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	<title>Mystische Orte &#187; Linde</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>Die Heilige L&#252;fthildis zu L&#252;ftelberg</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 21:36:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Frau Holle]]></category>
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		<description><![CDATA[Viel wissen wir nicht &#252;ber diese Lokalheilige am Rande der Eifel. Die fromme Frau soll im 9. Jahrhundert in Berge im Kottenforst nahe Bonn gelebt haben. Eingedenk des Wirkens der Heiligen wurde dieser Ort in L&#252;ftelberg umbenannt und ist auch heute noch unter diesem Namen etwa 2,5 Kilometer nordwestlich von Meckenheim zu finden. Die fr&#252;hesten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_175" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-175" title="lueftelberg_petruskirche_01" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/lueftelberg_petruskirche_01-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Viel wissen wir nicht &#252;ber diese Lokalheilige am Rande der Eifel. Die fromme Frau soll im 9. Jahrhundert in Berge im Kottenforst nahe Bonn gelebt haben. Eingedenk des Wirkens der Heiligen wurde dieser Ort in L&#252;ftelberg umbenannt und ist auch heute noch unter diesem Namen etwa 2,5 Kilometer nordwestlich von Meckenheim zu finden. Die fr&#252;hesten Aufzeichnungen &#252;ber ihr Wirken sind uns allerdings erst aus dem 12. Jahrhundert &#252;berliefert und erst im 17. Jahrhundert wurde ihre Vita aufgezeichnet.<span id="more-173"></span></p>
<p>Darin wird die Geschichte der Tochter des wohlhabenden Burgherren von Berge erz&#228;hlt, die sich durch ihre besondere Fr&#246;mmigkeit auszeichnete. Sie half den Armen und Kranken von Jugend an und scheute sich nicht, trotz ihrer vornehmen Herkunft, sich um diejenigen zu k&#252;mmern, die es nicht so gut getroffen hatten wie sie selbst. Wie es das Schicksal so wollte, verstarb ihre Mutter – und ihr Vater nahm sich eine neue Frau. Ihre Stiefmutter aber hatte ein b&#246;ses Herz und wie im M&#228;rchen von Aschenputtel lie&#223; sie keine Gelegenheit aus, um die Gute zu dem&#252;tigen: L&#252;fthildis musste niedere Arbeiten verrichten und fand keine Ruhe vor der Niedertracht der neuen Burgherrin. Diese wurde auch nicht m&#252;de, sich immer neue Gemeinheiten auszudenken und schw&#228;rzte schlie&#223;lich L&#252;fthildis ihrem Vater gegen&#252;ber an, durch ihre Wohlt&#228;tigkeit das Hab und Gut der Familie zu verschleudern.</p>
<p>L&#252;fthildis Vater war sich unsicher, wem er glauben schenken sollte, und beschloss der Sache selbst nachzugehen. Als seiner Tochter wieder einmal Laiber von Brot in ihre Sch&#252;rze packte, um sie an die Armen zu verschenken, lauerte er ihr auf und stellte sie zur Rede. In diesem Augenblick geschah das Wunder: die Brote in ihrer Sch&#252;rze verwandelten sich Kohlen – und L&#252;fthildis konnte keine Verschwendung nachgewiesen werden.</p>
<p>Die b&#246;se Stiefmutter aber &#228;rgerte sich &#252;ber die Ma&#223;en, dass L&#252;fthildis davon gekommen war und sann auf Rache. Sie lie&#223; den B&#228;cker kommen, bei dem das M&#228;dchen sich das Brot holte, und befahl ihm bei seinem Leben das n&#228;chste Mal gl&#252;hende Kohlen in die Sch&#252;rze zu kippen. Voller Furcht tat der B&#228;cker wie ihm gehei&#223;en – doch wieder geschah ein Wunder: diesmal verwandelten sich die Kohlen in Brot, und L&#252;fthildis geschah kein Leid.</p>
<div id="attachment_176" class="wp-caption alignleft" style="width: 212px"><img class="size-medium wp-image-176" title="Die Heilige L&#252;fthildis" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/luefteldis" alt="Quelle: Magdalene Frank" width="202" height="307" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Magdalene Frank</p></div>
