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	<title>Mystische Orte &#187; Unterwelt</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>Der Eibenwald bei Paterzell</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 13:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Anderswelt]]></category>
		<category><![CDATA[Baum]]></category>
		<category><![CDATA[Eibe]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
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		<category><![CDATA[Unterwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.
Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_223" class="wp-caption alignleft" style="width: 343px"><img class="size-full wp-image-223" title="Im Eibenwald" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/im_eibenwald.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="333" height="222" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Irgendwo im Pfaffenwinkel ganz in der N&#228;he des beschaulichen Ortes Paterzell finden wir ein einzigartiges St&#252;ck Natur: einen Wald aus Eiben. Zwischen Buchen, Fichten und Tannen, die ihre Kronen in schwindelerregende H&#246;hen strecken, wachsen &#252;ber 2000 alte Eiben &#8211; so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.<span id="more-217"></span></p>
<p>Die Eibe ist ein seltsamer Baum und die &#228;lteste heimische Baumart. In Europa gibt es sie schon seit 600.000 Jahren und steht heute unter Naturschutz. Sie ist der einzige heimische Giftbaum und liebt es, im Schatten der anderen B&#228;ume zu gedeihen. Sie braucht kaum Licht und w&#228;chst sehr langsam und nicht sehr hoch (15, manchmal auch bis 18 Meter), doch kann sie daf&#252;r &#228;lter werden als alle &#252;brigen heimischen B&#228;ume.</p>
<div id="attachment_224" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-224" title="Arillus - die Frucht der Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenfrucht-200x300.jpg" alt="Foto: Christoher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Sie ist ein in vieler Hinsicht besonderer und merkw&#252;rdiger Baum, denn sie ist auf der einen Seite ein Nadelgeh&#246;lz, auf der anderen Seite bildet sie keine Samenzapfen wie die Fichte oder die Tanne, sondern als einzige Art rote Beeren, die in Wirklichkeit &#8220;Scheinbeeren&#8221; (Arillus) sind, bei denen das korallrote Fleisch des Fruchtbechers einen Samenkern umh&#252;llt. W&#228;hrend die weiblichen Eiben im Sp&#228;tsommer und Herbst diese Fr&#252;chte tragen, verbreiten die m&#228;nnlichen Eiben aus ihren Bl&#252;ten im Fr&#252;hling einen nebelartigen Staub.</p>
<p>Auff&#228;llig auch die oft gewundene, wulstige, tief gefurchte Gestalt des Stammes, in dessen Formen wir nicht selten eigenartige Wesen und Gesichter zu erkennen glauben. Die Eibe scheint keine Symmetrie zu verfolgen in ihrem Wuchs, sondern immer wieder vereinen sich &#196;ste mit dem Stamm, umwinden diesen, verbinden sich zu einer geschlungenen Ganzen. &#196;ltere B&#228;ume sind hohl und verj&#252;ngen sich, indem sich aus der Krone &#196;ste in den Boden senken und so einen neuen Stamm bilden oder werden von jungem Holz umwallt. Die Eibe scheint sich einem ununterbrochenen Transformationsprozess zu unterwerfen, der es schwer macht ihr wahres Alter zu bestimmen. Ihr Holz hat keine Harzkan&#228;le und eine gelbliche bis tiefrote F&#228;rbung. Besonders an feuchten, regenreichen Tagen leuchtet es unter der abgeschuppten Rinde oft blutrot hervor.</p>
<div id="attachment_225" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-225" title="Eibenholz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibenholz-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Ihr sehr haltbares und elastisches Holz wurde der Eibe schon fr&#252;h zum Verh&#228;ngnis. Ihr Name leitet sich von &#8220;iwa&#8221; ab, gleichzeitig das Wort f&#252;r Bogen und Armbrust. Aus diesem Holz schuf man schon seit der Steinzeit besonders langlebige Waffen. Schon das Bogenholz von &#8220;&#214;zti&#8221;, der in den &#214;tztaler Alpen gefundene mumifizierte Leichnam eines Menschen der fr&#252;hen Steinzeit, war aus diesem begehrten Holz gefertigt. Nicht umsonst findet man sie als langsam wachsende Waffenkammern oft geh&#228;uft rings um Burgen. So kam es, dass Eiben in Oberbayern und anderswo aufgrund der gro&#223;en Nachfrage an Kriegs- und Jagdwaffen um 1600 schon weitgehend ausgerottet waren. &#220;berlebt hat sie zumeist in G&#228;rten, auf Friedh&#246;fen und in Parks. Doch selten sind solche Anblicke wie hier bei Paterzell: ein ganzer Wald voller Eiben. Einige dieser Baumahnen sind wohl bis zu 1000 Jahre alt.</p>
