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	<title>Mystische Orte &#187; Kirche</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>H&#252;gelgr&#228;ber bei M&#252;nsing</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 11:14:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und fr&#252;hgeschichtlichen Denkm&#228;lern, denn schon fr&#252;h haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gef&#252;hlt. W&#228;hrend das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried gl&#228;nzt, sind die St&#228;tten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_387" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-387" title="Bei M&#252;nsing - Land der Kelten" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0079-300x200.jpg" alt="Bei M&#252;nsing - Land der Kelten" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Bei M&#252;nsing - Land der Kelten</p></div>
<p>Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und fr&#252;hgeschichtlichen Denkm&#228;lern, denn schon fr&#252;h haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gef&#252;hlt. W&#228;hrend das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried gl&#228;nzt, sind die St&#228;tten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll sind und von der bewegten Vergangenheit des F&#252;nf-Seen-Landes erz&#228;hlen.<span id="more-386"></span></p>
<p>Eine meiner liebsten Strecken ist der ca. 18 Kilometer lange Rundweg von Wolfratshausen aus &#252;ber M&#252;nsing nach Weipartshausen und zur&#252;ck, denn dort begegnen wir auf Schritt und Tritt den Zeigen einer l&#228;ngst vergessenen Zeit, in der die Kelten das Land besiedelten und uns ihre heiligen Orte hinterlie&#223;en, St&#228;tten der Totenverehrung, wie sie heute in den dichten W&#228;ldern zu finden sind:<br />
H&#252;gelgr&#228;berfelder aus der Hallstattzeit. Die Hallstattzeit markiert den Beginn der keltischen &#196;ra und ist die erste Periode der so genannten Eisenzeit (800 &#8211; 15 v.Chr.), in der das harte und leichter zu beschaffende Material langsam aber sicher die Bronze als Alltagswerkstoff abl&#246;ste. Zugleich wird nach einer Phase der Urnenbestattung die Sitte des Grabh&#252;gels wieder lebendig, wie sie schon Jahrhunderte zuvor in der Bronzezeit gang und g&#228;be war. Es ist bemerkenswert, dass die keltische Bev&#246;lkerung vielfach die gleichen Standorte f&#252;r ihre Totenst&#228;tten w&#228;hlte, wie schon ihre Vorfahren der Bronzezeit, sodass sich in die Grabh&#252;gelfelder immer wieder solche dieser noch weiter zur&#252;ck liegenden Epoche mischen, wenngleich sie damals kleiner und weniger luxuri&#246;s ausgestattet waren. Diese Kontinuit&#228;t zeigt, dass die Menschen sich der Kraft der Orte, an denen sie ihre Verstorbenen zu Grabe trugen, wohl bewusst gewesen sind.</p>
<div id="attachment_388" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-388" title="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0141-300x200.jpg" alt="H&#252;gelgrab" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">H&#252;gelgrab der Hallstattzeit</p></div>
<p>Noch heute strahlen die H&#252;gelgr&#228;berfelder, von denen einige bis zu 70 Grabh&#252;gel aufweisen, eine besondere Magie aus. Oft liegen sie in W&#228;ldern verborgen, wo sie die Zeiten &#252;berdauerten und vielleicht &#252;ber die Jahrhunderte als geheimnisvolle Relikte einer archaischen Vergangenheit respektiert wurden, denn erstaunlicherweise blieben sie in ihrer Lage bis heute unangetastet, obgleich sie auf durchaus fruchtbaren Land liegen, welches eher zur Bewirtschaftung einl&#228;dt, denn zur Bewahrung von Traditionen, deren Sinn sich im Nebel der fernen Vergangenheit verloren haben mag. Doch wer heute beispielsweise das weitl&#228;ufige Grabh&#252;gelfeld nordwestlich von Weipertshausen besucht, wird merken, dass die Kraft dieser Begr&#228;bnisst&#228;tte sich nie verloren hat und auch in den Herzen uns Heutiger Ehrfurcht entfachen muss. Es ist heiliger Boden, den wir betreten.</p>
<div id="attachment_391" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-391 " title="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0129-300x200.jpg" alt="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">H&#252;gelgrab der Hallstattzeit</p></div>
<p>Zu jeder Nekropole gibt es eine Siedlung, im Falle der H&#252;gelgr&#228;ber am &#8220;Kohlmannsfeld&#8221; und in der Nachbarschaft zum Schwarzen Weiher d&#252;rfte es die Siedlung gewesen sein, dort wo sich heute der idyllische Ort Weipertshausen befindet mit seinen wunderbaren herrlich verzierten H&#246;fen. Nordwestlich von Weipertshausen thront die Kapelle St. Koloman, ein nachgotischer Bau von 1608, auf einem Mor&#228;nenh&#252;gel &#8211; ein bezaubernder Ort an sich! Wer den H&#252;gel erklimmt und dort unter urzeitlich anmutenden Buchen und Linden einen Platz sucht, um den Blick weit &#252;ber das &#8220;blaue Land&#8221; streifen zu lassen bis hin zur leuchtenden Kette der Alpen, dem wird etwas von der Erhabenheit zuteil, den dieser lichte Kraftort ausstrahlt. Es empfiehlt sich vor dem Gr&#228;bergang diesen paradiesischen Ort aufzusuchen und hier innere Einkehr zu halten, denn die Himmelskr&#228;fte, die uns hier umfangen, bereiten uns auf den Abstieg in das Reich der Toten trefflich vor. Der H&#252;gel von St. Koloman ist besonderer Ort und es w&#252;rde nicht verwundern, wenn hier schon in vorchristlicher Zeit eine Kultst&#228;tte bestand.</p>
<div id="attachment_389" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-389" title="Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0094-300x200.jpg" alt="Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen</p></div>