<p>Die Heilige L&#252;fthildis tr&#228;gt eine silberne Spindel in der Hand, manchmal auch einen Ginsterzweig – ein f&#252;r Eifel typisches Gew&#228;chs. Mit dieser Spindel vollbrachte sie allerlei Wunder: so soll sie einen Grenzstreit zwischen ihrem Vater und dem Nachbarn aus der Gemeinde R&#246;ttgen dadurch geschlichtet haben, dass sie mit besagter Spindel die Grenze zog, die sich hinter ihr in einen tiefen Graben verwandelt hat, der noch heute im Kottenforst zu sehen ist. Ein andermal heilte sie mit der Spindel Karl den Gro&#223;en, der auf der unweit gelegenen Burg M&#252;nchhausen krank danieder lag. Da keine &#196;rzte ihn zu retten vermochten, eilte man auf Gehei&#223; des Kaisers, um die wundert&#228;tige Heilige zu holen. Zwei Ritter fanden L&#252;fthildis am Spinnrad arbeitend, wo sie gerade f&#252;r die Armen Kleider spann. Ohne Zeit zu verlieren, lie&#223; sie sich ans Bett des Kranken bringen – die Spindel noch in der Hand. Da ert&#246;nte eine Stimme aus dem Himmel, die ihr befahl, den Kaiser mit der Spindel zu ber&#252;hren. Kaum hatte sie dies getan, war derselbe auch schon wieder gesund.</p>
<p>Sp&#228;ter hat sich L&#252;fthildis als Einsiedlerin zur&#252;ckgezogen. Kurz vor ihrem Tod verschenkte sie all ihr Hab und Gut an die Bed&#252;rftigen – mit Ausnahme der wundert&#228;tigen Spindel, mit der sie beerdigt wurde. Noch heute ist ihr Grab zu besichtigen in der Kirche St. Peter zu L&#252;ftelberg und wird auf Wallfahrten besucht.</p>
<p>Die Geschichte der L&#252;fthildis tr&#228;gt viele m&#228;rchenhafte Z&#252;ge. Wer denkt nicht bei der Spindel an Frau Holle oder an Dornr&#246;schen? Auch der Konflikt zwischen b&#246;ser Stiefmutter und gedem&#252;tigter Tochter ist aus M&#228;rchen wie Aschenputtel und Frau Holle bekannt. Tats&#228;chlich ist die Spindel ein bekanntes Attribut der Frau Holle in ihrer Gestalt als Spinnstubenfrau. So wird berichtet, dass sie regelm&#228;&#223;ig Spinnerinnen bei ihrer Arbeit pr&#252;ft und sie im Zweifelsfalle f&#252;r Schlampigkeit und Nachl&#228;ssigkeit bei der Arbeit zur Rechenschaft zieht – ganz wie die Frau Holle aus dem bekannten Grimm&#8217;schen M&#228;rchen. Ihre Erscheinung ist jedoch vielf&#228;ltiger als das aus dieser Erz&#228;hlung bekannte M&#252;tterchen:</p>
<p>Sie taucht als verschleiertes Geisterwesen in einem langen wei&#223;en Gewand ebenso auf wie als eine auf einem Stein sitzende Fee, die zauberhaft singt und ihre goldenen Haare k&#228;mmt. Frau Holle reitet au&#223;erdem auf einem edlen Pferd oder reist auf ihrem Wagen &#252;ber den Himmel. Dann st&#252;rmt sie wieder in wilder Jagd &#252;ber Berg und Tal und ihr wildes Geschrei erf&#252;llt die L&#252;fte und versetzt Mensch und Tier in Schrecken. Als kleinem buckligen M&#252;tterchen mit grauen Haaren, gl&#252;henden Augen und feurigem Mund mit langen Z&#228;hnen kann man ihr begegnen, und wer sich nicht vorsieht, dem springt sie auf den R&#252;cken und l&#228;sst sich bis zur Ersch&#246;pfung herumtragen. In vielen Gegenden des deutschsprachigen Raumes ist sie bekannt – nicht nur als Frau Holle, sondern auch als „Frau Percht“, „Berchta“ oder „Bertha“ im s&#252;dlichen Deutschland und im Norden als „Frau Gode“,  „Frau Herke“ oder „Frau Frecke“.</p>
<p>Hinter der Gestalt der Frau Holle, der „holden Frau“, wird gerne die germanische G&#246;ttin Freya vermutet, die wiederum mit der lateinischen Venus verwandt ist. Sie ist die „herrlichste aller Asinnen“ &#8211; die Asen sind in der nordischen Mythologie ein G&#246;ttergeschlecht – und wird gerne in Liebesdingen angerufen. Ber&#252;hmt ist sie f&#252;r ihre magischen Kr&#228;ften – kurz: sie ist eine strahlende Erscheinung.</p>
<p>Umso interessanter ist es an dieser Stelle den auf den ersten Blick doch recht eigenartigen Namen „L&#252;fthildis“ genauer unter die Lupe zu nehmen, der auch in Varianten wie Luchteld, Leuchteldies, Luthild und Linthildis &#252;berliefert wird. Der zweite Teil des Namens „-hild“, der aus vielen deutschen Namen bekannt ist wie Brunhild, Hilde, Mechthild usw., leitet sich ab vom althochdeutschen „hilta“ und bedeutet so viel wie „K&#228;mpferin“. Der erste Teil des Namens ist hingegen nicht ganz eindeutig: so k&#246;nnte es sich um eine Ableitung des althochdeutschen „liuti“ f&#252;r „Leute, Volk“ handeln. Demnach w&#228;re L&#252;fthildis eine „K&#228;mpferin des Volkes“ gewesen. M&#246;glicherweise, und dies erscheint mir passender, leitet es sich von althochdeutsch „liohta“ ab: „Licht, hell, klar“ &#8211; L&#252;fthildis, die „leuchtende K&#228;mpferin“.</p>