<p>Andere wiederum sagen, das althochdeutsche &#8220;iwa&#8221; h&#228;nge mit dem Wort &#8220;ewa&#8221; f&#252;r Ewigkeit zusammen &#8211; die Eibe, der immergr&#252;ne Baum, der den Tod &#252;berwindet &#8211; und bringt.</p>
<blockquote><p>Die Eibe<br />
schl&#228;gt an die Scheibe.<br />
Ein Funkeln<br />
Im Dunkeln<br />
Wie G&#246;tzenzeit, wie Heidentraum<br />
Blickt ins Fenster der Eibenbaum.<br />
(Theodor Fontane)</p></blockquote>
<div id="attachment_226" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-226" title="Eibengespenst" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eibengespenst-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Von der Giftigkeit der Eibe spricht bereits Julius C&#228;sar. Er berichtet, dass der Eburonenk&#246;nig Catuvolcus sich mit einem Eibentrunk das Leben nahm. Sehr wahrscheinlich hatte der Selbstmord des Keltenf&#252;rsten einen kultischen Hintergrund. Das Gift der Eibe f&#252;hrt zu einem schnellen Herzstillstand, hei&#223;t Taxin und ist st&#228;rker als das des Fingerhuts. Schon eine geringe Dosis der Nadeln kann auf Pferde t&#246;dlich wirken. Auch f&#252;r Menschen ist die Eibe giftig, allerdings m&#252;sste er wenigstens 50 Gramm davon verspeisen. Einzig das rote Fruchtfleisch, welches den ebenfalls giftigen Samenkern umschlie&#223;t, ist ungiftig und schmackhaft. F&#252;r Rehe allerdings ist die Eibe ein wahrer Leckerbissen: Taxin scheint stimulierend auf die Tiere zu wirken, &#228;hnlich wie Tabak auf den Menschen &#8211; ein Problem vor allen Dingen f&#252;r den Nachwuchs der Eiben, der in den &#252;berhegten Rehbest&#228;nden unserer W&#228;lder durch entsprechende Ma&#223;nahmen wie Umz&#228;unungen gesch&#252;tzt werden muss.</p>
<p>Der griechische Arzt Dioskurides (1.Jhdt. n.Chr.) behauptete, wer unter den Eiben Spaniens schliefe, m&#252;sse sterben. Es reiche manchmal schon aus, vom Schatten der Eibe getroffen zu werden um. Hieronymus Bock (1198 &#8211; 1554) warnt in seinem Kr&#228;uterbuch: „<em id="froh515">Jeder der unter einer Eibe einschl&#228;ft ist des Todes.</em>&#8221; Wegen seiner Giftigkeit galt die Eibe auch als der &#8220;verbotene Baum&#8221;.</p>
<blockquote><p>Du starrtest damals schon<br />
So d&#252;ster treu wie heut,<br />
Du, unsrer Liebe Thron<br />
Und W&#228;chter manche Zeit;<br />
Man sagt, dass Schlaf, ein schlimmer,<br />
Dir aus den Nadeln raucht, -<br />
Ach, wacher war ich nimmer,<br />
Als rings von dir umhaucht!</p>
<p>(Annette von Droste-H&#252;lshoff)</p></blockquote>
<div id="attachment_227" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-medium wp-image-227" title="Die Rune Ihwaz" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/rune_ihwaz.png" alt="Quelle: wikipedia" width="150" height="200" /><p class="wp-caption-text">Quelle: wikipedia</p></div>
<p>Es nimmt kaum Wunder, dass dieser geheimnisvolle Baum mit seiner sonderbaren Gestalt auch ein heiliger Baum ist. Die Germanen und Kelten sahen in ihm einen Baum des Todes und der Ewigkeit, ein Begleiter in die Anderswelt. Sie tr&#228;nkten ihre Pfeilspitzen im giftigen Eibensud. Die Druiden, so hei&#223;t es, bevorzugten f&#252;r ihre Zauberst&#228;be das Holz der Eibe. Wahrscheinlich wurde es unter aufwendigen Ritalen geschnitten, vielleicht bei Mondfinsternissen, wie die Hexen in Shakespearses Macbeth dies tun. Der Zauber der Eibe hatte zudem eine bannende Wirkung gegen alles B&#246;se, gegen Hexen und D&#228;monen: &#8220;Vor Eiben kann kein Zauber bleiben&#8221;. B&#246;sartigen Gnomen konnte man beikommen, indem man Eibenzweige vor deren H&#246;hlen streute. Der Eibe hatte im angels&#228;chsischen Raum eine eigene Rune: &#8220;Ihwaz&#8221;. Diese Zauberrune sollte Krankheit und Unheil abwenden.</p>
<p>Die Eiben s&#228;umen den Scheideweg zwischen Leben und Tod:</p>
<blockquote><p>Est via declivis funesta nubila taxo<br />
ducit ad infernas per muta silentia sedes.</p>
<p>Abw&#228;rts senkt sich der Weg,<br />