<p>Der Heilige Koloman soll ein irischer K&#246;nigssohn im 11. Jahrhundert gewesen sein, der auf seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land in &#214;sterreich zum Tode verurteilt war, weil man ihn f&#252;r einen b&#246;hmischen Spion hielt. Als sein Leiche jedoch nicht verweste und sich zahlreiche Wunder an seinem Grab zeigten, wurde er schlie&#223;lich in den Stand eines Heiligen erhoben. Ausf&#252;hrlich nachzulesen ist die Geschichte hier: <a href="http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/niederoesterreich/weinviertel/kolomann.html" target="_blank">Die Legende vom Heiligen Koloman</a>.</p>
<p>Von der H&#246;he der Kapelle steigen wir herunter in den weiter nordwestlich gelegenen Wald, wo wir schon bald ein Bachbett queren und auf den ersten Grabh&#252;gel sto&#223;en. Wenn wir unser Schritte weiter nordw&#228;rts wenden, tauchen immer mehr Grabh&#252;gel zwischen den B&#228;umen auf, zum Teil von enormen Ausma&#223;en mit sch&#228;tzungsweise bis zu drei Metern H&#246;he. Das Gr&#228;berfeld erstreckt sich bis zum Weihergraben und weiter. Auff&#228;llig ist auch, dass w&#228;hrend sich ringsum der Fichtenwald etablierte, auf den Gr&#228;bern selbst Buchen und andere B&#228;ume erhalten haben. Es ist ein Ort der Stille, aber auch ein unheimlicher Ort, der nicht lange zum Verweilen einl&#228;dt. Wir sind eindeutig Besucher, nicht zwingend G&#228;ste. Selbst bei helllichtem Tag umgibt die Gr&#228;ber etwas Dunkles, Geheimnisvolles und ich f&#252;hle mich an die keltischen Sagen erinnert, nach denen solche H&#252;gel zu gewissen Zeiten den  Eingang in die Andere Welt, die Anderswelt, das Jenseits der Kelten frei geben. Es ist Oktober und Samhain, die Nacht vom 31.10. auf den 1.11. ist nahe, eine Nacht, in der alter keltischer Tradition nach die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten verschwimmt.</p>
<div id="attachment_390" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-390 " title="Der Schwarze Weiher" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0105-300x200.jpg" alt="Der Schwarze Weiher" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Der Schwarze Weiher</p></div>
<p>Etwas weiter &#246;stlich erreichen wir den Schwarzen Weiher, vielleicht so genannt, weil er als Moorsee immer dunkles Wasser f&#252;hrt, vielleicht aber auch, weil auch ihn jene D&#252;sternis umgibt, selbst wenn sich der Himmel hell strahlend und wei&#223;-blau zwischen den Wipfeln der B&#228;ume zeigt, die das stille Gew&#228;sser umgeben. Bl&#228;tter segeln auf den schwarzen Spiegel des Wassers und zeichnen Kreise darauf, doch wirklich Leben hauchen sie der Szene damit nicht ein. Die Melancholie dieses Ortes passt gut zur benachbarten Totenstadt und wie von selbst kreisen die Gedanken um das Mysterium von Leben und Tod.</p>
<p>Wir wenden unsere Schritte weiter nach Osten, hinaus aus dem Wald und auf zur&#252;ck auf die hellen Fluren. Es ist ein eigenartiges Gef&#252;hl, denn das Helle und das Dunkle ist unserer Seele begegnet und hat in uns Licht und Schatten hinterlassen. Die Kelten waren dem Geheimnis des Werdens und Vergehens immer schon nahe. F&#252;r sie war die Anderswelt nur eine andere Form des Lebens, in der es rauschende Feste und k&#246;stliche Gelage geben w&#252;rde. So statteten sie die Gr&#228;ber ihrer Toten mit zahlreichen Gaben aus, allem voran Teller, Trinkgef&#228;&#223;e, T&#246;pfe, damit sie gut ausgestattet an den Feiern teilnehmen k&#246;nnen. Dass sie ihren Toten eigene St&#228;dte errichteten und die H&#252;gel wie Wohnst&#228;tten zu verstehen sind, wirft ein Licht auf das Verst&#228;ndnis von Leben und Tod in diesen vergessenen Zeiten, das so ganz anders ist als das der Moderne. Sterben war ein &#220;bergang in eine andere Form des Lebens und zugleich waren die Verstorbenen, die Ahnen, die Nachbarn der Lebenden.</p>
<p>Vielleicht ist dies die Botschaft, die die Begegnung mit den H&#252;gelgr&#228;bern von Weipartshausen und anderswo f&#252;r uns bereit h&#228;lt.</p>
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		<title>Die Heilige L&#252;fthildis zu L&#252;ftelberg</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 21:36:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Viel wissen wir nicht &#252;ber diese Lokalheilige am Rande der Eifel. Die fromme Frau soll im 9. Jahrhundert in Berge im Kottenforst nahe Bonn gelebt haben. Eingedenk des Wirkens der Heiligen wurde dieser Ort in L&#252;ftelberg umbenannt und ist auch heute noch unter diesem Namen etwa 2,5 Kilometer nordwestlich von Meckenheim zu finden. Die fr&#252;hesten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_175" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-175" title="lueftelberg_petruskirche_01" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/lueftelberg_petruskirche_01-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Viel wissen wir nicht &#252;ber diese Lokalheilige am Rande der Eifel. Die fromme Frau soll im 9. Jahrhundert in Berge im Kottenforst nahe Bonn gelebt haben. Eingedenk des Wirkens der Heiligen wurde dieser Ort in L&#252;ftelberg umbenannt und ist auch heute noch unter diesem Namen etwa 2,5 Kilometer nordwestlich von Meckenheim zu finden. Die fr&#252;hesten Aufzeichnungen &#252;ber ihr Wirken sind uns allerdings erst aus dem 12. Jahrhundert &#252;berliefert und erst im 17. Jahrhundert wurde ihre Vita aufgezeichnet.<span id="more-173"></span></p>
<p>Darin wird die Geschichte der Tochter des wohlhabenden Burgherren von Berge erz&#228;hlt, die sich durch ihre besondere Fr&#246;mmigkeit auszeichnete. Sie half den Armen und Kranken von Jugend an und scheute sich nicht, trotz ihrer vornehmen Herkunft, sich um diejenigen zu k&#252;mmern, die es nicht so gut getroffen hatten wie sie selbst. Wie es das Schicksal so wollte, verstarb ihre Mutter – und ihr Vater nahm sich eine neue Frau. Ihre Stiefmutter aber hatte ein b&#246;ses Herz und wie im M&#228;rchen von Aschenputtel lie&#223; sie keine Gelegenheit aus, um die Gute zu dem&#252;tigen: L&#252;fthildis musste niedere Arbeiten verrichten und fand keine Ruhe vor der Niedertracht der neuen Burgherrin. Diese wurde auch nicht m&#252;de, sich immer neue Gemeinheiten auszudenken und schw&#228;rzte schlie&#223;lich L&#252;fthildis ihrem Vater gegen&#252;ber an, durch ihre Wohlt&#228;tigkeit das Hab und Gut der Familie zu verschleudern.</p>