<p>Haben wir es in der Heiligen L&#252;fthild mit einer christianisierten Version der Frau Holle alias Freya zu tun? Denkbar w&#228;re es. Die Spindel, der Name – alles dies k&#246;nnte auf einen solchen Hintergrund verweisen. Zumindest k&#246;nnen wir annehmen, dass in der Verehrung der Heiligen und ihren Wundertaten sich die Mythologie der „holden Frau“ &#252;berliefert hat.</p>
<p>Aus dieser Perspektive wird die Spindel zu einem Instrument, dass in der Mythologie vieler Kulturen einen besonderen Stellenwert einnimmt: als Spindel, auf den der Lebensfaden gespannt ist. Es sind die Moiren in der griechischen Mythologie und eben Frau Holle in der germanischen, die als Herrinnen des Lebensfadens auch die G&#246;ttinnen &#252;ber Leben und Tod sind.</p>
<div id="attachment_177" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-177" title="Thuje an der Petruskirche in L&#252;ftelberg" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/lueftelberg_petruskirche_02-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Dies f&#252;hrt mich zur alten Peterskirche in L&#252;ftelberg zur&#252;ck. Auf der S&#252;dseite der Kirche entdecken wir eine stattlich gewachsene alte Thuje, auch Lebensbaum genannt. Auch wenn dieser Baum nicht zu den traditionellen einheimischen Geh&#246;lzen geh&#246;rt, hat er  doch in unseren Breiten seit dem 16. Jahrhundert seine Verbreitung gefunden, insbesondere als Heckenpflanzen treffen wir ihn sehr h&#228;ufig an. Diese in Form gebrachte Variante l&#228;sst kaum vermuten, dass dieser Baum eine solche H&#246;he erreichen kann: hier wird erst sichtbar, was f&#252;r ein wunderbares, gerade gewachsenes und festes Holz die Thuje besitzt. „Lebensbaum“ &#8211; wohl wegen seinen immergr&#252;nen Nadeln wird die Thuje so genannt: sie stammt aus der Familie der Zypressen, woran ihre hohe, schlanke Gestalt erinnert. Insofern steht sie wohl auch von der Symbolik her in der Tradition dieses mediterranen Nadelbaumes. Wie ein Zeigefinger erhebt sie sich gen Himmel, verbindet ihn mit der Erde. So wurde die Thuje auch zum Friedhofsbaum, denn sie erinnert an die Heimkehr der Seele in den Himmel und durch ihr immergr&#252;nes Kleid an das ewige Leben. Der Lebensbaum ist also eigentlich ein Todesbaum, der den chthonischen Gottheiten geweiht ist, allen voran Pluto, dem Gott der Unterwelt. Und erinnert nicht ihre Gestalt ein wenig an eine Spindel?</p>
<p>Wenn wir um die Kirche herum gehen, treffen wir auf einen weiteren Baum – am nordwestlichen Eck der Kirche steht eine Linde. Wenn die Thuje den Tod und das ewige Leben verk&#246;rpert, dann steht die Linde f&#252;r das Leben im Hier und Jetzt. Ihre herzf&#246;rmigen Bl&#228;tter, ihr sanftes Gr&#252;n und ihr freundlicher Ausdruck machten die Linde zu einem der beliebtesten B&#228;ume in unseren Landen und wir finden sie immer wieder an exponierter Stelle als Dorflinde, Gerichtslinde, Tanzlinde – ein Ort der Begegnung also, des Ausgleichs und der Freude. Die Linde ist der G&#246;ttin Freya heilig – und damit schlie&#223;t sich der Kreis um die alte Peterskirche in L&#252;ftelberg: Leben und Tod, Diesseits und Jenseits bilden die Pole, in denen dieser Ort der Kraft gebettet ist.</p>
<p>Wer die Kirche wenigstens einmal umwandert und dabei sowohl an der Thuje als auch an der Linde kurz inneh&#228;lt, bevor er in die Seitenkapelle selbst eintritt, um das Grab der Heiligen L&#252;fthild mit seiner schlichten, sch&#246;nen Grabplatte aus Kalksinter, einst Teil der von den R&#246;mern erbauten Wasserleitung nach K&#246;ln, zu besuchen, tankt von den Kr&#228;ften des Werdens und Vergehens – eine wundervolle Weise sich vorzubereiten.</p>
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		<title>Die Tanzlinde zu Effeltrich</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jun 2008 00:40:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
