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	<title>Mystische Orte &#187; Frau Holle</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>In den Schwarzen Bergen auf R&#252;gen</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jul 2008 20:44:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der N&#228;he von Ralswiek auf der Insel R&#252;gen befindet sich ein dicht bewaldetes, h&#252;geliges Gel&#228;nde, das &#8220;Schwarze Berge&#8221; genannt wird. Dieser Name r&#252;hrt wohl von dem Umstand her, dass sich hier in fr&#252;hen Zeiten Begr&#228;bnisst&#228;tten befanden, vielleicht weil hier die Toten verbrannt wurden oder weil diese St&#228;tten zugleich der dunklen G&#246;ttin Hel geweiht waren, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_142" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><img class="size-medium wp-image-142" title="schwarze_berge_ruegen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/schwarze_berge_ruegen-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="180" height="240" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>In der N&#228;he von Ralswiek auf der Insel R&#252;gen befindet sich ein dicht bewaldetes, h&#252;geliges Gel&#228;nde, das &#8220;Schwarze Berge&#8221; genannt wird. Dieser Name r&#252;hrt wohl von dem Umstand her, dass sich hier in fr&#252;hen Zeiten Begr&#228;bnisst&#228;tten befanden, vielleicht weil hier die Toten verbrannt wurden oder weil diese St&#228;tten zugleich der dunklen G&#246;ttin Hel geweiht waren, der Herrin der Unterwelt, aus deren Namen sp&#228;ter die christliche H&#246;lle wurde. Tats&#228;chlich befinden sich hier etwa vierhundert, bis zu zwei Meter hohe H&#252;gelgr&#228;ber. Fr&#252;her muss diese Gegend waldlos gewesen sein, ein Gr&#228;berfeld und eine heilige St&#228;tte zugleich.<span id="more-138"></span></p>
<p>Ausgrabungen legen Zeugnis ab von den Bestattungssitten des 10./11. Jahrhunderts, zu einer Zeit also, in der Ralswiek ein bedeutendes Handelszentrum auf der Insel war. Offensichtlich wurden die Leichname von Frauen, Kindern und M&#228;nnern in nahe gelegenen Scheiterhaufen verbrannt und dann die Asche in Keramikgef&#228;&#223;en beigesetzt, zusammen mit ebenfalls verbrannten Beigaben wie Lebensmitteln, welche die Toten auf ihrer Reise in die Unterwelt begleiten sollten. Ein Grab auf dem n&#246;rdlichen Ausl&#228;ufer des Gr&#228;berfeldes enthielt keine verbrannten Leichen, sondern vermutlich in Holzs&#228;rgen bestattete K&#246;rper. In einem anderen fand man eine gro&#223;e Anzahl von Nieten und N&#228;geln, was den Schluss zul&#228;sst, dass hier seet&#252;chtige Boote w&#228;hrend einer Bestattungzeremonie verbrannt wurden.</p>
<div id="attachment_204" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-204" title="Schwarze Berge auf R&#252;gen - Blick auf den Gro&#223;en Jasmunder Bodden" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/schwarze_berge_02-300x225.