<p>L&#252;fthildis Vater war sich unsicher, wem er glauben schenken sollte, und beschloss der Sache selbst nachzugehen. Als seiner Tochter wieder einmal Laiber von Brot in ihre Sch&#252;rze packte, um sie an die Armen zu verschenken, lauerte er ihr auf und stellte sie zur Rede. In diesem Augenblick geschah das Wunder: die Brote in ihrer Sch&#252;rze verwandelten sich Kohlen – und L&#252;fthildis konnte keine Verschwendung nachgewiesen werden.</p>
<p>Die b&#246;se Stiefmutter aber &#228;rgerte sich &#252;ber die Ma&#223;en, dass L&#252;fthildis davon gekommen war und sann auf Rache. Sie lie&#223; den B&#228;cker kommen, bei dem das M&#228;dchen sich das Brot holte, und befahl ihm bei seinem Leben das n&#228;chste Mal gl&#252;hende Kohlen in die Sch&#252;rze zu kippen. Voller Furcht tat der B&#228;cker wie ihm gehei&#223;en – doch wieder geschah ein Wunder: diesmal verwandelten sich die Kohlen in Brot, und L&#252;fthildis geschah kein Leid.</p>
<div id="attachment_176" class="wp-caption alignleft" style="width: 212px"><img class="size-medium wp-image-176" title="Die Heilige L&#252;fthildis" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/luefteldis" alt="Quelle: Magdalene Frank" width="202" height="307" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Magdalene Frank</p></div>
<p>Die Heilige L&#252;fthildis tr&#228;gt eine silberne Spindel in der Hand, manchmal auch einen Ginsterzweig – ein f&#252;r Eifel typisches Gew&#228;chs. Mit dieser Spindel vollbrachte sie allerlei Wunder: so soll sie einen Grenzstreit zwischen ihrem Vater und dem Nachbarn aus der Gemeinde R&#246;ttgen dadurch geschlichtet haben, dass sie mit besagter Spindel die Grenze zog, die sich hinter ihr in einen tiefen Graben verwandelt hat, der noch heute im Kottenforst zu sehen ist. Ein andermal heilte sie mit der Spindel Karl den Gro&#223;en, der auf der unweit gelegenen Burg M&#252;nchhausen krank danieder lag. Da keine &#196;rzte ihn zu retten vermochten, eilte man auf Gehei&#223; des Kaisers, um die wundert&#228;tige Heilige zu holen. Zwei Ritter fanden L&#252;fthildis am Spinnrad arbeitend, wo sie gerade f&#252;r die Armen Kleider spann. Ohne Zeit zu verlieren, lie&#223; sie sich ans Bett des Kranken bringen – die Spindel noch in der Hand. Da ert&#246;nte eine Stimme aus dem Himmel, die ihr befahl, den Kaiser mit der Spindel zu ber&#252;hren. Kaum hatte sie dies getan, war derselbe auch schon wieder gesund.</p>
<p>Sp&#228;ter hat sich L&#252;fthildis als Einsiedlerin zur&#252;ckgezogen. Kurz vor ihrem Tod verschenkte sie all ihr Hab und Gut an die Bed&#252;rftigen – mit Ausnahme der wundert&#228;tigen Spindel, mit der sie beerdigt wurde. Noch heute ist ihr Grab zu besichtigen in der Kirche St. Peter zu L&#252;ftelberg und wird auf Wallfahrten besucht.</p>
<p>Die Geschichte der L&#252;fthildis tr&#228;gt viele m&#228;rchenhafte Z&#252;ge. Wer denkt nicht bei der Spindel an Frau Holle oder an Dornr&#246;schen? Auch der Konflikt zwischen b&#246;ser Stiefmutter und gedem&#252;tigter Tochter ist aus M&#228;rchen wie Aschenputtel und Frau Holle bekannt. Tats&#228;chlich ist die Spindel ein bekanntes Attribut der Frau Holle in ihrer Gestalt als Spinnstubenfrau. So wird berichtet, dass sie regelm&#228;&#223;ig Spinnerinnen bei ihrer Arbeit pr&#252;ft und sie im Zweifelsfalle f&#252;r Schlampigkeit und Nachl&#228;ssigkeit bei der Arbeit zur Rechenschaft zieht – ganz wie die Frau Holle aus dem bekannten Grimm&#8217;schen M&#228;rchen. Ihre Erscheinung ist jedoch vielf&#228;ltiger als das aus dieser Erz&#228;hlung bekannte M&#252;tterchen:</p>
<p>Sie taucht als verschleiertes Geisterwesen in einem langen wei&#223;en Gewand ebenso auf wie als eine auf einem Stein sitzende Fee, die zauberhaft singt und ihre goldenen Haare k&#228;mmt. Frau Holle reitet au&#223;erdem auf einem edlen Pferd oder reist auf ihrem Wagen &#252;ber den Himmel. Dann st&#252;rmt sie wieder in wilder Jagd &#252;ber Berg und Tal und ihr wildes Geschrei erf&#252;llt die L&#252;fte und versetzt Mensch und Tier in Schrecken. Als kleinem buckligen M&#252;tterchen mit grauen Haaren, gl&#252;henden Augen und feurigem Mund mit langen Z&#228;hnen kann man ihr begegnen, und wer sich nicht vorsieht, dem springt sie auf den R&#252;cken und l&#228;sst sich bis zur Ersch&#246;pfung herumtragen. In vielen Gegenden des deutschsprachigen Raumes ist sie bekannt – nicht nur als Frau Holle, sondern auch als „Frau Percht“, „Berchta“ oder „Bertha“ im s&#252;dlichen Deutschland und im Norden als „Frau Gode“,  „Frau Herke“ oder „Frau Frecke“.</p>
<p>Hinter der Gestalt der Frau Holle, der „holden Frau“, wird gerne die germanische G&#246;ttin Freya vermutet, die wiederum mit der lateinischen Venus verwandt ist. Sie ist die „herrlichste aller Asinnen“ &#8211; die Asen sind in der nordischen Mythologie ein G&#246;ttergeschlecht – und wird gerne in Liebesdingen angerufen. Ber&#252;hmt ist sie f&#252;r ihre magischen Kr&#228;ften – kurz: sie ist eine strahlende Erscheinung.</p>
<p>Umso interessanter ist es an dieser Stelle den auf den ersten Blick doch recht eigenartigen Namen „L&#252;fthildis“ genauer unter die Lupe zu nehmen, der auch in Varianten wie Luchteld, Leuchteldies, Luthild und Linthildis &#252;berliefert wird. Der zweite Teil des Namens „-hild“, der aus vielen deutschen Namen bekannt ist wie Brunhild, Hilde, Mechthild usw., leitet sich ab vom althochdeutschen „hilta“ und bedeutet so viel wie „K&#228;mpferin“. Der erste Teil des Namens ist hingegen nicht ganz eindeutig: so k&#246;nnte es sich um eine Ableitung des althochdeutschen „liuti“ f&#252;r „Leute, Volk“ handeln. Demnach w&#228;re L&#252;fthildis eine „K&#228;mpferin des Volkes“ gewesen. M&#246;glicherweise, und dies erscheint mir passender, leitet es sich von althochdeutsch „liohta“ ab: „Licht, hell, klar“ &#8211; L&#252;fthildis, die „leuchtende K&#228;mpferin“.</p>