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		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn ich auf die uralte Sommerlinde auf dem Dorfplatz in Effeltrich blicke, kommt mir ein Gedicht des fr&#228;nkisches Dichters Friedrich Schnack (1888 &#8211; 1977) in den Sinn, das, wie mir scheint, nur im Angesicht dieses Baumriesen entstanden sein kann:
Unter deinem m&#228;chtigen Gest&#252;hle
&#252;berf&#228;llt mich ahnungslose K&#252;hle,
Str&#246;mt mich an des Sommers Atemsto&#223;,
Und ich sp&#252;re aus der Bl&#228;tter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_11.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="300" height="150" />Wenn ich auf die uralte Sommerlinde auf dem Dorfplatz in Effeltrich blicke, kommt mir ein Gedicht des fr&#228;nkisches Dichters Friedrich Schnack (1888 &#8211; 1977) in den Sinn, das, wie mir scheint, nur im Angesicht dieses Baumriesen entstanden sein kann:</p>
<blockquote><p>Unter deinem m&#228;chtigen Gest&#252;hle<br />
&#252;berf&#228;llt mich ahnungslose K&#252;hle,<br />
Str&#246;mt mich an des Sommers Atemsto&#223;,<br />
Und ich sp&#252;re aus der Bl&#228;tter Wehen<br />
Fremden Lebens heimliches Geschehen,<br />
Deine Seele gro&#223;.<span id="more-39"></span></p>
<p>Wie sie sich verzweigt im Baume,<br />
Aufw&#228;rts steigt und wirkt im Raume,<br />
&#252;berwindend ihren Erdengrund:<br />
Wie sie schauert, klingt und leuchtet,<br />
Lichtgesalbt und regenangefeuchtet,<br />
Mit dem Himmel schloss sie ihren Bund.</p>
<p>W&#246;lbig wohnen, wunderbare Haube,<br />
Licht und Finsternis in deinem Laube,<br />
Nacht und Tag.<br />
Wenn die Abendsterne blinken,<br />
Wenn die Morgensterne sinken,<br />
Gr&#252;&#223;t sie deines Herzens Schlag.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_2.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="200" height="150" />Auf &#252;ber 800 Jahre sch&#228;tzen manche diese Baumahnin. Andere sind vorsichtiger und geben ihr Alter zwischen 400 und 670 Jahren an. In jedem Falle aber beeindruckt dieser ehrw&#252;rdige Baum durch seine imposante Gestalt: der Stamm misst ca. acht Meter im Umfang, der Baum erreicht eine H&#246;he von 4,5 Metern. Der Umfang der Krone bel???uft sich auf sechzig Meter und die Haupt&#228;ste sind bis zu sieben Meter lang und 90 Zentimeter stark.</p>
<p>Welche Verbindung gibt es zwischen Effeltrich, der &#8220;Apfelreichen&#8221;, und der Linde? In der Apfelzucht wird der Bast ben&#246;tigt zur Veredelung der Sorten &#8211; und eben dieser wird aus den jungen, nach oben strebenden Trieben der Linde gewonnen. Auf diese Weise erhielt die Linde ihre  weit gespannte Kuppelkrone. Doch neben dieser ganz praktischen Bedeutung der Linde f&#252;r den Ort markiert sie &#8211; wie in vielen anderen Ortschaften auch &#8211; den zentralen Versammlungsort, sei es um dort Feste zu feiern und in fr&#252;heren Tagen vor allen Dingen auch um Rat zu halten und Recht zu sprechen. Schon die Germanen hielten bevorzugt unter Linden das Thing ab, eine j&#228;hrliche Zusammenkunft einer Stammes unter der Schirmherrschaft des K&#246;nigs. Dann wurde zu Gericht gesessen, politische Gesch&#228;fte beraten und rituelle Br&#228;uche abgehalten. W&#228;hrend des Things mussten alle Waffenruhe ruhen ??? es galt der so genannte Thingfriede. Manches Urteil wird mit der Schlussformel besiegelt: &#8220;Gegeben unter der Linde.&#8221;</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/gerichtslinde.JPG" alt="Gerichtslinde" width="150" height="260" />Nicht nur die Germanen, auch die Slawen und die Kelten verehrten die Linde als heiligen Baum. Er war der G&#246;ttin Freya geweiht, die in vielen ihrer Aspekte mit der lateinischen Venus gleichgesetzt werden kann, der G&#246;ttin der Liebe. Betrachten wir das Blatt einer Linde genauer: gleicht es nicht einem Herzen? Im Zuge der Christianisierung ersetzte die Muttergottes die alte heidnische G&#246;ttin und aus so mancher Freya-Linde wurde eine Marienlinde. Was bleibt: die Linde ist <em>der</em> Baum der Liebe. In ihrem Schatten offenbart  sich ihr Geheimnis in all seinen Spielarten.</p>