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Schwarze Berge &#8211; ich betrete das Land der dunklen Hel. Und tats&#228;chlich &#8211; die Insel der wei&#223;en Kreidefelsen zeigt hier ein anderes Gesicht, ein dunkles und geheimnisvolles. Der dichte Wald umschlie&#223;t mich bald und die Wege, die ich gehe, verlieren sich an vielen Stellen im Unterholz, f&#252;hren &#252;ber kleine Lichtungen und verschwinden unter abgebrochenem Holz, um dann an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Mehrmals habe ich den Eindruck, mich zu verirren, um dann doch wieder das Wasser des Gro&#223;en Jasmunder Bodden zwischen den B&#228;umen schimmern zu sehen. Immer wieder n&#228;here ich mich der steil abfallenden B&#246;schung und blicke auf die Bucht. Doch es ist wie ein Blick aus weiter Ferne &#8211; hier in den Schwarzen Bergen schaue ich aus einer anderen Welt in die Welt des Allt&#228;glichen hin&#252;ber. Dann lasse ich mich einfach treiben und h&#246;re auf, mich orientieren zu wollen. Ich folge den Sonnenstrahlen, die durch das Laub fallen, einem Rascheln im Gras, der Spur einer Ameisenstra&#223;e &#8211; oder einfach nur dem Gef&#252;hl. Es ist unheimlich und heimlich zugleich, wie mich hier die Natur umgibt, aber es ist mehr als nur die Gegenwart der B&#228;ume und des Lebens hier im Wald. Es ist die Pr&#228;senz einer sch&#252;tzenden, aber auch gewaltigen Macht, die ich hier sp&#252;re. Ein Kraft, die mich h&#228;lt und zugleich immer wieder erschauern l&#228;sst. Manchmal blicke ich mich um, f&#252;hle mich beobachtet &#8211; war da nicht ein Schatten zwischen den Baumst&#228;mmen? H&#246;rte ich nicht ein Raunen? Doch dann wieder f&#252;hle ich mich gesch&#252;tzt und geborgen wie selten &#8211; ein Wechselbad der Eindr&#252;cke.</p>
<div id="attachment_193" class="wp-caption alignleft" style="width: 256px"><img class="size-medium wp-image-193" title="Die G&#246;ttin Hel" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/hel_goettin.jpg" alt="K&#252;nstler: Johannes Gehrts " width="246" height="407" /><p class="wp-caption-text">nach Johannes Gehrts</p></div>
<p>Ich bin sicher, dass ich so manches H&#252;gelgrab gestreift habe, aber entdeckt habe ich keines. Um ehrlich zu sein: ich habe auch aufgeh&#246;rt, danach zu suchen. Kaum ein Ort der Kraft hat mich so sehr beeindruckt wie dieser. Das Numinose, die Anwesenheit des gestaltlosen G&#246;ttlichen steht im Zentrum dieser Erfahrung.</p>
<p>Hel &#8211; die Herrin der Schwarzen Berge &#8211; ist ein unheimliche G&#246;ttin und ihr Helheim, ihr Reich, ein unwirtlicher Ort, so berichten es die Mythen. Doch was ich hier erlebe ist weit davon entfernt, die &#8220;H&#246;lle&#8221; zu sein, zu dem in der christlichen Version das Reich der Hel wurde. Hier f&#252;hle ich mich eher versetzt in das Reich der Holle, der Frau Hulda &#8211; ein weiteres Gesicht der Hel, das uns die M&#228;rchen &#252;berliefern. Auch sie berichten von einer unheimlichen Frau &#8220;mit gro&#223;en Z&#228;hnen&#8221;, und doch ist sie voller G&#252;te und Gerechtigkeit, kein Ungeheuer, sondern eine Macht, die &#252;ber Leben und Tod herrscht, &#252;ber das Werden und Vergehen der Jahreszeiten, &#252;ber Sommer und Winter, &#252;ber Geburt und Tod. Sie ist die Spinnerin, die den Faden des Lebens spinnt &#8211; und ihn wieder abschneidet. Ihr Reich ist die Anderswelt, und dieses Reich kann sehr dunkel sein und abwesend sein, doch nur f&#252;r diejenigen, die das Licht h&#246;her sch&#228;tzen als das Dunkle. Dabei ist Licht ohne Schatten genauso tot wie totale Finsternis. Das Schattige, Zwielichtige ist es, das Leben kennzeichnet, die Graut&#246;ne, das Vielschichtige, Uneindeutige.</p>