<p>Haben wir es in der Heiligen L&#252;fthild mit einer christianisierten Version der Frau Holle alias Freya zu tun? Denkbar w&#228;re es. Die Spindel, der Name – alles dies k&#246;nnte auf einen solchen Hintergrund verweisen. Zumindest k&#246;nnen wir annehmen, dass in der Verehrung der Heiligen und ihren Wundertaten sich die Mythologie der „holden Frau“ &#252;berliefert hat.</p>
<p>Aus dieser Perspektive wird die Spindel zu einem Instrument, dass in der Mythologie vieler Kulturen einen besonderen Stellenwert einnimmt: als Spindel, auf den der Lebensfaden gespannt ist. Es sind die Moiren in der griechischen Mythologie und eben Frau Holle in der germanischen, die als Herrinnen des Lebensfadens auch die G&#246;ttinnen &#252;ber Leben und Tod sind.</p>
<div id="attachment_177" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-177" title="Thuje an der Petruskirche in L&#252;ftelberg" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/lueftelberg_petruskirche_02-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Dies f&#252;hrt mich zur alten Peterskirche in L&#252;ftelberg zur&#252;ck. Auf der S&#252;dseite der Kirche entdecken wir eine stattlich gewachsene alte Thuje, auch Lebensbaum genannt. Auch wenn dieser Baum nicht zu den traditionellen einheimischen Geh&#246;lzen geh&#246;rt, hat er  doch in unseren Breiten seit dem 16. Jahrhundert seine Verbreitung gefunden, insbesondere als Heckenpflanzen treffen wir ihn sehr h&#228;ufig an. Diese in Form gebrachte Variante l&#228;sst kaum vermuten, dass dieser Baum eine solche H&#246;he erreichen kann: hier wird erst sichtbar, was f&#252;r ein wunderbares, gerade gewachsenes und festes Holz die Thuje besitzt. „Lebensbaum“ &#8211; wohl wegen seinen immergr&#252;nen Nadeln wird die Thuje so genannt: sie stammt aus der Familie der Zypressen, woran ihre hohe, schlanke Gestalt erinnert. Insofern steht sie wohl auch von der Symbolik her in der Tradition dieses mediterranen Nadelbaumes. Wie ein Zeigefinger erhebt sie sich gen Himmel, verbindet ihn mit der Erde. So wurde die Thuje auch zum Friedhofsbaum, denn sie erinnert an die Heimkehr der Seele in den Himmel und durch ihr immergr&#252;nes Kleid an das ewige Leben. Der Lebensbaum ist also eigentlich ein Todesbaum, der den chthonischen Gottheiten geweiht ist, allen voran Pluto, dem Gott der Unterwelt. Und erinnert nicht ihre Gestalt ein wenig an eine Spindel?</p>
<p>Wenn wir um die Kirche herum gehen, treffen wir auf einen weiteren Baum – am nordwestlichen Eck der Kirche steht eine Linde. Wenn die Thuje den Tod und das ewige Leben verk&#246;rpert, dann steht die Linde f&#252;r das Leben im Hier und Jetzt. Ihre herzf&#246;rmigen Bl&#228;tter, ihr sanftes Gr&#252;n und ihr freundlicher Ausdruck machten die Linde zu einem der beliebtesten B&#228;ume in unseren Landen und wir finden sie immer wieder an exponierter Stelle als Dorflinde, Gerichtslinde, Tanzlinde – ein Ort der Begegnung also, des Ausgleichs und der Freude. Die Linde ist der G&#246;ttin Freya heilig – und damit schlie&#223;t sich der Kreis um die alte Peterskirche in L&#252;ftelberg: Leben und Tod, Diesseits und Jenseits bilden die Pole, in denen dieser Ort der Kraft gebettet ist.</p>
<p>Wer die Kirche wenigstens einmal umwandert und dabei sowohl an der Thuje als auch an der Linde kurz inneh&#228;lt, bevor er in die Seitenkapelle selbst eintritt, um das Grab der Heiligen L&#252;fthild mit seiner schlichten, sch&#246;nen Grabplatte aus Kalksinter, einst Teil der von den R&#246;mern erbauten Wasserleitung nach K&#246;ln, zu besuchen, tankt von den Kr&#228;ften des Werdens und Vergehens – eine wundervolle Weise sich vorzubereiten.</p>
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		<title>Die Orakelquelle des St. Moritz</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jul 2008 09:23:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nein &#8211; St. Moritz liegt nicht nur im Engadin, sondern auch am Rande der Fr&#228;nkischen Schweiz, unweit der Ortschaft Leutenbach. Und dieses eher unbekannte Fleckchen Erde in der Fr&#228;nkischen Schweiz birgt eine Besonderheit: Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt h&#246;ren wir es schon pl&#228;tschern &#8211; das Orakelbr&#252;nnlein des Heiligen Moritz. Hinter den Gittern einer wei&#223; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_78" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-78" title="Moritzbrunnen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/moritzbrunnen_02.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="266" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Nein &#8211; St. Moritz liegt nicht nur im Engadin, sondern auch am Rande der Fr&#228;nkischen Schweiz, unweit der Ortschaft Leutenbach. Und dieses eher unbekannte Fleckchen Erde in der Fr&#228;nkischen Schweiz birgt eine Besonderheit: Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt h&#246;ren wir es schon pl&#228;tschern &#8211; das Orakelbr&#252;nnlein des Heiligen Moritz. Hinter den Gittern einer wei&#223; get&#252;nchten Feldkapelle quillt das Wasser aus der Tiefe und ergie&#223;t sich zwischen groben Steinen in ein kleines B&#228;chlein davor. &#220;ber allem wacht die seltsam h&#246;lzern wirkende Statue des Ortsheiligen Sankt Mauritius oder Sankt Moritz &#8211; ein Schild in der linken, die Legion&#228;rslanze in der rechten Hand, den Blick geradewegs auf den Besucher gerichtet. Auf seine Weise wirkt er fast unheimlich in seiner starren Pose. <span id="more-48"></span></p>
<p>Der Heilige bewacht die Quelle und ihr Geheimnis: sie soll magische Kr&#228;fte besitzen und die Zukunft prophezeien k&#246;nnen. Dazu bitte man St. Moritz um seinen Beistand, werfe ein St&#252;ckchen Holz in den Brunnen und stelle eine Frage. Schwimmt es obenauf &#8211; wird sich alles zum Besten wenden. Geht es aber unter, dann sieht es leider d&#252;ster aus. Andere berichten von Heilkr&#228;ften des Wassers: es soll gegen Hautkrankheiten und Augenleiden helfen. Eins soll man jedoch tunlichst unterlassen: das Wasser trinken &#8211; das bringe Ungl&#252;ck, so erz&#228;hlt man sich.</p>