<blockquote><p>Mondscheintrunkne Lindenbl&#252;ten,<br />
Sie ergie&#223;en ihre D&#252;fte,<br />
Und von Nachtigallenliedern<br />
Sind erf&#252;llet Laub und L&#252;fte.</p>
<p>Lieblich l&#228;&#223;t es sich, Geliebter,<br />
Unter dieser Linde sitzen,<br />
Wenn die goldnen Mondeslichter<br />
Durch des Baumes Bl&#228;tter blitzen.</p>
<p>Sieh dies Lindenblatt! du wirst es<br />
Wie ein Herz gestaltet finden;<br />
Darum sitzen die Verliebten<br />
Auch am liebsten unter Linden.</p>
<p>Doch du l&#228;chelst, wie verloren<br />
In entfernten Sehnsuchttr&#228;umen -<br />
Sprich, Geliebter, welche W&#252;nsche<br />
Dir im lieben Herzen keimen?</p>
<p>Ach, ich will es dir, Geliebte,<br />
Gern bekennen, ach, ich m&#246;chte,<br />
Da&#223; ein kalter Nordwind pl&#246;tzlich<br />
Wei&#223;es Schneegest&#246;ber br&#228;chte;</p>
<p>Und da&#223; wir, mit Pelz bedecket<br />
Und im buntgeschm&#252;ckten Schlitten,<br />
Schellenklingelnd, peitschenknallend,<br />
&#220;ber Flu&#223; und Fluren glitten.<br />
<em>Heinrich Heine (1797-1856)</em></p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/lindenblatt.JPG" alt="Lindenblatt" width="150" height="194" />Die Kraft der Linde ist die Kraft der Verbindung: in ihrem Schatten begegnen sich die Menschen &#8211; nicht nur um Rat zu halten, sondern auch aus Liebe. So beginnt eines der sch&#246;nsten Minnelieder des Mittelalters, komponiert von Walther von der Vogelweide (170-1230):</p>
<blockquote><p>Under der linden<br />
an der heide,<br />
da unser zweier bette was,<br />
da mugt ir vinden<br />
sch&#246;ne beide<br />
gebrochen bluomen unde gras.<br />
vor dem walde in einem tal,<br />
tandaradei,<br />
sch&#246;ne sanc diu nahtegal.</p></blockquote>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/unter_den_linden.JPG" alt="Unter den Linden" width="150" height="209" />Unter der Effeltricher Linde feierte man im 19. Jahrhundert romantische &#8220;Mondscheinn&#228;chte&#8221; mit Musik und Gesang. Aus der ganzen Umgebung kamen die Menschen herbei, um unter den belaubten Armen dieses magischen Baumes einander zu begegnen.&#8221; Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken und tanzen und fr&#246;hlich zu sein, denn die Linde ist uns ein Friede- und Freudenbaum&#8221;, bekennt Martin Luther.</p>
<p>Die Effeltricher Linde ist vielleicht eine so genannte Apostellinde, deren Haupt&#228;ste, zw&#246;lf an der Zahl, k&#252;nstlich in die L&#228;nge gezogen und auf 24 St&#252;tzen getragen werden. Zw&#246;lf Apostel, zw&#246;lf Stunden, zw&#246;lf Monate, zw&#246;lf Tierkreiszeichen &#8211; mit dieser Zahl wird die Verbindung zwischen Himmel und Erde ausgedr&#252;ckt, dreimal Vier: die Zahl Vier steht f&#252;r die Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen, w&#228;hrend die Drei die Zahl des G&#246;ttlichen ist, wie die unz&#228;hligen G&#246;ttertriaden in vielen Kulturen der Welt zeigen. Die Vier ist die Zahl des Raumes, die Drei die Zahl der Zeit, denn sie markiert Anfang, Mitte und Ende eines Zyklus. Ich denke auch an die Pyramiden mit ihren vier aus Dreiecken gebildeten Seiten. Auf diese Weise wird diese Linde zu einem Symbol des gesamten Universums &#8211; in ihr verbinden sich oben und unten. &#8220;Wie oben &#8211; so unten&#8221; &#8211; so lautet der oberste Grundsatz des legend&#228;ren Hermes Trismegistos in seinen Smaragdtafeln:</p>
<blockquote><p>Wahr ist es, ohne L&#252;ge und sicher:<br />
Was oben ist, ist gleich dem, was unten ist,<br />
und was unten ist, ist gleich dem, was oben ist,<br />
