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	<title>Mystische Orte &#187; Tod</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>H&#252;gelgr&#228;ber bei M&#252;nsing</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 11:14:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und fr&#252;hgeschichtlichen Denkm&#228;lern, denn schon fr&#252;h haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gef&#252;hlt. W&#228;hrend das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried gl&#228;nzt, sind die St&#228;tten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_387" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-387" title="Bei M&#252;nsing - Land der Kelten" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0079-300x200.jpg" alt="Bei M&#252;nsing - Land der Kelten" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Bei M&#252;nsing - Land der Kelten</p></div>
<p>Die Gegend um den Starnberger See ist reich gesegnet mit vor- und fr&#252;hgeschichtlichen Denkm&#228;lern, denn schon fr&#252;h haben sich Menschen von dieser wunderbaren Landschaft angezogen gef&#252;hlt. W&#228;hrend das Westufer mit seinen prominenten Villen und begehrten Ausflugszielen wie Possenhofen, Tutzing und Bernried gl&#228;nzt, sind die St&#228;tten des Ostufers eher unbekannt geblieben, obgleich sie nicht minder eindrucksvoll sind und von der bewegten Vergangenheit des F&#252;nf-Seen-Landes erz&#228;hlen.<span id="more-386"></span></p>
<p>Eine meiner liebsten Strecken ist der ca. 18 Kilometer lange Rundweg von Wolfratshausen aus &#252;ber M&#252;nsing nach Weipartshausen und zur&#252;ck, denn dort begegnen wir auf Schritt und Tritt den Zeigen einer l&#228;ngst vergessenen Zeit, in der die Kelten das Land besiedelten und uns ihre heiligen Orte hinterlie&#223;en, St&#228;tten der Totenverehrung, wie sie heute in den dichten W&#228;ldern zu finden sind:<br />
H&#252;gelgr&#228;berfelder aus der Hallstattzeit. Die Hallstattzeit markiert den Beginn der keltischen &#196;ra und ist die erste Periode der so genannten Eisenzeit (800 &#8211; 15 v.Chr.), in der das harte und leichter zu beschaffende Material langsam aber sicher die Bronze als Alltagswerkstoff abl&#246;ste. Zugleich wird nach einer Phase der Urnenbestattung die Sitte des Grabh&#252;gels wieder lebendig, wie sie schon Jahrhunderte zuvor in der Bronzezeit gang und g&#228;be war. Es ist bemerkenswert, dass die keltische Bev&#246;lkerung vielfach die gleichen Standorte f&#252;r ihre Totenst&#228;tten w&#228;hlte, wie schon ihre Vorfahren der Bronzezeit, sodass sich in die Grabh&#252;gelfelder immer wieder solche dieser noch weiter zur&#252;ck liegenden Epoche mischen, wenngleich sie damals kleiner und weniger luxuri&#246;s ausgestattet waren. Diese Kontinuit&#228;t zeigt, dass die Menschen sich der Kraft der Orte, an denen sie ihre Verstorbenen zu Grabe trugen, wohl bewusst gewesen sind.</p>
<div id="attachment_388" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-388" title="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0141-300x200.jpg" alt="H&#252;gelgrab" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">H&#252;gelgrab der Hallstattzeit</p></div>
<p>Noch heute strahlen die H&#252;gelgr&#228;berfelder, von denen einige bis zu 70 Grabh&#252;gel aufweisen, eine besondere Magie aus. Oft liegen sie in W&#228;ldern verborgen, wo sie die Zeiten &#252;berdauerten und vielleicht &#252;ber die Jahrhunderte als geheimnisvolle Relikte einer archaischen Vergangenheit respektiert wurden, denn erstaunlicherweise blieben sie in ihrer Lage bis heute unangetastet, obgleich sie auf durchaus fruchtbaren Land liegen, welches eher zur Bewirtschaftung einl&#228;dt, denn zur Bewahrung von Traditionen, deren Sinn sich im Nebel der fernen Vergangenheit verloren haben mag. Doch wer heute beispielsweise das weitl&#228;ufige Grabh&#252;gelfeld nordwestlich von Weipertshausen besucht, wird merken, dass die Kraft dieser Begr&#228;bnisst&#228;tte sich nie verloren hat und auch in den Herzen uns Heutiger Ehrfurcht entfachen muss. Es ist heiliger Boden, den wir betreten.</p>
<div id="attachment_391" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-391 " title="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0129-300x200.jpg" alt="H&#252;gelgrab der Hallstattzeit" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">H&#252;gelgrab der Hallstattzeit</p></div>
<p>Zu jeder Nekropole gibt es eine Siedlung, im Falle der H&#252;gelgr&#228;ber am &#8220;Kohlmannsfeld&#8221; und in der Nachbarschaft zum Schwarzen Weiher d&#252;rfte es die Siedlung gewesen sein, dort wo sich heute der idyllische Ort Weipertshausen befindet mit seinen wunderbaren herrlich verzierten H&#246;fen. Nordwestlich von Weipertshausen thront die Kapelle St. Koloman, ein nachgotischer Bau von 1608, auf einem Mor&#228;nenh&#252;gel &#8211; ein bezaubernder Ort an sich! Wer den H&#252;gel erklimmt und dort unter urzeitlich anmutenden Buchen und Linden einen Platz sucht, um den Blick weit &#252;ber das &#8220;blaue Land&#8221; streifen zu lassen bis hin zur leuchtenden Kette der Alpen, dem wird etwas von der Erhabenheit zuteil, den dieser lichte Kraftort ausstrahlt. Es empfiehlt sich vor dem Gr&#228;bergang diesen paradiesischen Ort aufzusuchen und hier innere Einkehr zu halten, denn die Himmelskr&#228;fte, die uns hier umfangen, bereiten uns auf den Abstieg in das Reich der Toten trefflich vor. Der H&#252;gel von St. Koloman ist besonderer Ort und es w&#252;rde nicht verwundern, wenn hier schon in vorchristlicher Zeit eine Kultst&#228;tte bestand.</p>