<p>Wer war dieser St. Moritz? In der Tat ist es der Gleiche, der dem ber&#252;hmten Ski-Ort und Tummelplatz f&#252;r Promis seinen Namen gab &#8211; und &#252;brigens schon im Mittelalter f&#252;r seine Heilquellen ber&#252;hmt war. Geboren wurde er wohl im 3. Jahrhundert nach Christus im &#228;gyptischen Theben. Die Legende berichtet, dass er sich der Theb&#228;ischen Legion des r&#246;mischen Kaisers Maximianus anschloss und dort zum Kommandeur aufstieg. Mauritius war Christ &#8211; und dies wurde ihm zum Verh&#228;ngnis, denn als der Kaiser gegen die Christen ziehen wollte, weigerte er sich, diesem Befehl zu folgen. Bei der &#220;berquerung der Alpen im Jahre 302 oder 303 n.Chr. meuterte er mit seinen Mannen bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice &#8211; nicht zu verwechseln mit St. Moritz! &#8211; im Kanton Wallis. Der Zorn des Kaisers lie&#223; nicht auf sich warten: dieser gab den Befehl, die Legio zu dezimieren, d.h. so lange jeden zehnten Legion&#228;r zu t&#246;ten, bis die &#220;briggebliebenen aufgaben. Doch die Legion des Mauritius blieb standhaft &#8211; und es kam zu einem Blutbad: ohne Gegenwehr zu leisten wurden alle Soldaten hingerichtet. Mauritius wurde zum M&#228;rtyrer und sp&#228;ter zum Heiligen.</p>
<p>Noch eine Besonderheit weist der Heilige Moritz auf: ab dem 15. Jahrhundert wird er immer h&#228;ufiger auch als gewappneter Ritter mit dunkler Hautfarbe dargestellt, als &#8220;Mohr&#8221;. So finden wir ihn als Schutzpatron von Coburg als &#8220;Coburger Mohr&#8221; im Stadtwappen. Sein Name wird ausschlaggebend gewesen sein: lat. <em>maurus</em>, eigentlich der &#8220;Maure&#8221;, wird sp&#228;ter gleichbedeutend f&#252;r &#8220;Mohr&#8221;. Aufgrund seiner Farbigkeit wird er u.A. zum Schutzherrn der F&#228;rber und Glasmaler &#8211; &#252;berhaupt aller Berufe, die mit Farben zu tun haben. Zudem wird er angerufen bei verschiedenen Leiden wie Ohrenschmerzen, Gicht und sogar Besessenheit.</p>
<div id="attachment_80" class="wp-caption alignleft" style="width: 385px"><img class="size-full wp-image-80" title="Der Moritzbrunnen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/moritzbrunnen.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="375" height="281" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Wir gehen ein St&#252;ck des Weges weiter und erblicken bald die Kapelle St. Moritz, von den Einheimischen auch &#8220;Moritzla&#8221; genannt, die hinter hohen Mauern auf einem Bergvorsprung &#252;ber den Wald ragt &#8211; wie ein Schmuckst&#252;ck in einer Schatulle. Das Alter der Kirche ist ungewiss, urkundlich erw&#228;hnt wird sie erst im 15. Jahrhundert, doch mit Sicherheit ist dieser Ort wesentlich &#228;lter. Jahrhundertlang war die Kapelle ein Wallfahrtsort. Wir betreten also den idyllischen Friedhof durch das Tor rechts neben dem Einsiedlerh&#228;uschen &#8211; und finden uns auf einem Grund wieder, von dem eine magische Anziehungskraft ausgeht. Wie die Reeling eines Schiffes umgeben die Mauern in einem Sechseck die Kirche &#8211; ihr Turm der hochaufragende Mast. Mit ihrem Bug durchpfl&#252;gt die Kirche die W&#228;lder wie die hohe See. Alles ist ganz ruhig und innig hier nur das Rauschen des Silberbaches unterhalb der Kapelle ist zu h&#246;ren: dort bildet er einen Wasserfall und soll in fr&#252;herer Zeit eine M&#252;hle angetrieben haben. Silberbach? Es wird vermutet, dass der nahe gelegene, aber mittlerweile verschwundene Weiler Oberleutenbach eine Siedlung von Bergleuten war, die dort nach Silber sch&#252;rften. Vielleicht erkl&#228;rt dies auch die oft genannten, mysteri&#246;sen unterirdischen G&#228;nge in dieser Gegend. Die St.Moritz-Kapelle mit ihren etwa 1 Meter hohen Mauern und ihrem st&#228;mmigen Turm mag f&#252;r die Menschen im Falle eines Angriffes als letzte Zufluchtsst&#228;tte gedient haben. Im Inneren der Kirche &#8211; leider nur gegen Voranmeldung zu besichtigen &#8211; entdecken wir &#252;ber dem Tabernakel am Hochaltar das Standbild des Kirchenpatrons, zu seiner Linken de Hl. Nikolaus und zu seiner Rechten der Hl. Otto.</p>
<p>Hinter uns, etwas weiter den Pfad &#252;ber einige befestigte Stufen bergauf, erhebt sich der Burgstein: dort sind noch die Reste einer alten Burganlage zu finden, einst der Stammsitz der freien Herren von Leutenbach. Es geht das Ger&#252;cht, dass St. Moritz urspr&#252;nglich die Kapelle der Burg gewesen sei und mit dieser durch einen unterirdischen Gang verbunden ist. Doch davon ist nichts erwiesen noch hat man einen solchen Gang jemals gefunden. Doch was k&#252;mmert es &#8211; von dort haben wir einen fantastischen Ausblick: wir blicken hinab ins Tal auf die Kapelle und weit ins Land hinein bis zum sagen umwobenen &#8220;Walberla&#8221; &#8211; sogar die Vexierkapelle ist von diesem Platz aus bei gutem Wetter und klarer Sicht zu sehen. Dieser Blick erfrischt die Sinne &#8211; ein wahrer Kraftort.</p>
<p>Die drei Etappen dieser kleinen Wanderung tragen jede eine andere Signatur der Kraft: die Moritz-Quelle ist ein mysteri&#246;ser Platz, die Kapelle ist eine idyllische Zufluchtsst&#228;tte und der Burgstein weitet unseren Blick f&#252;r die &#252;bergeordneten Zusammenh&#228;nge. Wenn wir an der Quelle unserer Frage stellen, verinnerlichen wir das Geheimnis ihrer Antwort in der Umfriedung der Kapelle und &#252;berwinden jeden Zweifel auf dem Burgstein. So wird die Antwort auf die Frage unserers Lebens in drei Stationen aus der Tiefe der Erde ans Licht der Welt gebracht.</p>
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		<title>Der Merseburger Dom (1)</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jul 2008 08:48:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