f&#228;hig die Wunder des Einen auszuf&#252;hren.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_4.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="200" height="150" />Diese Linde ist nicht einfach nur ein Baum &#8211; aus ihren Wurzeln steigt die Kraft der Liebe und verteilt sich &#252;ber die Bl&#228;tterkuppel auf alle, die unter ihr verweilen. Wer seinen Fu&#223; unter diesen setzt, betritt heiligen Grund. Bedacht gehe ich im Uhrzeigersinn um die Linde mit ihrem m&#228;chtigen, fast acht Meter im Umfang messenden Stamm. Immer enger lasse ich die Kreise werden, n&#228;here mich ihr in einer Spirale. Je n&#228;her ich dem Mittelpunkt komme, umso st&#228;rker wird die Energie, eine weiche, m&#252;tterliche und freundliche Kraft, die mich von allen Seiten umgibt und mich einh&#252;llt. Fast erscheint es mir, als sei ich in ein helles, goldenes Licht getaucht, das aus den zweigen &#252;ber mir auf mich herabregnet. Die Kraft w&#228;chst sanft und bald kann ich mit ausgestreckten Armen die furchige Rinde ber&#252;hren. Ich halte inne, sp&#252;re dem Kreislauf nach, dessen Teil ich geworden bin: aus der Tiefe der Erde &#252;ber die Bl&#228;tterkuppel wieder hinab &#8211; es str&#246;mt auf und ab, und durch mich hindurch. Zwischen Himmel und Erde, oben und unten werde auch zu einem Kanal und erlebe ein eigenartiges Empfinden von Grenzenlosigkeit, von vollst&#228;ndiger Verbundenheit von allem zu allem.</p>
<p>Langsam l&#246;se ich mich aus diesem Zustand und verlasse die Runde. In mir kreisen Gedanken:</p>
<p><em>Was h&#228;lt mich hier zwischen Himmel und Erde? Nach welcher Art der Verbundenheit mit der Welt sehne ich mich? In welchen Bereichen meines Lebens fehlt mir dieses Gef&#252;hl &#8211; eingebunden zu sein, dazu zu geh&#246;ren? Wem w?&#252;rde ich jetzt und hier am liebsten unter der Linde mein Herz schenken? Welchen Menschen, denen ich je mein Herz schenkte, w&#252;rde ich unter diesem Baum wieder begegnen &#8211; und was w&#252;rden sie mir &#252;ber mich und mein Leben erz&#228;hlen?</em></p>
<p>Gegen&#252;ber der Linde erhebt sich trotzig die wehrhafte Umfriedung der Kirchenfestung St. Georg. Was f&#252;r ein Gegensatz! Hier die weiche Umarmung der Linde, die keine W&#228;nde braucht, keine Mauern, um uns Schutz und Geborgenheit zu spenden &#8211; dort die steinerne Umklammerung der Mauern im Schutze des Drachent&#246;ters, ein Bollwerk der Abgrenzung. So offenbart sich in Effeltrich die doppelte Wahrheit des Lebens: Verbindung und Trennung sind nur zwei Aspekte ein und desselben &#8211; so wie Yin und Yang den Tanz des Tao in Gang halten.</p>
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		<title>Die Wehrkirche St. Georg zu Effeltrich</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 15:28:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Erdkräfte]]></category>
		<category><![CDATA[Fränkische Schweiz]]></category>
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		<description><![CDATA[Am Rande des alten Dorfkernes von Effeltrich, einer Ortschaft am westlichen Ende der Fr&#228;nkischen Schweiz, erheben sich die eindrucksvollen Mauern der Wehrkirche St. Georg. Sie z&#228;hlt zu den besterhaltenen Kirchenburgen des Frankenlandes und von der fast viereckigen Anlgae sind noch drei Rundt&#252;rme und ein rechteckiger Turm erhalten und recken ihre spitzen Dachh&#252;te in den Himmel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_1.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich" width="200" height="150" />Am Rande des alten Dorfkernes von Effeltrich, einer Ortschaft am westlichen Ende der Fr&#228;nkischen Schweiz, erheben sich die eindrucksvollen Mauern der Wehrkirche St. Georg. Sie z&#228;hlt zu den besterhaltenen Kirchenburgen des Frankenlandes und von der fast viereckigen Anlgae sind noch drei Rundt&#252;rme und ein rechteckiger Turm erhalten und recken ihre spitzen Dachh&#252;te in den Himmel &#8211; urspr&#252;nglich bildete die Kirchenfestung ein F&#252;nfeck. Auch wenn von dem einst die ganze Anlage umgebendem Wehrgang nur noch Teil erhalten sind, hinerl&#228;sst ihr Anblick einen tiefen Eindruck: Warum in aller Welt wurde eine Kirche von derart massiven und m&#228;chtigen Mauern eingeschlossen &#8211; vor wem oder was galt es, sich zu sch&#252;tzen?<span id="more-32"></span></p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_3.