<div id="attachment_389" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-389" title="Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0094-300x200.jpg" alt="Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Kapelle St. Koloman bei Weipertshausen</p></div>
<p>Der Heilige Koloman soll ein irischer K&#246;nigssohn im 11. Jahrhundert gewesen sein, der auf seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land in &#214;sterreich zum Tode verurteilt war, weil man ihn f&#252;r einen b&#246;hmischen Spion hielt. Als sein Leiche jedoch nicht verweste und sich zahlreiche Wunder an seinem Grab zeigten, wurde er schlie&#223;lich in den Stand eines Heiligen erhoben. Ausf&#252;hrlich nachzulesen ist die Geschichte hier: <a href="http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/niederoesterreich/weinviertel/kolomann.html" target="_blank">Die Legende vom Heiligen Koloman</a>.</p>
<p>Von der H&#246;he der Kapelle steigen wir herunter in den weiter nordwestlich gelegenen Wald, wo wir schon bald ein Bachbett queren und auf den ersten Grabh&#252;gel sto&#223;en. Wenn wir unser Schritte weiter nordw&#228;rts wenden, tauchen immer mehr Grabh&#252;gel zwischen den B&#228;umen auf, zum Teil von enormen Ausma&#223;en mit sch&#228;tzungsweise bis zu drei Metern H&#246;he. Das Gr&#228;berfeld erstreckt sich bis zum Weihergraben und weiter. Auff&#228;llig ist auch, dass w&#228;hrend sich ringsum der Fichtenwald etablierte, auf den Gr&#228;bern selbst Buchen und andere B&#228;ume erhalten haben. Es ist ein Ort der Stille, aber auch ein unheimlicher Ort, der nicht lange zum Verweilen einl&#228;dt. Wir sind eindeutig Besucher, nicht zwingend G&#228;ste. Selbst bei helllichtem Tag umgibt die Gr&#228;ber etwas Dunkles, Geheimnisvolles und ich f&#252;hle mich an die keltischen Sagen erinnert, nach denen solche H&#252;gel zu gewissen Zeiten den  Eingang in die Andere Welt, die Anderswelt, das Jenseits der Kelten frei geben. Es ist Oktober und Samhain, die Nacht vom 31.10. auf den 1.11. ist nahe, eine Nacht, in der alter keltischer Tradition nach die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten verschwimmt.</p>
<div id="attachment_390" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-390 " title="Der Schwarze Weiher" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2009/10/IMG_0105-300x200.jpg" alt="Der Schwarze Weiher" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Der Schwarze Weiher</p></div>
<p>Etwas weiter &#246;stlich erreichen wir den Schwarzen Weiher, vielleicht so genannt, weil er als Moorsee immer dunkles Wasser f&#252;hrt, vielleicht aber auch, weil auch ihn jene D&#252;sternis umgibt, selbst wenn sich der Himmel hell strahlend und wei&#223;-blau zwischen den Wipfeln der B&#228;ume zeigt, die das stille Gew&#228;sser umgeben. Bl&#228;tter segeln auf den schwarzen Spiegel des Wassers und zeichnen Kreise darauf, doch wirklich Leben hauchen sie der Szene damit nicht ein. Die Melancholie dieses Ortes passt gut zur benachbarten Totenstadt und wie von selbst kreisen die Gedanken um das Mysterium von Leben und Tod.</p>
<p>Wir wenden unsere Schritte weiter nach Osten, hinaus aus dem Wald und auf zur&#252;ck auf die hellen Fluren. Es ist ein eigenartiges Gef&#252;hl, denn das Helle und das Dunkle ist unserer Seele begegnet und hat in uns Licht und Schatten hinterlassen. Die Kelten waren dem Geheimnis des Werdens und Vergehens immer schon nahe. F&#252;r sie war die Anderswelt nur eine andere Form des Lebens, in der es rauschende Feste und k&#246;stliche Gelage geben w&#252;rde. So statteten sie die Gr&#228;ber ihrer Toten mit zahlreichen Gaben aus, allem voran Teller, Trinkgef&#228;&#223;e, T&#246;pfe, damit sie gut ausgestattet an den Feiern teilnehmen k&#246;nnen. Dass sie ihren Toten eigene St&#228;dte errichteten und die H&#252;gel wie Wohnst&#228;tten zu verstehen sind, wirft ein Licht auf das Verst&#228;ndnis von Leben und Tod in diesen vergessenen Zeiten, das so ganz anders ist als das der Moderne. Sterben war ein &#220;bergang in eine andere Form des Lebens und zugleich waren die Verstorbenen, die Ahnen, die Nachbarn der Lebenden.</p>
<p>Vielleicht ist dies die Botschaft, die die Begegnung mit den H&#252;gelgr&#228;bern von Weipartshausen und anderswo f&#252;r uns bereit h&#228;lt.</p>
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		<title>Der Eibenwald bei Paterzell</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 13:11:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.
Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_223" class="wp-caption alignleft" style="width: 343px"><img class="size-full wp-image-223" title="Im Eibenwald" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/im_eibenwald.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="333" height="222" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.<span id="more-217"></span></p>
<p>Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische Baumart. In Europa gibt es sie schon seit 600.000 Jahren und steht heute unter Naturschutz. Sie ist der einzige heimische Giftbaum und liebt es, im Schatten der anderen B&#228;ume zu gedeihen. Sie braucht kaum Licht und w&#228;chst sehr langsam und nicht sehr hoch (15, manchmal auch bis 18 Meter), doch kann sie daf&#252;r &#228;lter werden als alle &#252;brigen heimischen B&#228;ume.</p>
<div id="attachment_224" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-224" title="Arillus - die Frucht der Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenfrucht-200x300.jpg" alt="Foto: Christoher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Sie ist ein in vieler Hinsicht besonderer und merkw&#252;rdiger Baum, denn sie ist auf der einen Seite ein Nadelgeh&#246;lz, auf der anderen Seite bildet sie keine Samenzapfen wie die Fichte oder die Tanne, sondern als einzige Art rote Beeren, die in Wirklichkeit &#8220;Scheinbeeren&#8221; (Arillus) sind, bei denen das korallrote Fleisch des Fruchtbechers einen Samenkern umh&#252;llt. W&#228;hrend die weiblichen Eiben im Sp&#228;tsommer und Herbst diese Fr&#252;chte tragen, verbreiten die m&#228;nnlichen Eiben aus ihren Bl&#252;ten im Fr&#252;hling einen nebelartigen Staub.</p>
<p>Auff&#228;llig auch die oft gewundene, wulstige, tief gefurchte Gestalt des Stammes, in dessen Formen wir nicht selten eigenartige Wesen und Gesichter zu erkennen glauben. Die Eibe scheint keine Symmetrie zu verfolgen in ihrem Wuchs, sondern immer wieder vereinen sich &#196;ste mit dem Stamm, umwinden diesen, verbinden sich zu einer geschlungenen Ganzen. &#196;ltere B&#228;ume sind hohl und verj&#252;ngen sich, indem sich aus der Krone &#196;ste in den Boden senken und so einen neuen Stamm bilden oder werden von jungem Holz umwallt. Die Eibe scheint sich einem ununterbrochenen Transformationsprozess zu unterwerfen, der es schwer macht ihr wahres Alter zu bestimmen. Ihr Holz hat keine Harzkan&#228;le und eine gelbliche bis tiefrote F&#228;rbung. Besonders an feuchten, regenreichen Tagen leuchtet es unter der abgeschuppten Rinde oft blutrot hervor.</p>
<div id="attachment_225" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-225" title="Eibenholz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenholz-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Ihr sehr haltbares und elastisches Holz wurde der Eibe schon fr&#252;h zum Verh&#228;ngnis. Ihr Name leitet sich von &#8220;iwa&#8221; ab, gleichzeitig das Wort f&#252;r Bogen und Armbrust. Aus diesem Holz schuf man schon seit der Steinzeit besonders langlebige Waffen. Schon das Bogenholz von &#8220;&#214;zti&#8221;, der in den &#214;tztaler Alpen gefundene mumifizierte Leichnam eines Menschen der fr&#252;hen Steinzeit, war aus diesem begehrten Holz gefertigt. Nicht umsonst findet man sie als langsam wachsende Waffenkammern oft geh&#228;uft rings um Burgen. So kam es, dass Eiben in Oberbayern und anderswo aufgrund der gro&#223;en Nachfrage an Kriegs- und Jagdwaffen um 1600 schon weitgehend ausgerottet waren. &#220;berlebt hat sie zumeist in G&#228;rten, auf Friedh&#246;fen und in Parks. Doch selten sind solche Anblicke wie hier bei Paterzell: ein ganzer Wald voller Eiben. Einige dieser Baumahnen sind wohl bis zu 1000 Jahre alt.</p>
<p>Andere wiederum sagen, das althochdeutsche &#8220;iwa&#8221; h&#228;nge mit dem Wort &#8220;ewa&#8221; f&#252;r Ewigkeit zusammen &#8211; die Eibe, der immergr&#252;ne Baum, der den Tod &#252;berwindet &#8211; und bringt.</p>
<blockquote><p>Die Eibe<br />
schl&#228;gt an die Scheibe.<br />
Ein Funkeln<br />
Im Dunkeln<br />
Wie G&#246;tzenzeit, wie Heidentraum<br />
Blickt ins Fenster der Eibenbaum.<br />
(Theodor Fontane)</p></blockquote>
<div id="attachment_226" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-226" title="Eibengespenst" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibengespenst-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Von der Giftigkeit der Eibe spricht bereits Julius C&#228;sar. Er berichtet, dass der Eburonenk&#246;nig Catuvolcus sich mit einem Eibentrunk das Leben nahm. Sehr wahrscheinlich hatte der Selbstmord des Keltenf&#252;rsten einen kultischen Hintergrund. Das Gift der Eibe f&#252;hrt zu einem schnellen Herzstillstand, hei&#223;t Taxin und ist st&#228;rker als das des Fingerhuts. Schon eine geringe Dosis der Nadeln kann auf Pferde t&#246;dlich wirken. Auch f&#252;r Menschen ist die Eibe giftig, allerdings m&#252;sste er wenigstens 50 Gramm davon verspeisen. Einzig das rote Fruchtfleisch, welches den ebenfalls giftigen Samenkern umschlie&#223;t, ist ungiftig und schmackhaft. F&#252;r Rehe allerdings ist die Eibe ein wahrer Leckerbissen: Taxin scheint stimulierend auf die Tiere zu wirken, &#228;hnlich wie Tabak auf den Menschen &#8211; ein Problem vor allen Dingen f&#252;r den Nachwuchs der Eiben, der in den &#252;berhegten Rehbest&#228;nden unserer W&#228;lder durch entsprechende Ma&#223;nahmen wie Umz&#228;unungen gesch&#252;tzt werden muss.</p>