<p>Haben Sie schon einmal einen Gegenstand betrachtet, der von allen Seiten voll ausgeleuchtet wird, der gewisserma&#223;en keine Schatten auf seiner Oberfl&#228;che tr&#228;gt? Er wirkt leblos. Erst wenn der Schatten bringt das Leben. Und genau hier in den Schwarzen Bergen begegne ich dem Schatten des Lebendigen, dem notwendigen Dunklen, das das Licht erst erstrahlen l&#228;sst. Leben und Sterben sind hier verwoben zu einer unaufl&#246;slichen Textur.</p>
<p>Ich verstehe, warum die Menschen dieser Erfahrung so viel Ehre und so viel Furcht entgegenbrachten. Die Schwarzen Berge sind kein Wohlf&#252;hlkraftort. Sie betonen die dunkle Seite des Lebens, eine Seite, die wir vielleicht nur mit Unbehagen wahrnehmen, weil sie im Alltag kaum eine Rolle spielen. Doch hier in der Anderswelt der Heil ist der Schatten wirklicher als das Licht &#8211; und lebendiger.</p>
<p>Irgendwann stolpere ich f&#246;rmlich aus dem Wald heraus &#8211; die Schwarzen Berge spucken mich aus. Nachdenklich kehre ich zur&#252;ck, aber ich folge dabei lieber dem Weg parallel zur Bundesstra&#223;e. In mir aber hat sich eine dunkle Seite aufgetan &#8211; und diese f&#252;hlt sich ungew&#246;hnlich lebendig an.</p>
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		<title>Die Heilige L&#252;fthildis zu L&#252;ftelberg</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 21:36:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viel wissen wir nicht &#252;ber diese Lokalheilige am Rande der Eifel. Die fromme Frau soll im 9. Jahrhundert in Berge im Kottenforst nahe Bonn gelebt haben. Eingedenk des Wirkens der Heiligen wurde dieser Ort in L&#252;ftelberg umbenannt und ist auch heute noch unter diesem Namen etwa 2,5 Kilometer nordwestlich von Meckenheim zu finden. Die fr&#252;hesten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_175" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-175" title="lueftelberg_petruskirche_01" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/lueftelberg_petruskirche_01-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Viel wissen wir nicht &#252;ber diese Lokalheilige am Rande der Eifel. Die fromme Frau soll im 9. Jahrhundert in Berge im Kottenforst nahe Bonn gelebt haben. Eingedenk des Wirkens der Heiligen wurde dieser Ort in L&#252;ftelberg umbenannt und ist auch heute noch unter diesem Namen etwa 2,5 Kilometer nordwestlich von Meckenheim zu finden. Die fr&#252;hesten Aufzeichnungen &#252;ber ihr Wirken sind uns allerdings erst aus dem 12. Jahrhundert &#252;berliefert und erst im 17. Jahrhundert wurde ihre Vita aufgezeichnet.<span id="more-173"></span></p>
<p>Darin wird die Geschichte der Tochter des wohlhabenden Burgherren von Berge erz&#228;hlt, die sich durch ihre besondere Fr&#246;mmigkeit auszeichnete. Sie half den Armen und Kranken von Jugend an und scheute sich nicht, trotz ihrer vornehmen Herkunft, sich um diejenigen zu k&#252;mmern, die es nicht so gut getroffen hatten wie sie selbst. Wie es das Schicksal so wollte, verstarb ihre Mutter – und ihr Vater nahm sich eine neue Frau. Ihre Stiefmutter aber hatte ein b&#246;ses Herz und wie im M&#228;rchen von Aschenputtel lie&#223; sie keine Gelegenheit aus, um die Gute zu dem&#252;tigen: L&#252;fthildis musste niedere Arbeiten verrichten und fand keine Ruhe vor der Niedertracht der neuen Burgherrin. Diese wurde auch nicht m&#252;de, sich immer neue Gemeinheiten auszudenken und schw&#228;rzte schlie&#223;lich L&#252;fthildis ihrem Vater gegen&#252;ber an, durch ihre Wohlt&#228;tigkeit das Hab und Gut der Familie zu verschleudern.</p>