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - durch den Torbogen" width="150" height="200" />Die Antwort ist Geschichte: In der zweiten H&#228;lfte des 15. Jahrhunderts &#252;berfielen die N&#252;rnberger das Land im ersten Markgrafenkrieg 1149/50. In den Wirren dieser Zeit waren die Dorfbewohner und die Bauern die Opfer: sie hatten keine Burgen, in die sie sich fl&#252;chten konnten, und konnte sich auch nicht hinter starkne Stadtmauern zur&#252;ckziehen wie die St&#228;dter. Warum dann keine Mauer um die D&#246;rfer bauen? Viel zu unsicher &#8211; denn so viele M&#228;nner gab es nicht, die es gebarucht h&#228;tte, um eine so lange Umfriedung zu verteidigen. So enstchloss man sich bereits um 1300 herum in Franken die Kirchen samt der Friedh&#246;fge in kleine Burgen umzubauen: der Kirchturm wurde mit Schie&#223;scharten versehen, die Friedhofsmauern verst&#228;rkt und oftmals mit einem Wehrgang ausger&#252;stet. Wichtig war auch die Lage dieser Wehrkirchen: sie  durften nicht in der Dorfmitte liegen, sondern eher am Rande, um den herankommenden Feind sofort ersp&#228;hen zu k&#246;nnen. Und ihr Eingang musste zur Dorfseite ausgerichtet sein, damit die Einwohner sich bei Gefahr im Verzuge schnellstens hinter die sch&#252;tzenden Mauern zur&#252;ckziehen konnten.</p>
<p>Ludwig Uhland dichtete wohl mit einer solchen Kirchenburg vor ASugen in seiner &#8220;D&#246;ffinger Schlacht&#8221;:</p>
<blockquote><p>Am Ruheplatz der Toten, da pflegt es still zu sein,<br />
Man h&#246;rt nur leises Beten bei Kreuz und Leichenstein.<br />
Zu D&#246;ffingen war&#8217;s anders; dort scholl den ganzen Tag<br />
Der feste Kirchhof wider von Kampfruf, Sto&#223; und Schlag.</p>
<p>Die St&#228;dter sind gekommen, der Bauer hat sein Gut<br />
Zum festen Ort gefl&#252;chtet und h&#228;lt&#8217;s in tapfrer Hut.<br />
Mit Spies und Karst und Sense treibt er den Angriff ab;<br />
Wer tot zu Boden sinket, hat hier nicht weit ins Grab.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_2a.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg in der Nische" width="150" height="200" />Schreiten wir also auf das Tor zu, die ber&#252;hmte Effeltricher Dorflinde in unserem R&#252;cken. &#220;ber dem Bogen begr&#252;&#223;en uns in drei Nischen die gotischen Holzfiguren der Hlg. Laurentius, Georg und Sebastian. Etwas weiter rechts reitet in einer weiteren bunt bemalten Nische noch einmal der Heilige Georg, der Schutzherr dieser Kirche, und sticht den Drachen. Es ist dieses Reiterstandbild, dass von jungen M&#228;nnern in Effeltricher Tracht zum Georgiritt mitgef&#252;hrt wird.</p>
<p>Der Georgiritt. Effeltrich ist bekannt in der Fr&#228;nkischen Schweiz f&#252;r sein lebendiges Brauchtum. Der wichtigste und bekannteste ist der Georgiritt, eine Pferdewallfahrt, bei der an jedem Ostermontag der Kirchenpatron geehrt wird. In einem farbenpr&#228;chtigen Zug werden Pferde aus der Umgebung durch das Dorf und an der Kirchenfestung vorbeigef&#252;hrt, allen voran der Pfarrer hoch zu Ross. In Effeltrich, der &#8220;Apfelreichen&#8221;, ist der Heilige Georg &#252;brigens so beliebt, dass noch heute der Vorname Georg &#252;berdurchschnittlich h&#228;ufig vergeben wird.</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_4.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg vor dem Eingang" width="150" height="306" />Der Drachent&#246;ter ist uns schon in einem anderen Zusammenhang begegnet: wie auch zum Beispiel im Ramsachkircherl am Rande des Murnauer Mooses k&#246;nnte seine Gegenwart ein Hinweise darauf sein, dass an diesem Ort besondere Erdkr&#228;fte gebunden sind. Der Drache steht dann f&#252;r die wilden tellurischen Kr&#228;fte, w&#228;hrend die Lanze des Heiligen den Drachen nicht t&#246;tet, sondern konzentriert &#8211; und f&#252;r den Menschen nutzbar macht. Die geomantische Variante dieser Legende sozusagen.</p>