<p>Der griechische Arzt Dioskurides (1.Jhdt. n.Chr.) behauptete, wer unter den Eiben Spaniens schliefe, m&#252;sse sterben. Es reiche manchmal schon aus, vom Schatten der Eibe getroffen zu werden um. Hieronymus Bock (1198 &#8211; 1554) warnt in seinem Kr&#228;uterbuch: „<em id="froh515">Jeder der unter einer Eibe einschl&#228;ft ist des Todes.</em>&#8221; Wegen seiner Giftigkeit galt die Eibe auch als der &#8220;verbotene Baum&#8221;.</p>
<blockquote><p>Du starrtest damals schon<br />
So d&#252;ster treu wie heut,<br />
Du, unsrer Liebe Thron<br />
Und W&#228;chter manche Zeit;<br />
Man sagt, dass Schlaf, ein schlimmer,<br />
Dir aus den Nadeln raucht, -<br />
Ach, wacher war ich nimmer,<br />
Als rings von dir umhaucht!</p>
<p>(Annette von Droste-H&#252;lshoff)</p></blockquote>
<div id="attachment_227" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-medium wp-image-227" title="Die Rune Ihwaz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/rune_ihwaz.png" alt="Quelle: wikipedia" width="150" height="200" /><p class="wp-caption-text">Quelle: wikipedia</p></div>
<p>Es nimmt kaum Wunder, dass dieser geheimnisvolle Baum mit seiner sonderbaren Gestalt auch ein heiliger Baum ist. Die Germanen und Kelten sahen in ihm einen Baum des Todes und der Ewigkeit, ein Begleiter in die Anderswelt. Sie tr&#228;nkten ihre Pfeilspitzen im giftigen Eibensud. Die Druiden, so hei&#223;t es, bevorzugten f&#252;r ihre Zauberst&#228;be das Holz der Eibe. Wahrscheinlich wurde es unter aufwendigen Ritalen geschnitten, vielleicht bei Mondfinsternissen, wie die Hexen in Shakespearses Macbeth dies tun. Der Zauber der Eibe hatte zudem eine bannende Wirkung gegen alles B&#246;se, gegen Hexen und D&#228;monen: &#8220;Vor Eiben kann kein Zauber bleiben&#8221;. B&#246;sartigen Gnomen konnte man beikommen, indem man Eibenzweige vor deren H&#246;hlen streute. Der Eibe hatte im angels&#228;chsischen Raum eine eigene Rune: &#8220;Ihwaz&#8221;. Diese Zauberrune sollte Krankheit und Unheil abwenden.</p>
<p>Die Eiben s&#228;umen den Scheideweg zwischen Leben und Tod:</p>
<blockquote><p>Est via declivis funesta nubila taxo<br />
ducit ad infernas per muta silentia sedes.</p>
<p>Abw&#228;rts senkt sich der Weg,<br />
von trauernden Eiben umd&#252;stert,<br />
F&#252;hrt er durch Schweigen stumm<br />
zu den unterirdischen Sitzen.</p>
<p>(Ovid, Metamorphosen IV, 432)</p></blockquote>
<div id="attachment_228" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-228" title="Ein Eiben-Ungeheuer" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eiben_ungeheuer-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Eine gewaltige Eibe soll auch an den Ufern des Unterweltflusses Kokytus, dem Fluss der Klagen, wachsen. Als Baum der Unterwelt finden wir sie auf vielen Friedh&#246;fen. In der Bretagne hei&#223;t es, dass es auf einem Friedhof jeweils nur einen einzigen Eibenbaum geben d&#252;rfe, weil dieser seine Wurzeln in die M&#252;nder der Toten senke. Andererseits stehen Eiben nicht nur f&#252;r den Tod, sondern auch f&#252;r dessen &#220;berwindung, nicht zuletzt weil sie immergr&#252;n sind. In der irischen Sage von Naoise und Deirdre wachsen aus den Pfl&#246;cken, die in die Leichen der beiden Liebenden geschlagen wurden, zwei Eiben, deren Zweige sich miteinander verbinden und so den Sieg der Liebe &#252;ber den Tod symbolisieren.</p>
<div id="attachment_229" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-229" title="Hohle Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/hohle_eibe-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>An dieser Stelle sei auch erw&#228;hnt, dass manche glauben, Yggdrasil, der Weltenbaum der Germanen, sei gar keine Esche, sondern eine Eibe, da diese als immergr&#252;ner Baum viel besser geeignet sei, die neun Welten zu verbinden. Bemerkenswert ist, dass Yggdrasil so viel wie &#8220;das Pferd des Schrecklichen&#8221; bedeutet, wobei der Schreckliche niemand geringerer sein wird als Odin selbst, der h&#246;chste aller G&#246;tter. Wenn damit der Baum selbst gemeint ist, dann k&#246;nnte er auch als ein &#8220;Reisebaum&#8221; betrachtet werden &#8211; ein Baum, auf dessen &#8220;R&#252;cken&#8221; wir in andere Welten reisen k&#246;nnen. Dies k&#246;nnte ein Hinweis auf die psychoaktiven Wirkstoffe der Eibe sein: Besonders an warmem Tagen d&#252;nsten Eiben Pseudoalkaloide aus, so dass viele Menschen schon nach wenigen Minuten eine Mundtrockenheit, Entspannung und W&#228;rme empfinden, eine typische Alkaloidwirkung. Andere berichten &#252;ber Beklommenheit, Kopfschmerzen und Kreislaufst&#246;rungen, die sich nach einem mehrst&#252;ndigen Aufenthalt unter der Eibe einstellen. Auch rauschartige, euphorische Zust&#228;nde bis hin zu Trance k&#246;nnen eintreten.Hielten deshalb die Druiden unter Eiben Rat, weil sie die bewusstseinserweiternde Wirkung dieses Baumes nutzten?</p>