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		<description><![CDATA[Merseburg &#8211; der Name der Stadt wurde noch bis in die Renaissance hinein als &#8220;Burg des Mars&#8221; gedeutet, eine Stadt also geweiht dem Kriegsgott Mars. Sehr viel wahrscheinlicher ist zwar, dass sich der erste Teil des Namens der Stadt von dem alts&#228;chsichen Wort meri f&#252;r &#8220;Sumpf&#8221; ableitet, denn die Stadt liegt dort, wo sich das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_58" class="wp-caption alignleft" style="width: 170px"><img class="size-medium wp-image-58" title="Merseburger Dom" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/merseburger_dom_eingang-200x300.jpg" alt="" width="160" height="240" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Merseburg &#8211; der Name der Stadt wurde noch bis in die Renaissance hinein als &#8220;Burg des Mars&#8221; gedeutet, eine Stadt also geweiht dem Kriegsgott Mars. Sehr viel wahrscheinlicher ist zwar, dass sich der erste Teil des Namens der Stadt von dem alts&#228;chsichen Wort <em>meri</em> f&#252;r &#8220;Sumpf&#8221; ableitet, denn die Stadt liegt dort, wo sich das Fl&#252;sschen Geisel in die Saale ergie&#223;t, ein in fr&#252;heren Zeiten sicherlich sehr wasserreiches Gebiet. Das Gebiet wurde wohl schon sehr fr&#252;h besiedelt, doch erste urkundliche Erw&#228;hnung findet die Stadt im 9. Jahrhundert &#8211; wir betreten also fr&#252;hmittelalterlichen Grund. Im 11. Jahrhundert errichtete Thietmar von Merseburg den heute weltber&#252;hmten Dom, der einige der bedeutendsten Meisterwerke des Mittelalters und sp&#228;terer Epochen beherbergt.<span id="more-53"></span></p>
<p>Genau dort, wo sich Langhaus und Querhaus der Kirche kreuzen, im Mittelpunkt der so genannten Vierung und damit an der wichtigsten Stelle &#252;berhaupt im ganzen Geb&#228;ude, befindet sich die bronzene Grabplatte Rudolfs von Schwaben, das wohl &#228;lteste erhaltene Bildnisgrabmal. Urspr&#252;nglich vergoldet und mit Edelsteinen besetzt muss einen tiefen Eindruck auf die Besucher der Kirche gemacht haben, wenn das Licht der Sonne durch die Fenster im Chor es in vollem Glanze erstrahlen lie&#223;.</p>
<p>Fast wie ein Heiliger liegt Rudolf da, einst Gegenk&#246;nig Heinrichs IV. und seinen Verletzungen nach der verlorenen Schlacht an der Elster im Jahre 1080 erlegen. &#8220;Der Tod ward ihm Leben. F&#252;r die Kirche ist er gefallen&#8221; &#8211; so preisen ihn die Majuskeln auf der glatt polierten Grabplatte. Seine rechte Hand hatte er in der Schlacht verloren, die Hand, mit der er einst Heinrich die Treue geschworen hatte &#8211; ein Gottesurteil, so sahen es die Zeitgenossen. Doch noch nach seinem Tod wurde er wie ein K&#246;nig gefeiert, und so liegt er hier mit den Insignien der k&#246;niglichen Macht: Reichsapfel, Zepter und B&#252;gelkrone.</p>
<div id="attachment_63" class="wp-caption alignleft" style="width: 197px"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Grabplatte_Rudolf_von_Rheinfelden_Detail.JPG"><img class="size-medium wp-image-63" title="Grabplatte Rudolfs des Schwaben" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/merseburger_dom_grabplatte-187x300.jpg" alt="foto" width="187" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Michail Jungierek</p></div>
<p>Diese Stelle ist die kraftvollste in der ganzen Kirche. Folgen Sie dem Blick des starr da liegenden K&#246;nigs mit seinem strengen und freudlosen Gesicht und beobachten Sie, wie sich hier die Kraft b&#252;ndelt. Was sieht er von dort aus, wohin schweift sein Blick? So kraftvoll der Ort, so wenig einladend ist es, dort l&#228;nger zu verweilen &#8211; leicht bekomme ich den Eindruck, das hier das Erhabene sich mit dem Bedr&#252;ckende mischt.</p>
<p>Im n&#246;rdlichen Querschiff f&#252;hrt eine Treppe hinab in die Krypta, dem &#228;ltesten erhaltenen Teil der Kirche und ein stiller Ort, dessen Atmosph&#228;re die aufw&#252;hlende Kraft unmittelbar &#252;ber unseren K&#246;pfen d&#228;mpft und ausgleicht. Drei Pfeilerpaare gliedern die Halle, in welcher die Energie sanft und doch bestimmt schwingt. Die Akustik dieses Raumes ist fantastisch: bei ge&#246;ffneten Seitent&#252;ren dringt der Gesang des dort singenden Chores bis in das Kirchenschiff und f&#252;llt den Dom mit Klang &#8211; ohne dass wir w&#252;ssten, woher der Gesang seinen Ursprung nimmt. Unser Augenmerk gilt aber weniger diesem Umstand. An der Westseite des Raumes beleuchten Kerzen eine Kammer, deren urspr&#252;ngliche Funktion ein Geheimnis ist &#8211; in sp&#228;teren Zeiten wurden hier immer wieder Reliquien aufbewahrt. Wer seine Scheu &#252;berwindet und den Raum dort betritt, wird etwas &#220;berraschendes entdecken: direkt &#252;ber dem Eingang erhebt sich die segnenden Hand Gottes vor dem Hintergrund eines Kreuzes. &#8220;M&#246;ge dich diese Hand davor bewahren, Unrecht zu begehen.&#8221;, k&#252;ndet eine nur in Bruchst&#252;cken &#252;berlieferte Inschrift.</p>
<p>Die Hand, die Unrecht getan hat &#8211; sie befindet sich &#252;ber uns, denn unmittelbar im Anschluss an diese Kammer befindet sich die Grablege Rudolfs. So findet der Ausgleich zwischen Recht und Unrecht an der gleichen Stelle statt. Die rechte Hand &#8211; das ist die Hand, die Rechtes und Gutes tut. Mit ihr steuern wir unser Leben (sofern wir Rechtsh&#228;nder sind), sie reichen wir zur Begr&#252;&#223;ung, sie erheben wir, um ein Zeichen zu geben, und mit ihr segnen wir. In vielen Sprachen existiert die Gleichsetzung dieser Richtung mit &#8220;richtig&#8221; und mit &#8220;Recht&#8221;, wie im Franz&#246;sischen <em>droit</em>, im Englischen <em>right</em> und im Spanischen <em>derecha</em>. Die rechte Hand kann etwa Recht machen. Sie kann das Ungerade zurecht r&#252;cken, kann Unrecht ausgleichen.</p>