<p>L&#252;fthildis Vater war sich unsicher, wem er glauben schenken sollte, und beschloss der Sache selbst nachzugehen. Als seiner Tochter wieder einmal Laiber von Brot in ihre Sch&#252;rze packte, um sie an die Armen zu verschenken, lauerte er ihr auf und stellte sie zur Rede. In diesem Augenblick geschah das Wunder: die Brote in ihrer Sch&#252;rze verwandelten sich Kohlen – und L&#252;fthildis konnte keine Verschwendung nachgewiesen werden.</p>
<p>Die b&#246;se Stiefmutter aber &#228;rgerte sich &#252;ber die Ma&#223;en, dass L&#252;fthildis davon gekommen war und sann auf Rache. Sie lie&#223; den B&#228;cker kommen, bei dem das M&#228;dchen sich das Brot holte, und befahl ihm bei seinem Leben das n&#228;chste Mal gl&#252;hende Kohlen in die Sch&#252;rze zu kippen. Voller Furcht tat der B&#228;cker wie ihm gehei&#223;en – doch wieder geschah ein Wunder: diesmal verwandelten sich die Kohlen in Brot, und L&#252;fthildis geschah kein Leid.</p>
<div id="attachment_176" class="wp-caption alignleft" style="width: 212px"><img class="size-medium wp-image-176" title="Die Heilige L&#252;fthildis" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/luefteldis" alt="Quelle: Magdalene Frank" width="202" height="307" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Magdalene Frank</p></div>
<p>Die Heilige L&#252;fthildis tr&#228;gt eine silberne Spindel in der Hand, manchmal auch einen Ginsterzweig – ein f&#252;r Eifel typisches Gew&#228;chs. Mit dieser Spindel vollbrachte sie allerlei Wunder: so soll sie einen Grenzstreit zwischen ihrem Vater und dem Nachbarn aus der Gemeinde R&#246;ttgen dadurch geschlichtet haben, dass sie mit besagter Spindel die Grenze zog, die sich hinter ihr in einen tiefen Graben verwandelt hat, der noch heute im Kottenforst zu sehen ist. Ein andermal heilte sie mit der Spindel Karl den Gro&#223;en, der auf der unweit gelegenen Burg M&#252;nchhausen krank danieder lag. Da keine &#196;rzte ihn zu retten vermochten, eilte man auf Gehei&#223; des Kaisers, um die wundert&#228;tige Heilige zu holen. Zwei Ritter fanden L&#252;fthildis am Spinnrad arbeitend, wo sie gerade f&#252;r die Armen Kleider spann. Ohne Zeit zu verlieren, lie&#223; sie sich ans Bett des Kranken bringen – die Spindel noch in der Hand. Da ert&#246;nte eine Stimme aus dem Himmel, die ihr befahl, den Kaiser mit der Spindel zu ber&#252;hren. Kaum hatte sie dies getan, war derselbe auch schon wieder gesund.</p>
<p>Sp&#228;ter hat sich L&#252;fthildis als Einsiedlerin zur&#252;ckgezogen. Kurz vor ihrem Tod verschenkte sie all ihr Hab und Gut an die Bed&#252;rftigen – mit Ausnahme der wundert&#228;tigen Spindel, mit der sie beerdigt wurde. Noch heute ist ihr Grab zu besichtigen in der Kirche St. Peter zu L&#252;ftelberg und wird auf Wallfahrten besucht.</p>