<p>Wie dem auch sei. Alles Wissen um die Mythologie der Eibe reicht nicht aus, um zu beschreiben, was wir erleben, wenn wir uns auf die Kraft des Eibenwaldes einlassen. Bei einem Besuch im Paterzeller Eibenwald, am besten fr&#252;h am Morgen oder in den Abenstunden, mag jeder sich seinen eigenen Eindruck verschaffen. Die Begegnung mit diesen Baumgeistern ist in jeden Fall etwas ganz Besonderes. In ihrem Schatten herrscht eine d&#252;stere Atmosph&#228;re, die Ehrfurcht einfl&#246;&#223;t &#8211; kein Baum, unter dessen sch&#252;tzenden Dach ich ein Picknick machen w&#252;rde. Jeder Baum ist ein Individuum, keine Begegnung gleicht der anderen. Wie Gespenster oder Wesen aus einer anderen Welt strecken sie uns ihre &#196;ste entgegen, manchmal einladend, &#246;fters aber warnend. Wer sich von der Eibe ber&#252;hren l&#228;sst, der muss bereit sein, ihre starke Kraft der Wandlung zuzulassen. Dann aber ist die Eibe wie ein Kanal, der uns vo Altlasten befreien kann &#8211; wenn wir bereit sind, sie wirklich loszulassen, um einen Neubeginn zu wagen. Eiben ver&#228;ndern uns, mehr noch, sie verwandeln uns. Wer dies nicht ertragen will, der sollte sich nicht zu lange ihrem Einfluss aussetzen &#8230;</p>
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		<title>In den Schwarzen Bergen auf R&#252;gen</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jul 2008 20:44:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der N&#228;he von Ralswiek auf der Insel R&#252;gen befindet sich ein dicht bewaldetes, h&#252;geliges Gel&#228;nde, das &#8220;Schwarze Berge&#8221; genannt wird. Dieser Name r&#252;hrt wohl von dem Umstand her, dass sich hier in fr&#252;hen Zeiten Begr&#228;bnisst&#228;tten befanden, vielleicht weil hier die Toten verbrannt wurden oder weil diese St&#228;tten zugleich der dunklen G&#246;ttin Hel geweiht waren, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_142" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><img class="size-medium wp-image-142" title="schwarze_berge_ruegen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/schwarze_berge_ruegen-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="180" height="240" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>In der N&#228;he von Ralswiek auf der Insel R&#252;gen befindet sich ein dicht bewaldetes, h&#252;geliges Gel&#228;nde, das &#8220;Schwarze Berge&#8221; genannt wird. Dieser Name r&#252;hrt wohl von dem Umstand her, dass sich hier in fr&#252;hen Zeiten Begr&#228;bnisst&#228;tten befanden, vielleicht weil hier die Toten verbrannt wurden oder weil diese St&#228;tten zugleich der dunklen G&#246;ttin Hel geweiht waren, der Herrin der Unterwelt, aus deren Namen sp&#228;ter die christliche H&#246;lle wurde. Tats&#228;chlich befinden sich hier etwa vierhundert, bis zu zwei Meter hohe H&#252;gelgr&#228;ber. Fr&#252;her muss diese Gegend waldlos gewesen sein, ein Gr&#228;berfeld und eine heilige St&#228;tte zugleich.<span id="more-138"></span></p>
<p>Ausgrabungen legen Zeugnis ab von den Bestattungssitten des 10./11. Jahrhunderts, zu einer Zeit also, in der Ralswiek ein bedeutendes Handelszentrum auf der Insel war. Offensichtlich wurden die Leichname von Frauen, Kindern und M&#228;nnern in nahe gelegenen Scheiterhaufen verbrannt und dann die Asche in Keramikgef&#228;&#223;en beigesetzt, zusammen mit ebenfalls verbrannten Beigaben wie Lebensmitteln, welche die Toten auf ihrer Reise in die Unterwelt begleiten sollten. Ein Grab auf dem n&#246;rdlichen Ausl&#228;ufer des Gr&#228;berfeldes enthielt keine verbrannten Leichen, sondern vermutlich in Holzs&#228;rgen bestattete K&#246;rper. In einem anderen fand man eine gro&#223;e Anzahl von Nieten und N&#228;geln, was den Schluss zul&#228;sst, dass hier seet&#252;chtige Boote w&#228;hrend einer Bestattungzeremonie verbrannt wurden.</p>
<div id="attachment_204" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-204" title="Schwarze Berge auf R&#252;gen - Blick auf den Gro&#223;en Jasmunder Bodden" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/schwarze_berge_02-300x225.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Schwarze Berge &#8211; ich betrete das Land der dunklen Hel. Und tats&#228;chlich &#8211; die Insel der wei&#223;en Kreidefelsen zeigt hier ein anderes Gesicht, ein dunkles und geheimnisvolles. Der dichte Wald umschlie&#223;t mich bald und die Wege, die ich gehe, verlieren sich an vielen Stellen im Unterholz, f&#252;hren &#252;ber kleine Lichtungen und verschwinden unter abgebrochenem Holz, um dann an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Mehrmals habe ich den Eindruck, mich zu verirren, um dann doch wieder das Wasser des Gro&#223;en Jasmunder Bodden zwischen den B&#228;umen schimmern zu sehen. Immer wieder n&#228;here ich mich der steil abfallenden B&#246;schung und blicke auf die Bucht. Doch es ist wie ein Blick aus weiter Ferne &#8211; hier in den Schwarzen Bergen schaue ich aus einer anderen Welt in die Welt des Allt&#228;glichen hin&#252;ber. Dann lasse ich mich einfach treiben und h&#246;re auf, mich orientieren zu wollen. Ich folge den Sonnenstrahlen, die durch das Laub fallen, einem Rascheln im Gras, der Spur einer Ameisenstra&#223;e &#8211; oder einfach nur dem Gef&#252;hl. Es ist unheimlich und heimlich zugleich, wie mich hier die Natur umgibt, aber es ist mehr als nur die Gegenwart der B&#228;ume und des Lebens hier im Wald. Es ist die Pr&#228;senz einer sch&#252;tzenden, aber auch gewaltigen Macht, die ich hier sp&#252;re. Ein Kraft, die mich h&#228;lt und zugleich immer wieder erschauern l&#228;sst. Manchmal blicke ich mich um, f&#252;hle mich beobachtet &#8211; war da nicht ein Schatten zwischen den Baumst&#228;mmen? H&#246;rte ich nicht ein Raunen? Doch dann wieder f&#252;hle ich mich gesch&#252;tzt und geborgen wie selten &#8211; ein Wechselbad der Eindr&#252;cke.</p>
