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	<title>Mystische Orte &#187; Merseburg</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>Der Merseburger Dom (2)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 11:32:54 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer den Schlosshof links neben dem Portal des Merseburger Doms betritt, wird bald auf eine gro&#223;e Volière sto&#223;en, in der ein Rabenpaar sein Zuhause hat. Was hat es mit diesen Raben auf sich? Folgende Sage erkl&#228;rt diesen Zusammenhang:
Bischof Tilo von Trotha war bekannt als ein Mann, der sich nicht zu beherrschen wusste. Als ihm eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_356" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-356" title="Die Merseburger Raben" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_rabenkaefig_hdr-300x199.jpg" alt="Die Merseburger Raben" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Die Merseburger Raben</p></div>
<p>Wer den Schlosshof links neben dem Portal des Merseburger Doms betritt, wird bald auf eine gro&#223;e Volière sto&#223;en, in der ein Rabenpaar sein Zuhause hat. Was hat es mit diesen Raben auf sich? Folgende Sage erkl&#228;rt diesen Zusammenhang:<span id="more-355"></span></p>
<p>Bischof Tilo von Trotha war bekannt als ein Mann, der sich nicht zu beherrschen wusste. Als ihm eines Tages ein kostbarer Ring abhanden gekommen war, verd&#228;chtigte er sofort seinen Kammerdiener Hans. Obwohl dieser betagt und ihm schon viele Jahre treu gedient hatte, und obowhl er seine Unschuld beteuerte, lie&#223; ihn der Bischof in den Turm werfen. Nun begab es sich, dass der J&#228;ger um die Hand der sch&#246;nen Tochter des K&#228;mmerers angehalten hatte, aber von diesem wegen seines unsteten Lebenswandels abgewiesen worden war. Seither sann er auf Rache und sah den Augenblick gekommen. Er richtete einen Raben ab, die W&#246;rter &#8220;Hans Dieb!&#8221; zu sprechen. Der Bischof und mit ihm das Volk h&#246;rten den Raben dies von sich geben und glaubten, darin die Stimme Gottes zu h&#246;ren. Daraufhin lie&#223; ihn der zornige Bischof zum Tode durch das Schwert verurteilen. Noch auf dem Schafott hob der arme Mann die H&#228;nde zum Himmel und flehte, man m&#246;ge ihm seine Unschuld glauben &#8211; doch sein Flehen war vergebens: er wurde enthauptet. Doch zum Entsetzen der Zuschauer hob er auch nachdem sein Haupt vom Rumpfe fiel die H&#228;nde!</p>
<div id="attachment_364" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-364" title="Kapitelhof des Merseburger Doms" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_kapitelhof_hdr-199x300.jpg" alt="Kapitelhof des Merseburger Doms" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Kapitelhof des Merseburger Doms</p></div>
<p>Jahre sp&#228;ter riss ein Sturm das Dach des Turmes herunter. Zum Vorschein kam ein Rabennest &#8211; und in diesem lag der verlorene Ring! Nun war klar: der Bischof hatte die Schatulle mit dem Ring offen am Fenster stehen gelassen, und ein Rabe hatte sich von dem funkelnden Schmuckst&#252;ck angezogen gef&#252;hlt &#8211; und ihn gestohlen. Da legte der Bischof gro&#223;e Reue an den Tag, entsagte fortan allen weltlichen Gen&#252;ssen und tat Bu&#223;e bis an sein Lebensende. Zudem zieren zwei Raben mit einem Ring im Schnabel seither das Wappen des Bischofs.</p>
<p>Schon fr&#252;h wurde diese Sage auch als solche erkannt, denn Adligen von Trotha f&#252;hrten den Raben mit dem Ring schon lange vor Bischof Tilo in ihrem Wappen. Tilo selbst wurde au&#223;erdem von seinen Zeitgenossen alles andere als j&#228;hzornig beschrieben. Eine m&#246;gliche Erkl&#228;rung f&#252;r das Symbol k&#246;nnte eine Vorlage aus dem Morgenland sein: Bei der Falkenjagd wurden  im islamischen Raum Gl&#246;ckchen am Schnabel des Falken befestigt. Insofern w&#228;re der Rabe mit dem Ring die Fehldeutung eines Jagdfalken. Auch wenn Wappentiere an sich nicht zwingend etwas zu bedeuten haben, k&#246;nnte man sich jedoch auch &#252;berlegen, ob nicht die mythische Bedeutung des Raben eine Rolle gespielt haben mag. In der nordischen Mythologie stehen sie f&#252;r Weisheit und Klugheit, Odin trug die beiden Kolkraben Hugin und Munin auf seinen Schultern, die  ihm berichteten, was auf der Welt vor sich ging. Der Ring im Schnabel des Raben wird als Armreif der freien Germanen gedeutet und damit die Verwurzelung des Geschlechts der von Trotha in heidnische Zeiten angedeutet.</p>
