eibe, der immergr&#252;ne Baum, der den Tod &#252;berwindet &#8211; und bringt.</p>
<blockquote><p>Die Eibe<br />
schl&#228;gt an die Scheibe.<br />
Ein Funkeln<br />
Im Dunkeln<br />
Wie G&#246;tzenzeit, wie Heidentraum<br />
Blickt ins Fenster der Eibenbaum.<br />
(Theodor Fontane)</p></blockquote>
<div id="attachment_226" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-226" title="Eibengespenst" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibengespenst-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Von der Giftigkeit der Eibe spricht bereits Julius C&#228;sar. Er berichtet, dass der Eburonenk&#246;nig Catuvolcus sich mit einem Eibentrunk das Leben nahm. Sehr wahrscheinlich hatte der Selbstmord des Keltenf&#252;rsten einen kultischen Hintergrund. Das Gift der Eibe f&#252;hrt zu einem schnellen Herzstillstand, hei&#223;t Taxin und ist st&#228;rker als das des Fingerhuts. Schon eine geringe Dosis der Nadeln kann auf Pferde t&#246;dlich wirken. Auch f&#252;r Menschen ist die Eibe giftig, allerdings m&#252;sste er wenigstens 50 Gramm davon verspeisen. Einzig das rote Fruchtfleisch, welches den ebenfalls giftigen Samenkern umschlie&#223;t, ist ungiftig und schmackhaft. F&#252;r Rehe allerdings ist die Eibe ein wahrer Leckerbissen: Taxin scheint stimulierend auf die Tiere zu wirken, &#228;hnlich wie Tabak auf den Menschen &#8211; ein Problem vor allen Dingen f&#252;r den Nachwuchs der Eiben, der in den &#252;berhegten Rehbest&#228;nden unserer W&#228;lder durch entsprechende Ma&#223;nahmen wie Umz&#228;unungen gesch&#252;tzt werden muss.</p>
<p>Der griechische Arzt Dioskurides (1.Jhdt. n.Chr.) behauptete, wer unter den Eiben Spaniens schliefe, m&#252;sse sterben. Es reiche manchmal schon aus, vom Schatten der Eibe getroffen zu werden um. Hieronymus Bock (1198 &#8211; 1554) warnt in seinem Kr&#228;uterbuch: „<em id="froh515">Jeder der unter einer Eibe einschl&#228;ft ist des Todes.</em>&#8221; Wegen seiner Giftigkeit galt die Eibe auch als der &#8220;verbotene Baum&#8221;.</p>
<blockquote><p>Du starrtest damals schon<br />
So d&#252;ster treu wie heut,<br />
Du, unsrer Liebe Thron<br />
Und W&#228;chter manche Zeit;<br />
Man sagt, dass Schlaf, ein schlimmer,<br />
Dir aus den Nadeln raucht, -<br />
Ach, wacher war ich nimmer,<br />
Als rings von dir umhaucht!</p>
<p>(Annette von Droste-H&#252;lshoff)</p></blockquote>
<div id="attachment_227" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-medium wp-image-227" title="Die Rune Ihwaz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/rune_ihwaz.png" alt="Quelle: wikipedia" width="150" height="200" /><p class="wp-caption-text">Quelle: wikipedia</p></div>
<p>Es nimmt kaum Wunder, dass dieser geheimnisvolle Baum mit seiner sonderbaren Gestalt auch ein heiliger Baum ist. Die Germanen und Kelten sahen in ihm einen Baum des Todes und der Ewigkeit, ein Begleiter in die Anderswelt. Sie tr&#228;nkten ihre Pfeilspitzen im giftigen Eibensud. Die Druiden, so hei&#223;t es, bevorzugten f&#252;r ihre Zauberst&#228;be das Holz der Eibe. Wahrscheinlich wurde es unter aufwendigen Ritalen geschnitten, vielleicht bei Mondfinsternissen, wie die Hexen in Shakespearses Macbeth dies tun. Der Zauber der Eibe hatte zudem eine bannende Wirkung gegen alles B&#246;se, gegen Hexen und D&#228;monen: &#8220;Vor Eiben kann kein Zauber bleiben&#8221;. B&#246;sartigen Gnomen konnte man beikommen, indem man Eibenzweige vor deren H&#246;hlen streute. Der Eibe hatte im angels&#228;chsischen Raum eine eigene Rune: &#8220;Ihwaz&#8221;. Diese Zauberrune sollte Krankheit und Unheil abwenden.</p>
<p>Die Eiben s&#228;umen den Scheideweg zwischen Leben und Tod:</p>
<blockquote><p>Est via declivis funesta nubila taxo<br />
ducit ad infernas per muta silentia sedes.</p>
<p>Abw&#228;rts senkt sich der Weg,<br />
von trauernden Eiben umd&#252;stert,<br />