<div id="attachment_193" class="wp-caption alignleft" style="width: 256px"><img class="size-medium wp-image-193" title="Die G&#246;ttin Hel" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/hel_goettin.jpg" alt="K&#252;nstler: Johannes Gehrts " width="246" height="407" /><p class="wp-caption-text">nach Johannes Gehrts</p></div>
<p>Ich bin sicher, dass ich so manches H&#252;gelgrab gestreift habe, aber entdeckt habe ich keines. Um ehrlich zu sein: ich habe auch aufgeh&#246;rt, danach zu suchen. Kaum ein Ort der Kraft hat mich so sehr beeindruckt wie dieser. Das Numinose, die Anwesenheit des gestaltlosen G&#246;ttlichen steht im Zentrum dieser Erfahrung.</p>
<p>Hel &#8211; die Herrin der Schwarzen Berge &#8211; ist ein unheimliche G&#246;ttin und ihr Helheim, ihr Reich, ein unwirtlicher Ort, so berichten es die Mythen. Doch was ich hier erlebe ist weit davon entfernt, die &#8220;H&#246;lle&#8221; zu sein, zu dem in der christlichen Version das Reich der Hel wurde. Hier f&#252;hle ich mich eher versetzt in das Reich der Holle, der Frau Hulda &#8211; ein weiteres Gesicht der Hel, das uns die M&#228;rchen &#252;berliefern. Auch sie berichten von einer unheimlichen Frau &#8220;mit gro&#223;en Z&#228;hnen&#8221;, und doch ist sie voller G&#252;te und Gerechtigkeit, kein Ungeheuer, sondern eine Macht, die &#252;ber Leben und Tod herrscht, &#252;ber das Werden und Vergehen der Jahreszeiten, &#252;ber Sommer und Winter, &#252;ber Geburt und Tod. Sie ist die Spinnerin, die den Faden des Lebens spinnt &#8211; und ihn wieder abschneidet. Ihr Reich ist die Anderswelt, und dieses Reich kann sehr dunkel sein und abwesend sein, doch nur f&#252;r diejenigen, die das Licht h&#246;her sch&#228;tzen als das Dunkle. Dabei ist Licht ohne Schatten genauso tot wie totale Finsternis. Das Schattige, Zwielichtige ist es, das Leben kennzeichnet, die Graut&#246;ne, das Vielschichtige, Uneindeutige.</p>
<p>Haben Sie schon einmal einen Gegenstand betrachtet, der von allen Seiten voll ausgeleuchtet wird, der gewisserma&#223;en keine Schatten auf seiner Oberfl&#228;che tr&#228;gt? Er wirkt leblos. Erst wenn der Schatten bringt das Leben. Und genau hier in den Schwarzen Bergen begegne ich dem Schatten des Lebendigen, dem notwendigen Dunklen, das das Licht erst erstrahlen l&#228;sst. Leben und Sterben sind hier verwoben zu einer unaufl&#246;slichen Textur.</p>
<p>Ich verstehe, warum die Menschen dieser Erfahrung so viel Ehre und so viel Furcht entgegenbrachten. Die Schwarzen Berge sind kein Wohlf&#252;hlkraftort. Sie betonen die dunkle Seite des Lebens, eine Seite, die wir vielleicht nur mit Unbehagen wahrnehmen, weil sie im Alltag kaum eine Rolle spielen. Doch hier in der Anderswelt der Heil ist der Schatten wirklicher als das Licht &#8211; und lebendiger.</p>
<p>Irgendwann stolpere ich f&#246;rmlich aus dem Wald heraus &#8211; die Schwarzen Berge spucken mich aus. Nachdenklich kehre ich zur&#252;ck, aber ich folge dabei lieber dem Weg parallel zur Bundesstra&#223;e. In mir aber hat sich eine dunkle Seite aufgetan &#8211; und diese f&#252;hlt sich ungew&#246;hnlich lebendig an.</p>
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		<title>Die Heilige L&#252;fthildis zu L&#252;ftelberg</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 21:36:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viel wissen wir nicht &#252;ber diese Lokalheilige am Rande der Eifel. Die fromme Frau soll im 9. Jahrhundert in Berge im Kottenforst nahe Bonn gelebt haben. Eingedenk des Wirkens der Heiligen wurde dieser Ort in L&#252;ftelberg umbenannt und ist auch heute noch unter diesem Namen etwa 2,5 Kilometer nordwestlich von Meckenheim zu finden. Die fr&#252;hesten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_175" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-175" title="lueftelberg_petruskirche_01" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/lueftelberg_petruskirche_01-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Viel wissen wir nicht &#252;ber diese Lokalheilige am Rande der Eifel. Die fromme Frau soll im 9. Jahrhundert in Berge im Kottenforst nahe Bonn gelebt haben. Eingedenk des Wirkens der Heiligen wurde dieser Ort in L&#252;ftelberg umbenannt und ist auch heute noch unter diesem Namen etwa 2,5 Kilometer nordwestlich von Meckenheim zu finden. Die fr&#252;hesten Aufzeichnungen &#252;ber ihr Wirken sind uns allerdings erst aus dem 12. Jahrhundert &#252;berliefert und erst im 17. Jahrhundert wurde ihre Vita aufgezeichnet.<span id="more-173"></span></p>