<p>Die Geschichte der L&#252;fthildis tr&#228;gt viele m&#228;rchenhafte Z&#252;ge. Wer denkt nicht bei der Spindel an Frau Holle oder an Dornr&#246;schen? Auch der Konflikt zwischen b&#246;ser Stiefmutter und gedem&#252;tigter Tochter ist aus M&#228;rchen wie Aschenputtel und Frau Holle bekannt. Tats&#228;chlich ist die Spindel ein bekanntes Attribut der Frau Holle in ihrer Gestalt als Spinnstubenfrau. So wird berichtet, dass sie regelm&#228;&#223;ig Spinnerinnen bei ihrer Arbeit pr&#252;ft und sie im Zweifelsfalle f&#252;r Schlampigkeit und Nachl&#228;ssigkeit bei der Arbeit zur Rechenschaft zieht – ganz wie die Frau Holle aus dem bekannten Grimm&#8217;schen M&#228;rchen. Ihre Erscheinung ist jedoch vielf&#228;ltiger als das aus dieser Erz&#228;hlung bekannte M&#252;tterchen:</p>
<p>Sie taucht als verschleiertes Geisterwesen in einem langen wei&#223;en Gewand ebenso auf wie als eine auf einem Stein sitzende Fee, die zauberhaft singt und ihre goldenen Haare k&#228;mmt. Frau Holle reitet au&#223;erdem auf einem edlen Pferd oder reist auf ihrem Wagen &#252;ber den Himmel. Dann st&#252;rmt sie wieder in wilder Jagd &#252;ber Berg und Tal und ihr wildes Geschrei erf&#252;llt die L&#252;fte und versetzt Mensch und Tier in Schrecken. Als kleinem buckligen M&#252;tterchen mit grauen Haaren, gl&#252;henden Augen und feurigem Mund mit langen Z&#228;hnen kann man ihr begegnen, und wer sich nicht vorsieht, dem springt sie auf den R&#252;cken und l&#228;sst sich bis zur Ersch&#246;pfung herumtragen. In vielen Gegenden des deutschsprachigen Raumes ist sie bekannt – nicht nur als Frau Holle, sondern auch als „Frau Percht“, „Berchta“ oder „Bertha“ im s&#252;dlichen Deutschland und im Norden als „Frau Gode“,  „Frau Herke“ oder „Frau Frecke“.</p>
<p>Hinter der Gestalt der Frau Holle, der „holden Frau“, wird gerne die germanische G&#246;ttin Freya vermutet, die wiederum mit der lateinischen Venus verwandt ist. Sie ist die „herrlichste aller Asinnen“ &#8211; die Asen sind in der nordischen Mythologie ein G&#246;ttergeschlecht – und wird gerne in Liebesdingen angerufen. Ber&#252;hmt ist sie f&#252;r ihre magischen Kr&#228;ften – kurz: sie ist eine strahlende Erscheinung.</p>
<p>Umso interessanter ist es an dieser Stelle den auf den ersten Blick doch recht eigenartigen Namen „L&#252;fthildis“ genauer unter die Lupe zu nehmen, der auch in Varianten wie Luchteld, Leuchteldies, Luthild und Linthildis &#252;berliefert wird. Der zweite Teil des Namens „-hild“, der aus vielen deutschen Namen bekannt ist wie Brunhild, Hilde, Mechthild usw., leitet sich ab vom althochdeutschen „hilta“ und bedeutet so viel wie „K&#228;mpferin“. Der erste Teil des Namens ist hingegen nicht ganz eindeutig: so k&#246;nnte es sich um eine Ableitung des althochdeutschen „liuti“ f&#252;r „Leute, Volk“ handeln. Demnach w&#228;re L&#252;fthildis eine „K&#228;mpferin des Volkes“ gewesen. M&#246;glicherweise, und dies erscheint mir passender, leitet es sich von althochdeutsch „liohta“ ab: „Licht, hell, klar“ &#8211; L&#252;fthildis, die „leuchtende K&#228;mpferin“.</p>
<p>Haben wir es in der Heiligen L&#252;fthild mit einer christianisierten Version der Frau Holle alias Freya zu tun? Denkbar w&#228;re es. Die Spindel, der Name – alles dies k&#246;nnte auf einen solchen Hintergrund verweisen. Zumindest k&#246;nnen wir annehmen, dass in der Verehrung der Heiligen und ihren Wundertaten sich die Mythologie der „holden Frau“ &#252;berliefert hat.</p>