<p>Wir &#252;berqueren den Friedhof und begegnen dem Heiligen Georg wieder, diesmal in einer moderneren Darstellung rechts vom Eingang zur Kirche und in einpr&#228;gsamer Dramatik. Der Drache ist nun kein Fabelwesen mehr, sondern ganz im Sinne der kirchlichen Deutung der Legende Luzifer selbst, das B&#246;se. Auf diese Weise eingestimmt betreten wir das Geb&#228;ude. Wenden wir uns dem um 1720/30 geschaffenen Hochaltar zu, in dessen Mitte der Heilige Georg seinen Kampf gegen den Drachen erneut zu f&#252;hren hat. Und wir m&#252;ssen nicht lange suchen, um sein Abbild erneut zu erblicken: an der s&#252;dlichen Langhauswand finden wir ihn wieder in Gestalt einer sp&#228;tgotischen Holzfigur, auf dem Drachen stehend und seine mit einem Kreuz gekr&#246;nten Lanze in sein zahnbewehrtes Maul stechend. Doch im Gegensatz zum apokalyptischen Alptraum, der mich noch am Eingang der Kirche begr&#252;&#223;te, strahlt dieser Georg eine unendliche Gelassenheit aus, fast m&#246;chte man meinen, er tr&#228;ume vor sich hin, w&#228;hrend er das Ungeheuer streckt. Und dann erkenne ich &#8211; seine Lanze verbindet ihn mit dem Drachen! Ich stelle mir vor, wie seine Urkraft an dem Stab hinaufwandert und den Ritter erf&#252;llt &#8211; er tankt die Erdenergie, indem er sie anzapft und sich mit ihr verbindet.</p>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_5.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - St. Georg Statue in der Kirche" width="150" height="347" />Schutz und R&#252;ckzug &#8211; dies sind die Themen dieses Ortes, verbunden mit der Kraft der Erde, die an dieser Stelle gebunden scheint. In der Kirche selbst ist es &#252;berall zu sp&#252;ren: Wir stehen auf einem bedeutsamen, kraftvollen Ort. Ich nehme mir einige Zeit, um diese Energie in mir aufsteigen zu lassen, f&#252;r einen Augenblick folge ich dem Bild des Heiligen Georgs, sp&#252;re wie ich mit meinen F&#252;&#223;en mit dem Untergrund verbunden bin und wie die Energie durch meine Sohlen &#252;ber mein R&#252;ckgrat hinauf steigt. Mein R&#252;ckgrat &#8211; die Lanze, mit der ich mich mit den Erdkr&#228;ften verbinde. Ein Woge von Kraft erf&#252;llt meinen ganzen K&#246;rper &#8211; mit jedem Atemzug wird sie st&#228;rker und setzt sich durch den Raum fort. Dann habe ich mit einem Male genug &#8211; und wende mich zum Gehen. Die Energie des Ortes ist sehr geb&#252;ndelt und m&#228;chtig &#8211; zusammengehalten und konzentriert im Schutz der starken Mauern der Kirchenfestung.</p>
<p>Beim Verlassen der Kirche atme ich tief durch &#8211; ich f&#252;hle mich kraftvoll und verbunden. Bevor wir den Friedhof wieder verlassen, lohnt es sich vim Eingang der Kirche aus rechts herum um das Geb&#228;ude zu gehen und die Nordseite zu besuchen. Dort findet sich ein fast unscheinbares Kleinod &#8211; eine Marienstatute in einer mit Efeu und Blumen geschm&#252;ckten Grotte. In ihrem wei&#223;en und blauen Gewand erhebt sie die Augen in Andachht gen Himmel &#8211; ein fast kitschiger Anblick. Und doch nach diesem kraftvollen Erlebnis in der Kirche genau das Richtige, um die Energie wieder zu erden und zu sich zu finden. F&#252;r einen Moment verweile ich in ebenso stiller Andacht vor dieser Statue und reflektiere das Erlebte:</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_st-georg_6.JPG" alt="Wehrkirche St. Georg in Effeltrich - Marienstatue an der Nordseite" width="150" height="200" /><em>Wovor brauche ich zurzeit Schutz? Welche inneren St&#228;rken habe ich, um mich selbst zu sch&#252;tzen? Wie gut bin ich mit meinem inneren Fundament verbunden? Habe ich das Bed&#252;rfnis, mich zur&#252;ckzuziehen, um wieder in Ber&#252;hrung mit der Kraft meiner inneren MItte zu gelangen? Wenn ich mich gerade zur&#252;ckziehe &#8211; was suche ich in diesem R&#252;ckzug?</em></p>
<p>Dann verlasse ich die Festung durch den Torturm und mein Blick f&#228;llt auf die uralte Linde, deren schwere &#196;ste von einem Konstrukt aus Holzbalken getragen werden, sodass sie die Form eines gewaltigen runden Daches einnimmt. Da wird mir ein zuweites Geheimnis von Effeltrich bewusst: diese Linde ist das Gegenst&#252;ck zu St. Georg mit seiner m&#228;nnlichen, aufsteigenden Yang-Energie. Hier finde ich den weiblichen Yin-Pol. Immer noch energetisch lenke ich meine Schritte auf den Dorfplatz, um unter der Linde ganz zu werden.</p>
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