F&#252;hrt er durch Schweigen stumm<br />
zu den unterirdischen Sitzen.</p>
<p>(Ovid, Metamorphosen IV, 432)</p></blockquote>
<div id="attachment_228" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-228" title="Ein Eiben-Ungeheuer" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eiben_ungeheuer-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Eine gewaltige Eibe soll auch an den Ufern des Unterweltflusses Kokytus, dem Fluss der Klagen, wachsen. Als Baum der Unterwelt finden wir sie auf vielen Friedh&#246;fen. In der Bretagne hei&#223;t es, dass es auf einem Friedhof jeweils nur einen einzigen Eibenbaum geben d&#252;rfe, weil dieser seine Wurzeln in die M&#252;nder der Toten senke. Andererseits stehen Eiben nicht nur f&#252;r den Tod, sondern auch f&#252;r dessen &#220;berwindung, nicht zuletzt weil sie immergr&#252;n sind. In der irischen Sage von Naoise und Deirdre wachsen aus den Pfl&#246;cken, die in die Leichen der beiden Liebenden geschlagen wurden, zwei Eiben, deren Zweige sich miteinander verbinden und so den Sieg der Liebe &#252;ber den Tod symbolisieren.</p>
<div id="attachment_229" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-229" title="Hohle Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/hohle_eibe-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>An dieser Stelle sei auch erw&#228;hnt, dass manche glauben, Yggdrasil, der Weltenbaum der Germanen, sei gar keine Esche, sondern eine Eibe, da diese als immergr&#252;ner Baum viel besser geeignet sei, die neun Welten zu verbinden. Bemerkenswert ist, dass Yggdrasil so viel wie &#8220;das Pferd des Schrecklichen&#8221; bedeutet, wobei der Schreckliche niemand geringerer sein wird als Odin selbst, der h&#246;chste aller G&#246;tter. Wenn damit der Baum selbst gemeint ist, dann k&#246;nnte er auch als ein &#8220;Reisebaum&#8221; betrachtet werden &#8211; ein Baum, auf dessen &#8220;R&#252;cken&#8221; wir in andere Welten reisen k&#246;nnen. Dies k&#246;nnte ein Hinweis auf die psychoaktiven Wirkstoffe der Eibe sein: Besonders an warmem Tagen d&#252;nsten Eiben Pseudoalkaloide aus, so dass viele Menschen schon nach wenigen Minuten eine Mundtrockenheit, Entspannung und W&#228;rme empfinden, eine typische Alkaloidwirkung. Andere berichten &#252;ber Beklommenheit, Kopfschmerzen und Kreislaufst&#246;rungen, die sich nach einem mehrst&#252;ndigen Aufenthalt unter der Eibe einstellen. Auch rauschartige, euphorische Zust&#228;nde bis hin zu Trance k&#246;nnen eintreten.Hielten deshalb die Druiden unter Eiben Rat, weil sie die bewusstseinserweiternde Wirkung dieses Baumes nutzten?</p>
<p>Wie dem auch sei. Alles Wissen um die Mythologie der Eibe reicht nicht aus, um zu beschreiben, was wir erleben, wenn wir uns auf die Kraft des Eibenwaldes einlassen. Bei einem Besuch im Paterzeller Eibenwald, am besten fr&#252;h am Morgen oder in den Abenstunden, mag jeder sich seinen eigenen Eindruck verschaffen. Die Begegnung mit diesen Baumgeistern ist in jeden Fall etwas ganz Besonderes. In ihrem Schatten herrscht eine d&#252;stere Atmosph&#228;re, die Ehrfurcht einfl&#246;&#223;t &#8211; kein Baum, unter dessen sch&#252;tzenden Dach ich ein Picknick machen w&#252;rde. Jeder Baum ist ein Individuum, keine Begegnung gleicht der anderen. Wie Gespenster oder Wesen aus einer anderen Welt strecken sie uns ihre &#196;ste entgegen, manchmal einladend, &#246;fters aber warnend. Wer sich von der Eibe ber&#252;hren l&#228;sst, der muss bereit sein, ihre starke Kraft der Wandlung zuzulassen. Dann aber ist die Eibe wie ein Kanal, der uns vo Altlasten befreien kann &#8211; wenn wir bereit sind, sie wirklich loszulassen, um einen Neubeginn zu wagen. Eiben ver&#228;ndern uns, mehr noch, sie verwandeln uns. Wer dies nicht ertragen will, der sollte sich nicht zu lange ihrem Einfluss aussetzen &#8230;</p>
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