<p>Erinnern wir uns auch an die Raben, die im Londoner Tower gehalten werden, weil nach einer Legende die Monarchie zugrunde gehen w&#252;rde, wenn die Raben den Tower verlassen. Unweit von Merseburg finden wir auch den Kyffh&#228;user,  dem K&#246;nig Barbarossa ruhen soll, und dereinst sein Reich erneuern w&#252;rde, wenn keine Raben mehr dort fliegen. Oder denken wir an den Raben als Todesboten im Gesicht von Edgar Allen-Poe: &#8220;Quoth the Raven, &#8220;Nevermore.&#8221;</p>
<div id="attachment_358" class="wp-caption alignright" style="width: 209px"><img class="size-medium wp-image-358" title="Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_kreuzgang_hdr-199x300.jpg" alt="Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg" width="199" height="300" /><p class="wp-caption-text">Die Kratzspuren im Kreuzgang zu Merseburg</p></div>
<div id="attachment_359" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-359" title="Der Baumeister im Kreuzgang" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/merseburg_baumeister_hdr-300x199.jpg" alt="Der Baumeister im Kreuzgang" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">Der Baumeister im Kreuzgang</p></div>
<p>Eine weitere Sage rankt sich um seltsame Kratzspuren an den S&#228;ulen des Kreuzganges und ein merkw&#252;rdiges steinernes Bildnis, das einen Mann zeigt, der dem Betrachter offensichtlich sein Hinterteil entgegen streckt. Einst soll der Baumeister des Kreuzganges so unzufrieden mit seinen Planungen gewesen sein, dass er in seiner Wut ausrief: &#8220;Soll doch der Teufel den Kreuzgang bauen &#8211; ich vermag es nicht!&#8221; Der Leibhaftige lie&#223; sich nicht zweimal bitten und stand wie aus dem Boden gestampft vor dem verbl&#252;fften Mann. Er versprach ihm, den wunderbarsten Kreuzgang zu bauen, wenn der Baumeister ihm daf&#252;r seine Seele verspreche. Der listige Mann aber willigte ein, unter der Bedingung, dass der Kreuzgang in wirklich jeder Hinsicht vollkommen zu sein habe &#8211; sonst w&#252;rde der Handel platzen. Der Teufel war sich sicher, dass er diesen Handel gewinnen w&#252;rde und erschuf deinen Kreuzgang, wie es keinen zweiten auf Erden gibt. Als er fertig war und seinen Lohn forderte, erbat sich der Baumeister zuerst einen Rundgang durch das Geb&#228;ude, um zu pr&#252;fen, ob er den gestellten Anspr&#252;chen gen&#252;ge. In der Kapelle des Westfl&#252;gels blieb er stehen, wandte sich an den Teufel und fragte: &#8220;Und wo ist der Altar mit dem Bildnis unseres Erl&#246;sers? Eine Kapelle ist erst dann vollendet, wenn der Altar steht!&#8221; Da begriff der Teufel, dass man ihn zum Narren gehalten hatte, denn ein solches Bildnis konnte er nicht erstellen. Au&#223;er sich vor Wut raste er durch den Gang und versuchte mit seinen Krallen die S&#228;ulen einzurei&#223;en &#8211; was ihm nicht gelang, denn der Baumeister hatte einen Priester gebeten, sie mit Weihwasser zu besprengen. So verlie&#223;en den Widersacher Gottes bald die Kr&#228;fte und es blieben nur die Spuren &#252;brig, wie sie noch heute zu sehen sind. Im S&#252;dosteck des Kreuzganges aber verewigte sich der Baumeister in jener Pose, mit der er die Dummheit des Teufels verspottet.</p>
<p>Wie schon in <a href="http://mystische-orte.de/deutschland/sachsen-anhalt/der-merseburger-dom-1">meinem ersten Beitrag zum Merseburger Dom</a> erw&#228;hnt, wird Merseburg als Mars-Stadt betitelt, indem &#8220;Merse&#8221; volksetymologisch mit dem Kriegsgott in Verbindung gebracht wird. So erstaunt es nicht, dass diese Sagen von den Auswirkungen blinder Wut und ihrer Folgen handeln.</p>
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