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	<title>Mystische Orte &#187; Orakel</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>Die Orakelquelle des St. Moritz</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jul 2008 09:23:52 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_78" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-78" title="Moritzbrunnen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/moritzbrunnen_02.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="266" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Nein &#8211; St. Moritz liegt nicht nur im Engadin, sondern auch am Rande der Fr&#228;nkischen Schweiz, unweit der Ortschaft Leutenbach. Und dieses eher unbekannte Fleckchen Erde in der Fr&#228;nkischen Schweiz birgt eine Besonderheit: Nur wenige Schritte vom Parkplatz entfernt h&#246;ren wir es schon pl&#228;tschern &#8211; das Orakelbr&#252;nnlein des Heiligen Moritz. Hinter den Gittern einer wei&#223; get&#252;nchten Feldkapelle quillt das Wasser aus der Tiefe und ergie&#223;t sich zwischen groben Steinen in ein kleines B&#228;chlein davor. &#220;ber allem wacht die seltsam h&#246;lzern wirkende Statue des Ortsheiligen Sankt Mauritius oder Sankt Moritz &#8211; ein Schild in der linken, die Legion&#228;rslanze in der rechten Hand, den Blick geradewegs auf den Besucher gerichtet. Auf seine Weise wirkt er fast unheimlich in seiner starren Pose. <span id="more-48"></span></p>
<p>Der Heilige bewacht die Quelle und ihr Geheimnis: sie soll magische Kr&#228;fte besitzen und die Zukunft prophezeien k&#246;nnen. Dazu bitte man St. Moritz um seinen Beistand, werfe ein St&#252;ckchen Holz in den Brunnen und stelle eine Frage. Schwimmt es obenauf &#8211; wird sich alles zum Besten wenden. Geht es aber unter, dann sieht es leider d&#252;ster aus. Andere berichten von Heilkr&#228;ften des Wassers: es soll gegen Hautkrankheiten und Augenleiden helfen. Eins soll man jedoch tunlichst unterlassen: das Wasser trinken &#8211; das bringe Ungl&#252;ck, so erz&#228;hlt man sich.</p>
<p>Wer war dieser St. Moritz? In der Tat ist es der Gleiche, der dem ber&#252;hmten Ski-Ort und Tummelplatz f&#252;r Promis seinen Namen gab &#8211; und &#252;brigens schon im Mittelalter f&#252;r seine Heilquellen ber&#252;hmt war. Geboren wurde er wohl im 3. Jahrhundert nach Christus im &#228;gyptischen Theben. Die Legende berichtet, dass er sich der Theb&#228;ischen Legion des r&#246;mischen Kaisers Maximianus anschloss und dort zum Kommandeur aufstieg. Mauritius war Christ &#8211; und dies wurde ihm zum Verh&#228;ngnis, denn als der Kaiser gegen die Christen ziehen wollte, weigerte er sich, diesem Befehl zu folgen. Bei der &#220;berquerung der Alpen im Jahre 302 oder 303 n.Chr. meuterte er mit seinen Mannen bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice &#8211; nicht zu verwechseln mit St. Moritz! &#8211; im Kanton Wallis. Der Zorn des Kaisers lie&#223; nicht auf sich warten: dieser gab den Befehl, die Legio zu dezimieren, d.h. so lange jeden zehnten Legion&#228;r zu t&#246;ten, bis die &#220;briggebliebenen aufgaben. Doch die Legion des Mauritius blieb standhaft &#8211; und es kam zu einem Blutbad: ohne Gegenwehr zu leisten wurden alle Soldaten hingerichtet. Mauritius wurde zum M&#228;rtyrer und sp&#228;ter zum Heiligen.</p>
<p>Noch eine Besonderheit weist der Heilige Moritz auf: ab dem 15. Jahrhundert wird er immer h&#228;ufiger auch als gewappneter Ritter mit dunkler Hautfarbe dargestellt, als &#8220;Mohr&#8221;. So finden wir ihn als Schutzpatron von Coburg als &#8220;Coburger Mohr&#8221; im Stadtwappen. Sein Name wird ausschlaggebend gewesen sein: lat. <em>maurus</em>, eigentlich der &#8220;Maure&#8221;, wird sp&#228;ter gleichbedeutend f&#252;r &#8220;Mohr&#8221;. Aufgrund seiner Farbigkeit wird er u.A. zum Schutzherrn der F&#228;rber und Glasmaler &#8211; &#252;berhaupt aller Berufe, die mit Farben zu tun haben. Zudem wird er angerufen bei verschiedenen Leiden wie Ohrenschmerzen, Gicht und sogar Besessenheit.</p>