<p>Vielleicht wird das Unrecht, das wir begangen haben, ob wissentlich oder unwissentlich, immer wieder ausgeglichen. Tief in uns gibt es eine Instanz, an einem heiligen inneren Ort, an dem dies geschieht, an dem wir gesegnet sind und an dem unsere guten Absichten wohnen. Vielleicht begehen wir an der Oberfl&#228;che unserer Existenz, dort wo wir die W&#252;rden unseres Lebens tragen, Funktionen erf&#252;llen und uns oft genug in ein Dilemma begeben m&#252;ssen und uns entscheiden m&#252;ssen, welchem Herrn wir dienen wollen, Fehler. Doch unter dieser Oberfl&#228;che gibt es diese Gewissheit, dass wir es gut gemeint haben. Vielleicht blicken wir, so wie Rudolf, mit den Augen nach oben, weil wir dort den Richter vermuten (und wohl auch finden), der uns f&#252;r unser Unrecht bestraft. Doch in uns gibt es eine segnende Hand, die uns h&#228;lt und tr&#228;gt und uns verziehen hat, noch bevor wir &#252;berhaupt so etwas wie eine Verfehlung begangen haben. Das ist das wahre Gottesurteil: wir sind in unserem Herzen allesamt unschuldig und aus unserem Herzen sch&#246;pfen wir immer wieder neue Unschuld.</p>
<p><em>Mich erinnert das Wechselspiel zwischen Vierung und Krypta des Merseburger Doms an die Augenblicke meines Lebens, in denen ich gefehlt habe, in denen ich Dinge getan habe, die Unrecht waren. Ich habe Versprechen gebrochen, Erwartungen entt&#228;uscht, die L&#252;ge der Wahrheit vorgezogen. Was habe ich dadurch besch&#252;tzen wollen? Worum ging es mir wirklich? Bin ich mir bewusst, dass ich in guter Absicht handelte? Und welche gute Absicht war es, die sich in mir durchgesetzt hat, und die mich in den Augen der Welt Unrecht tun lie&#223;?</em></p>
<p>Gehen wir den Weg noch einmal: von der Grabplatte, an der wir uns als diejenigen vorfinden, die Unrecht begangen haben, die sich schuldig daf&#252;r gef&#252;hlt haben und sich vielleicht nicht anders zu helfen wussten. Hier stehen wir im Kreuzfeuer der Geschichte, richten unseren Blick nach oben, wo unsere Augen nach dem Richter f&#252;r unsere Verfehlungen suchen. Dann aber wenden wir uns in die Tiefe, suchen jenen geheimen, viel &#228;lteren Ort in der Krypta auf und betrachten die uns immer w&#228;hrend segnende rechte Hand, wie sie alles Unrecht ausgleicht.</p>
<p>Wer &#252;brigens die abgeschlagene Schwurhand Rudolfs des Schwaben besichtigen m&#246;chte, der findet sie im Kapitelhaus des Doms, wo sie mumifiziert als Reliquie ausgestellt ist.</p>
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		<title>Die Wehrkirche St. Georg zu Effeltrich</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 15:28:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Rande des alten Dorfkernes von Effeltrich, einer Ortschaft am westlichen Ende der Fr&#228;nkischen Schweiz, erheben sich die eindrucksvollen Mauern der Wehrkirche St. Georg. Sie z&#228;hlt zu den besterhaltenen Kirchenburgen des Frankenlandes und von der fast viereckigen Anlgae sind noch drei Rundt&#252;rme und ein rechteckiger Turm erhalten und recken ihre spitzen Dachh&#252;te in den Himmel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_1.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich" width="200" height="150" />Am Rande des alten Dorfkernes von Effeltrich, einer Ortschaft am westlichen Ende der Fr&#228;nkischen Schweiz, erheben sich die eindrucksvollen Mauern der Wehrkirche St. Georg. Sie z&#228;hlt zu den besterhaltenen Kirchenburgen des Frankenlandes und von der fast viereckigen Anlgae sind noch drei Rundt&#252;rme und ein rechteckiger Turm erhalten und recken ihre spitzen Dachh&#252;te in den Himmel &#8211; urspr&#252;nglich bildete die Kirchenfestung ein F&#252;nfeck. Auch wenn von dem einst die ganze Anlage umgebendem Wehrgang nur noch Teil erhalten sind, hinerl&#228;sst ihr Anblick einen tiefen Eindruck: Warum in aller Welt wurde eine Kirche von derart massiven und m&#228;chtigen Mauern eingeschlossen &#8211; vor wem oder was galt es, sich zu sch&#252;tzen?<span id="more-32"></span></p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_3.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - durch den Torbogen" width="150" height="200" />Die Antwort ist Geschichte: In der zweiten H&#228;lfte des 15. Jahrhunderts &#252;berfielen die N&#252;rnberger das Land im ersten Markgrafenkrieg 1149/50. In den Wirren dieser Zeit waren die Dorfbewohner und die Bauern die Opfer: sie hatten keine Burgen, in die sie sich fl&#252;chten konnten, und konnte sich auch nicht hinter starkne Stadtmauern zur&#252;ckziehen wie die St&#228;dter. Warum dann keine Mauer um die D&#246;rfer bauen? Viel zu unsicher &#8211; denn so viele M&#228;nner gab es nicht, die es gebarucht h&#228;tte, um eine so lange Umfriedung zu verteidigen. So enstchloss man sich bereits um 1300 herum in Franken die Kirchen samt der Friedh&#246;fge in kleine Burgen umzubauen: der Kirchturm wurde mit Schie&#223;scharten versehen, die Friedhofsmauern verst&#228;rkt und oftmals mit einem Wehrgang ausger&#252;stet. Wichtig war auch die Lage dieser Wehrkirchen: sie  durften nicht in der Dorfmitte liegen, sondern eher am Rande, um den herankommenden Feind sofort ersp&#228;hen zu k&#246;nnen. Und ihr Eingang musste zur Dorfseite ausgerichtet sein, damit die Einwohner sich bei Gefahr im Verzuge schnellstens hinter die sch&#252;tzenden Mauern zur&#252;ckziehen konnten.</p>
<p>Ludwig Uhland dichtete wohl mit einer solchen Kirchenburg vor ASugen in seiner &#8220;D&#246;ffinger Schlacht&#8221;:</p>
<blockquote><p>Am Ruheplatz der Toten, da pflegt es still zu sein,<br />
Man h&#246;rt nur leises Beten bei Kreuz und Leichenstein.<br />
Zu D&#246;ffingen war&#8217;s anders; dort scholl den ganzen Tag<br />
Der feste Kirchhof wider von Kampfruf, Sto&#223; und Schlag.</p>
<p>Die St&#228;dter sind gekommen, der Bauer hat sein Gut<br />
Zum festen Ort gefl&#252;chtet und h&#228;lt&#8217;s in tapfrer Hut.<br />
Mit Spies und Karst und Sense treibt er den Angriff ab;<br />
Wer tot zu Boden sinket, hat hier nicht weit ins Grab.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_2a.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg in der Nische" width="150" height="200" />Schreiten wir also auf das Tor zu, die ber&#252;hmte Effeltricher Dorflinde in unserem R&#252;cken. &#220;ber dem Bogen begr&#252;&#223;en uns in drei Nischen die gotischen Holzfiguren der Hlg. Laurentius, Georg und Sebastian. Etwas weiter rechts reitet in einer weiteren bunt bemalten Nische noch einmal der Heilige Georg, der Schutzherr dieser Kirche, und sticht den Drachen. Es ist dieses Reiterstandbild, dass von jungen M&#228;nnern in Effeltricher Tracht zum Georgiritt mitgef&#252;hrt wird.</p>