<p>Aus dieser Perspektive wird die Spindel zu einem Instrument, dass in der Mythologie vieler Kulturen einen besonderen Stellenwert einnimmt: als Spindel, auf den der Lebensfaden gespannt ist. Es sind die Moiren in der griechischen Mythologie und eben Frau Holle in der germanischen, die als Herrinnen des Lebensfadens auch die G&#246;ttinnen &#252;ber Leben und Tod sind.</p>
<div id="attachment_177" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-177" title="Thuje an der Petruskirche in L&#252;ftelberg" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/lueftelberg_petruskirche_02-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Dies f&#252;hrt mich zur alten Peterskirche in L&#252;ftelberg zur&#252;ck. Auf der S&#252;dseite der Kirche entdecken wir eine stattlich gewachsene alte Thuje, auch Lebensbaum genannt. Auch wenn dieser Baum nicht zu den traditionellen einheimischen Geh&#246;lzen geh&#246;rt, hat er  doch in unseren Breiten seit dem 16. Jahrhundert seine Verbreitung gefunden, insbesondere als Heckenpflanzen treffen wir ihn sehr h&#228;ufig an. Diese in Form gebrachte Variante l&#228;sst kaum vermuten, dass dieser Baum eine solche H&#246;he erreichen kann: hier wird erst sichtbar, was f&#252;r ein wunderbares, gerade gewachsenes und festes Holz die Thuje besitzt. „Lebensbaum“ &#8211; wohl wegen seinen immergr&#252;nen Nadeln wird die Thuje so genannt: sie stammt aus der Familie der Zypressen, woran ihre hohe, schlanke Gestalt erinnert. Insofern steht sie wohl auch von der Symbolik her in der Tradition dieses mediterranen Nadelbaumes. Wie ein Zeigefinger erhebt sie sich gen Himmel, verbindet ihn mit der Erde. So wurde die Thuje auch zum Friedhofsbaum, denn sie erinnert an die Heimkehr der Seele in den Himmel und durch ihr immergr&#252;nes Kleid an das ewige Leben. Der Lebensbaum ist also eigentlich ein Todesbaum, der den chthonischen Gottheiten geweiht ist, allen voran Pluto, dem Gott der Unterwelt. Und erinnert nicht ihre Gestalt ein wenig an eine Spindel?</p>
<p>Wenn wir um die Kirche herum gehen, treffen wir auf einen weiteren Baum – am nordwestlichen Eck der Kirche steht eine Linde. Wenn die Thuje den Tod und das ewige Leben verk&#246;rpert, dann steht die Linde f&#252;r das Leben im Hier und Jetzt. Ihre herzf&#246;rmigen Bl&#228;tter, ihr sanftes Gr&#252;n und ihr freundlicher Ausdruck machten die Linde zu einem der beliebtesten B&#228;ume in unseren Landen und wir finden sie immer wieder an exponierter Stelle als Dorflinde, Gerichtslinde, Tanzlinde – ein Ort der Begegnung also, des Ausgleichs und der Freude. Die Linde ist der G&#246;ttin Freya heilig – und damit schlie&#223;t sich der Kreis um die alte Peterskirche in L&#252;ftelberg: Leben und Tod, Diesseits und Jenseits bilden die Pole, in denen dieser Ort der Kraft gebettet ist.</p>
<p>Wer die Kirche wenigstens einmal umwandert und dabei sowohl an der Thuje als auch an der Linde kurz inneh&#228;lt, bevor er in die Seitenkapelle selbst eintritt, um das Grab der Heiligen L&#252;fthild mit seiner schlichten, sch&#246;nen Grabplatte aus Kalksinter, einst Teil der von den R&#246;mern erbauten Wasserleitung nach K&#246;ln, zu besuchen, tankt von den Kr&#228;ften des Werdens und Vergehens – eine wundervolle Weise sich vorzubereiten.</p>
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