<p>Darin wird die Geschichte der Tochter des wohlhabenden Burgherren von Berge erz&#228;hlt, die sich durch ihre besondere Fr&#246;mmigkeit auszeichnete. Sie half den Armen und Kranken von Jugend an und scheute sich nicht, trotz ihrer vornehmen Herkunft, sich um diejenigen zu k&#252;mmern, die es nicht so gut getroffen hatten wie sie selbst. Wie es das Schicksal so wollte, verstarb ihre Mutter – und ihr Vater nahm sich eine neue Frau. Ihre Stiefmutter aber hatte ein b&#246;ses Herz und wie im M&#228;rchen von Aschenputtel lie&#223; sie keine Gelegenheit aus, um die Gute zu dem&#252;tigen: L&#252;fthildis musste niedere Arbeiten verrichten und fand keine Ruhe vor der Niedertracht der neuen Burgherrin. Diese wurde auch nicht m&#252;de, sich immer neue Gemeinheiten auszudenken und schw&#228;rzte schlie&#223;lich L&#252;fthildis ihrem Vater gegen&#252;ber an, durch ihre Wohlt&#228;tigkeit das Hab und Gut der Familie zu verschleudern.</p>
<p>L&#252;fthildis Vater war sich unsicher, wem er glauben schenken sollte, und beschloss der Sache selbst nachzugehen. Als seiner Tochter wieder einmal Laiber von Brot in ihre Sch&#252;rze packte, um sie an die Armen zu verschenken, lauerte er ihr auf und stellte sie zur Rede. In diesem Augenblick geschah das Wunder: die Brote in ihrer Sch&#252;rze verwandelten sich Kohlen – und L&#252;fthildis konnte keine Verschwendung nachgewiesen werden.</p>
<p>Die b&#246;se Stiefmutter aber &#228;rgerte sich &#252;ber die Ma&#223;en, dass L&#252;fthildis davon gekommen war und sann auf Rache. Sie lie&#223; den B&#228;cker kommen, bei dem das M&#228;dchen sich das Brot holte, und befahl ihm bei seinem Leben das n&#228;chste Mal gl&#252;hende Kohlen in die Sch&#252;rze zu kippen. Voller Furcht tat der B&#228;cker wie ihm gehei&#223;en – doch wieder geschah ein Wunder: diesmal verwandelten sich die Kohlen in Brot, und L&#252;fthildis geschah kein Leid.</p>
<div id="attachment_176" class="wp-caption alignleft" style="width: 212px"><img class="size-medium wp-image-176" title="Die Heilige L&#252;fthildis" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/luefteldis" alt="Quelle: Magdalene Frank" width="202" height="307" /><p class="wp-caption-text">Quelle: Magdalene Frank</p></div>
<p>Die Heilige L&#252;fthildis tr&#228;gt eine silberne Spindel in der Hand, manchmal auch einen Ginsterzweig – ein f&#252;r Eifel typisches Gew&#228;chs. Mit dieser Spindel vollbrachte sie allerlei Wunder: so soll sie einen Grenzstreit zwischen ihrem Vater und dem Nachbarn aus der Gemeinde R&#246;ttgen dadurch geschlichtet haben, dass sie mit besagter Spindel die Grenze zog, die sich hinter ihr in einen tiefen Graben verwandelt hat, der noch heute im Kottenforst zu sehen ist. Ein andermal heilte sie mit der Spindel Karl den Gro&#223;en, der auf der unweit gelegenen Burg M&#252;nchhausen krank danieder lag. Da keine &#196;rzte ihn zu retten vermochten, eilte man auf Gehei&#223; des Kaisers, um die wundert&#228;tige Heilige zu holen. Zwei Ritter fanden L&#252;fthildis am Spinnrad arbeitend, wo sie gerade f&#252;r die Armen Kleider spann. Ohne Zeit zu verlieren, lie&#223; sie sich ans Bett des Kranken bringen – die Spindel noch in der Hand. Da ert&#246;nte eine Stimme aus dem Himmel, die ihr befahl, den Kaiser mit der Spindel zu ber&#252;hren. Kaum hatte sie dies getan, war derselbe auch schon wieder gesund.</p>
<p>Sp&#228;ter hat sich L&#252;fthildis als Einsiedlerin zur&#252;ckgezogen. Kurz vor ihrem Tod verschenkte sie all ihr Hab und Gut an die Bed&#252;rftigen – mit Ausnahme der wundert&#228;tigen Spindel, mit der sie beerdigt wurde. Noch heute ist ihr Grab zu besichtigen in der Kirche St. Peter zu L&#252;ftelberg und wird auf Wallfahrten besucht.</p>
<p>Die Geschichte der L&#252;fthildis tr&#228;gt viele m&#228;rchenhafte Z&#252;ge. Wer denkt nicht bei der Spindel an Frau Holle oder an Dornr&#246;schen? Auch der Konflikt zwischen b&#246;ser Stiefmutter und gedem&#252;tigter Tochter ist aus M&#228;rchen wie Aschenputtel und Frau Holle bekannt. Tats&#228;chlich ist die Spindel ein bekanntes Attribut der Frau Holle in ihrer Gestalt als Spinnstubenfrau. So wird berichtet, dass sie regelm&#228;&#223;ig Spinnerinnen bei ihrer Arbeit pr&#252;ft und sie im Zweifelsfalle f&#252;r Schlampigkeit und Nachl&#228;ssigkeit bei der Arbeit zur Rechenschaft zieht – ganz wie die Frau Holle aus dem bekannten Grimm&#8217;schen M&#228;rchen. Ihre Erscheinung ist jedoch vielf&#228;ltiger als das aus dieser Erz&#228;hlung bekannte M&#252;tterchen:</p>
<p>Sie taucht als verschleiertes Geisterwesen in einem langen wei&#223;en Gewand ebenso auf wie als eine auf einem Stein sitzende Fee, die zauberhaft singt und ihre goldenen Haare k&#228;mmt. Frau Holle reitet au&#223;erdem auf einem edlen Pferd oder reist auf ihrem Wagen &#252;ber den Himmel. Dann st&#252;rmt sie wieder in wilder Jagd &#252;ber Berg und Tal und ihr wildes Geschrei erf&#252;llt die L&#252;fte und versetzt Mensch und Tier in Schrecken. Als kleinem buckligen M&#252;tterchen mit grauen Haaren, gl&#252;henden Augen und feurigem Mund mit langen Z&#228;hnen kann man ihr begegnen, und wer sich nicht vorsieht, dem springt sie auf den R&#252;cken und l&#228;sst sich bis zur Ersch&#246;pfung herumtragen. In vielen Gegenden des deutschsprachigen Raumes ist sie bekannt – nicht nur als Frau Holle, sondern auch als „Frau Percht“, „Berchta“ oder „Bertha“ im s&#252;dlichen Deutschland und im Norden als „Frau Gode“,  „Frau Herke“ oder „Frau Frecke“.</p>