<p>Der Georgiritt. Effeltrich ist bekannt in der Fr&#228;nkischen Schweiz f&#252;r sein lebendiges Brauchtum. Der wichtigste und bekannteste ist der Georgiritt, eine Pferdewallfahrt, bei der an jedem Ostermontag der Kirchenpatron geehrt wird. In einem farbenpr&#228;chtigen Zug werden Pferde aus der Umgebung durch das Dorf und an der Kirchenfestung vorbeigef&#252;hrt, allen voran der Pfarrer hoch zu Ross. In Effeltrich, der &#8220;Apfelreichen&#8221;, ist der Heilige Georg &#252;brigens so beliebt, dass noch heute der Vorname Georg &#252;berdurchschnittlich h&#228;ufig vergeben wird.</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_4.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg vor dem Eingang" width="150" height="306" />Der Drachent&#246;ter ist uns schon in einem anderen Zusammenhang begegnet: wie auch zum Beispiel im Ramsachkircherl am Rande des Murnauer Mooses k&#246;nnte seine Gegenwart ein Hinweise darauf sein, dass an diesem Ort besondere Erdkr&#228;fte gebunden sind. Der Drache steht dann f&#252;r die wilden tellurischen Kr&#228;fte, w&#228;hrend die Lanze des Heiligen den Drachen nicht t&#246;tet, sondern konzentriert &#8211; und f&#252;r den Menschen nutzbar macht. Die geomantische Variante dieser Legende sozusagen.</p>
<p>Wir &#252;berqueren den Friedhof und begegnen dem Heiligen Georg wieder, diesmal in einer moderneren Darstellung rechts vom Eingang zur Kirche und in einpr&#228;gsamer Dramatik. Der Drache ist nun kein Fabelwesen mehr, sondern ganz im Sinne der kirchlichen Deutung der Legende Luzifer selbst, das B&#246;se. Auf diese Weise eingestimmt betreten wir das Geb&#228;ude. Wenden wir uns dem um 1720/30 geschaffenen Hochaltar zu, in dessen Mitte der Heilige Georg seinen Kampf gegen den Drachen erneut zu f&#252;hren hat. Und wir m&#252;ssen nicht lange suchen, um sein Abbild erneut zu erblicken: an der s&#252;dlichen Langhauswand finden wir ihn wieder in Gestalt einer sp&#228;tgotischen Holzfigur, auf dem Drachen stehend und seine mit einem Kreuz gekr&#246;nten Lanze in sein zahnbewehrtes Maul stechend. Doch im Gegensatz zum apokalyptischen Alptraum, der mich noch am Eingang der Kirche begr&#252;&#223;te, strahlt dieser Georg eine unendliche Gelassenheit aus, fast m&#246;chte man meinen, er tr&#228;ume vor sich hin, w&#228;hrend er das Ungeheuer streckt. Und dann erkenne ich &#8211; seine Lanze verbindet ihn mit dem Drachen! Ich stelle mir vor, wie seine Urkraft an dem Stab hinaufwandert und den Ritter erf&#252;llt &#8211; er tankt die Erdenergie, indem er sie anzapft und sich mit ihr verbindet.</p>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_5.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg Statue in der Kirche" width="150" height="347" />Schutz und R&#252;ckzug &#8211; dies sind die Themen dieses Ortes, verbunden mit der Kraft der Erde, die an dieser Stelle gebunden scheint. In der Kirche selbst ist es &#252;berall zu sp&#252;ren: Wir stehen auf einem bedeutsamen, kraftvollen Ort. Ich nehme mir einige Zeit, um diese Energie in mir aufsteigen zu lassen, f&#252;r einen Augenblick folge ich dem Bild des Heiligen Georgs, sp&#252;re wie ich mit meinen F&#252;&#223;en mit dem Untergrund verbunden bin und wie die Energie durch meine Sohlen &#252;ber mein R&#252;ckgrat hinauf steigt. Mein R&#252;ckgrat &#8211; die Lanze, mit der ich mich mit den Erdkr&#228;ften verbinde. Ein Woge von Kraft erf&#252;llt meinen ganzen K&#246;rper &#8211; mit jedem Atemzug wird sie st&#228;rker und setzt sich durch den Raum fort. Dann habe ich mit einem Male genug &#8211; und wende mich zum Gehen. Die Energie des Ortes ist sehr geb&#252;ndelt und m&#228;chtig &#8211; zusammengehalten und konzentriert im Schutz der starken Mauern der Kirchenfestung.</p>
<p>Beim Verlassen der Kirche atme ich tief durch &#8211; ich f&#252;hle mich kraftvoll und verbunden. Bevor wir den Friedhof wieder verlassen, lohnt es sich vim Eingang der Kirche aus rechts herum um das Geb&#228;ude zu gehen und die Nordseite zu besuchen. Dort findet sich ein fast unscheinbares Kleinod &#8211; eine Marienstatute in einer mit Efeu und Blumen geschm&#252;ckten Grotte. In ihrem wei&#223;en und blauen Gewand erhebt sie die Augen in Andachht gen Himmel &#8211; ein fast kitschiger Anblick. Und doch nach diesem kraftvollen Erlebnis in der Kirche genau das Richtige, um die Energie wieder zu erden und zu sich zu finden. F&#252;r einen Moment verweile ich in ebenso stiller Andacht vor dieser Statue und reflektiere das Erlebte:</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_6.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - Marienstatue an der Nordseite" width="150" height="200" /><em>Wovor brauche ich zurzeit Schutz? Welche inneren St&#228;rken habe ich, um mich selbst zu sch&#252;tzen? Wie gut bin ich mit meinem inneren Fundament verbunden? Habe ich das Bed&#252;rfnis, mich zur&#252;ckzuziehen, um wieder in Ber&#252;hrung mit der Kraft meiner inneren MItte zu gelangen? Wenn ich mich gerade zur&#252;ckziehe &#8211; was suche ich in diesem R&#252;ckzug?</em></p>
<p>Dann verlasse ich die Festung durch den Torturm und mein Blick f&#228;llt auf die uralte Linde, deren schwere &#196;ste von einem Konstrukt aus Holzbalken getragen werden, sodass sie die Form eines gewaltigen runden Daches einnimmt. Da wird mir ein zuweites Geheimnis von Effeltrich bewusst: diese Linde ist das Gegenst&#252;ck zu St. Georg mit seiner m&#228;nnlichen, aufsteigenden Yang-Energie. Hier finde ich den weiblichen Yin-Pol. Immer noch energetisch lenke ich meine Schritte auf den Dorfplatz, um unter der Linde ganz zu werden.</p>
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