<div id="attachment_80" class="wp-caption alignleft" style="width: 385px"><img class="size-full wp-image-80" title="Der Moritzbrunnen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/moritzbrunnen.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="375" height="281" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Wir gehen ein St&#252;ck des Weges weiter und erblicken bald die Kapelle St. Moritz, von den Einheimischen auch &#8220;Moritzla&#8221; genannt, die hinter hohen Mauern auf einem Bergvorsprung &#252;ber den Wald ragt &#8211; wie ein Schmuckst&#252;ck in einer Schatulle. Das Alter der Kirche ist ungewiss, urkundlich erw&#228;hnt wird sie erst im 15. Jahrhundert, doch mit Sicherheit ist dieser Ort wesentlich &#228;lter. Jahrhundertlang war die Kapelle ein Wallfahrtsort. Wir betreten also den idyllischen Friedhof durch das Tor rechts neben dem Einsiedlerh&#228;uschen &#8211; und finden uns auf einem Grund wieder, von dem eine magische Anziehungskraft ausgeht. Wie die Reeling eines Schiffes umgeben die Mauern in einem Sechseck die Kirche &#8211; ihr Turm der hochaufragende Mast. Mit ihrem Bug durchpfl&#252;gt die Kirche die W&#228;lder wie die hohe See. Alles ist ganz ruhig und innig hier nur das Rauschen des Silberbaches unterhalb der Kapelle ist zu h&#246;ren: dort bildet er einen Wasserfall und soll in fr&#252;herer Zeit eine M&#252;hle angetrieben haben. Silberbach? Es wird vermutet, dass der nahe gelegene, aber mittlerweile verschwundene Weiler Oberleutenbach eine Siedlung von Bergleuten war, die dort nach Silber sch&#252;rften. Vielleicht erkl&#228;rt dies auch die oft genannten, mysteri&#246;sen unterirdischen G&#228;nge in dieser Gegend. Die St.Moritz-Kapelle mit ihren etwa 1 Meter hohen Mauern und ihrem st&#228;mmigen Turm mag f&#252;r die Menschen im Falle eines Angriffes als letzte Zufluchtsst&#228;tte gedient haben. Im Inneren der Kirche &#8211; leider nur gegen Voranmeldung zu besichtigen &#8211; entdecken wir &#252;ber dem Tabernakel am Hochaltar das Standbild des Kirchenpatrons, zu seiner Linken de Hl. Nikolaus und zu seiner Rechten der Hl. Otto.</p>
<p>Hinter uns, etwas weiter den Pfad &#252;ber einige befestigte Stufen bergauf, erhebt sich der Burgstein: dort sind noch die Reste einer alten Burganlage zu finden, einst der Stammsitz der freien Herren von Leutenbach. Es geht das Ger&#252;cht, dass St. Moritz urspr&#252;nglich die Kapelle der Burg gewesen sei und mit dieser durch einen unterirdischen Gang verbunden ist. Doch davon ist nichts erwiesen noch hat man einen solchen Gang jemals gefunden. Doch was k&#252;mmert es &#8211; von dort haben wir einen fantastischen Ausblick: wir blicken hinab ins Tal auf die Kapelle und weit ins Land hinein bis zum sagen umwobenen &#8220;Walberla&#8221; &#8211; sogar die Vexierkapelle ist von diesem Platz aus bei gutem Wetter und klarer Sicht zu sehen. Dieser Blick erfrischt die Sinne &#8211; ein wahrer Kraftort.</p>
<p>Die drei Etappen dieser kleinen Wanderung tragen jede eine andere Signatur der Kraft: die Moritz-Quelle ist ein mysteri&#246;ser Platz, die Kapelle ist eine idyllische Zufluchtsst&#228;tte und der Burgstein weitet unseren Blick f&#252;r die &#252;bergeordneten Zusammenh&#228;nge. Wenn wir an der Quelle unserer Frage stellen, verinnerlichen wir das Geheimnis ihrer Antwort in der Umfriedung der Kapelle und &#252;berwinden jeden Zweifel auf dem Burgstein. So wird die Antwort auf die Frage unserers Lebens in drei Stationen aus der Tiefe der Erde ans Licht der Welt gebracht.</p>
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