<p>Hinter der Gestalt der Frau Holle, der „holden Frau“, wird gerne die germanische G&#246;ttin Freya vermutet, die wiederum mit der lateinischen Venus verwandt ist. Sie ist die „herrlichste aller Asinnen“ &#8211; die Asen sind in der nordischen Mythologie ein G&#246;ttergeschlecht – und wird gerne in Liebesdingen angerufen. Ber&#252;hmt ist sie f&#252;r ihre magischen Kr&#228;ften – kurz: sie ist eine strahlende Erscheinung.</p>
<p>Umso interessanter ist es an dieser Stelle den auf den ersten Blick doch recht eigenartigen Namen „L&#252;fthildis“ genauer unter die Lupe zu nehmen, der auch in Varianten wie Luchteld, Leuchteldies, Luthild und Linthildis &#252;berliefert wird. Der zweite Teil des Namens „-hild“, der aus vielen deutschen Namen bekannt ist wie Brunhild, Hilde, Mechthild usw., leitet sich ab vom althochdeutschen „hilta“ und bedeutet so viel wie „K&#228;mpferin“. Der erste Teil des Namens ist hingegen nicht ganz eindeutig: so k&#246;nnte es sich um eine Ableitung des althochdeutschen „liuti“ f&#252;r „Leute, Volk“ handeln. Demnach w&#228;re L&#252;fthildis eine „K&#228;mpferin des Volkes“ gewesen. M&#246;glicherweise, und dies erscheint mir passender, leitet es sich von althochdeutsch „liohta“ ab: „Licht, hell, klar“ &#8211; L&#252;fthildis, die „leuchtende K&#228;mpferin“.</p>
<p>Haben wir es in der Heiligen L&#252;fthild mit einer christianisierten Version der Frau Holle alias Freya zu tun? Denkbar w&#228;re es. Die Spindel, der Name – alles dies k&#246;nnte auf einen solchen Hintergrund verweisen. Zumindest k&#246;nnen wir annehmen, dass in der Verehrung der Heiligen und ihren Wundertaten sich die Mythologie der „holden Frau“ &#252;berliefert hat.</p>
<p>Aus dieser Perspektive wird die Spindel zu einem Instrument, dass in der Mythologie vieler Kulturen einen besonderen Stellenwert einnimmt: als Spindel, auf den der Lebensfaden gespannt ist. Es sind die Moiren in der griechischen Mythologie und eben Frau Holle in der germanischen, die als Herrinnen des Lebensfadens auch die G&#246;ttinnen &#252;ber Leben und Tod sind.</p>
<div id="attachment_177" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-177" title="Thuje an der Petruskirche in L&#252;ftelberg" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/lueftelberg_petruskirche_02-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Dies f&#252;hrt mich zur alten Peterskirche in L&#252;ftelberg zur&#252;ck. Auf der S&#252;dseite der Kirche entdecken wir eine stattlich gewachsene alte Thuje, auch Lebensbaum genannt. Auch wenn dieser Baum nicht zu den traditionellen einheimischen Geh&#246;lzen geh&#246;rt, hat er  doch in unseren Breiten seit dem 16. Jahrhundert seine Verbreitung gefunden, insbesondere als Heckenpflanzen treffen wir ihn sehr h&#228;ufig an. Diese in Form gebrachte Variante l&#228;sst kaum vermuten, dass dieser Baum eine solche H&#246;he erreichen kann: hier wird erst sichtbar, was f&#252;r ein wunderbares, gerade gewachsenes und festes Holz die Thuje besitzt. „Lebensbaum“ &#8211; wohl wegen seinen immergr&#252;nen Nadeln wird die Thuje so genannt: sie stammt aus der Familie der Zypressen, woran ihre hohe, schlanke Gestalt erinnert. Insofern steht sie wohl auch von der Symbolik her in der Tradition dieses mediterranen Nadelbaumes. Wie ein Zeigefinger erhebt sie sich gen Himmel, verbindet ihn mit der Erde. So wurde die Thuje auch zum Friedhofsbaum, denn sie erinnert an die Heimkehr der Seele in den Himmel und durch ihr immergr&#252;nes Kleid an das ewige Leben. Der Lebensbaum ist also eigentlich ein Todesbaum, der den chthonischen Gottheiten geweiht ist, allen voran Pluto, dem Gott der Unterwelt. Und erinnert nicht ihre Gestalt ein wenig an eine Spindel?</p>
<p>Wenn wir um die Kirche herum gehen, treffen wir auf einen weiteren Baum – am nordwestlichen Eck der Kirche steht eine Linde. Wenn die Thuje den Tod und das ewige Leben verk&#246;rpert, dann steht die Linde f&#252;r das Leben im Hier und Jetzt. Ihre herzf&#246;rmigen Bl&#228;tter, ihr sanftes Gr&#252;n und ihr freundlicher Ausdruck machten die Linde zu einem der beliebtesten B&#228;ume in unseren Landen und wir finden sie immer wieder an exponierter Stelle als Dorflinde, Gerichtslinde, Tanzlinde – ein Ort der Begegnung also, des Ausgleichs und der Freude. Die Linde ist der G&#246;ttin Freya heilig – und damit schlie&#223;t sich der Kreis um die alte Peterskirche in L&#252;ftelberg: Leben und Tod, Diesseits und Jenseits bilden die Pole, in denen dieser Ort der Kraft gebettet ist.</p>
<p>Wer die Kirche wenigstens einmal umwandert und dabei sowohl an der Thuje als auch an der Linde kurz inneh&#228;lt, bevor er in die Seitenkapelle selbst eintritt, um das Grab der Heiligen L&#252;fthild mit seiner schlichten, sch&#246;nen Grabplatte aus Kalksinter, einst Teil der von den R&#246;mern erbauten Wasserleitung nach K&#246;ln, zu besuchen, tankt von den Kr&#228;ften des Werdens und Vergehens – eine wundervolle Weise sich vorzubereiten.</p>
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