von trauernden Eiben umd&#252;stert,<br />
F&#252;hrt er durch Schweigen stumm<br />
zu den unterirdischen Sitzen.</p>
<p>(Ovid, Metamorphosen IV, 432)</p></blockquote>
<div id="attachment_228" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-228" title="Ein Eiben-Ungeheuer" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/eiben_ungeheuer-300x200.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Eine gewaltige Eibe soll auch an den Ufern des Unterweltflusses Kokytus, dem Fluss der Klagen, wachsen. Als Baum der Unterwelt finden wir sie auf vielen Friedh&#246;fen. In der Bretagne hei&#223;t es, dass es auf einem Friedhof jeweils nur einen einzigen Eibenbaum geben d&#252;rfe, weil dieser seine Wurzeln in die M&#252;nder der Toten senke. Andererseits stehen Eiben nicht nur f&#252;r den Tod, sondern auch f&#252;r dessen &#220;berwindung, nicht zuletzt weil sie immergr&#252;n sind. In der irischen Sage von Naoise und Deirdre wachsen aus den Pfl&#246;cken, die in die Leichen der beiden Liebenden geschlagen wurden, zwei Eiben, deren Zweige sich miteinander verbinden und so den Sieg der Liebe &#252;ber den Tod symbolisieren.</p>
<div id="attachment_229" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-229" title="Hohle Eibe" src="http://mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/08/hohle_eibe-200x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>An dieser Stelle sei auch erw&#228;hnt, dass manche glauben, Yggdrasil, der Weltenbaum der Germanen, sei gar keine Esche, sondern eine Eibe, da diese als immergr&#252;ner Baum viel besser geeignet sei, die neun Welten zu verbinden. Bemerkenswert ist, dass Yggdrasil so viel wie &#8220;das Pferd des Schrecklichen&#8221; bedeutet, wobei der Schreckliche niemand geringerer sein wird als Odin selbst, der h&#246;chste aller G&#246;tter. Wenn damit der Baum selbst gemeint ist, dann k&#246;nnte er auch als ein &#8220;Reisebaum&#8221; betrachtet werden &#8211; ein Baum, auf dessen &#8220;R&#252;cken&#8221; wir in andere Welten reisen k&#246;nnen. Dies k&#246;nnte ein Hinweis auf die psychoaktiven Wirkstoffe der Eibe sein: Besonders an warmem Tagen d&#252;nsten Eiben Pseudoalkaloide aus, so dass viele Menschen schon nach wenigen Minuten eine Mundtrockenheit, Entspannung und W&#228;rme empfinden, eine typische Alkaloidwirkung. Andere berichten &#252;ber Beklommenheit, Kopfschmerzen und Kreislaufst&#246;rungen, die sich nach einem mehrst&#252;ndigen Aufenthalt unter der Eibe einstellen. Auch rauschartige, euphorische Zust&#228;nde bis hin zu Trance k&#246;nnen eintreten.Hielten deshalb die Druiden unter Eiben Rat, weil sie die bewusstseinserweiternde Wirkung dieses Baumes nutzten?</p>
<p>Wie dem auch sei. Alles Wissen um die Mythologie der Eibe reicht nicht aus, um zu beschreiben, was wir erleben, wenn wir uns auf die Kraft des Eibenwaldes einlassen. Bei einem Besuch im Paterzeller Eibenwald, am besten fr&#252;h am Morgen oder in den Abenstunden, mag jeder sich seinen eigenen Eindruck verschaffen. Die Begegnung mit diesen Baumgeistern ist in jeden Fall etwas ganz Besonderes. In ihrem Schatten herrscht eine d&#252;stere Atmosph&#228;re, die Ehrfurcht einfl&#246;&#223;t &#8211; kein Baum, unter dessen sch&#252;tzenden Dach ich ein Picknick machen w&#252;rde. Jeder Baum ist ein Individuum, keine Begegnung gleicht der anderen. Wie Gespenster oder Wesen aus einer anderen Welt strecken sie uns ihre &#196;ste entgegen, manchmal einladend, &#246;fters aber warnend. Wer sich von der Eibe ber&#252;hren l&#228;sst, der muss bereit sein, ihre starke Kraft der Wandlung zuzulassen. Dann aber ist die Eibe wie ein Kanal, der uns vo Altlasten befreien kann &#8211; wenn wir bereit sind, sie wirklich loszulassen, um einen Neubeginn zu wagen. Eiben ver&#228;ndern uns, mehr noch, sie verwandeln uns. Wer dies nicht ertragen will, der sollte sich nicht zu lange ihrem Einfluss aussetzen &#8230;</p>
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		<title>In den Schwarzen Bergen auf R&#252;gen</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jul 2008 20:44:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mecklenburg-Vorpommern]]></category>
		<category><![CDATA[Frau Holle]]></category>
		<category><![CDATA[Hel]]></category>
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		<category><![CDATA[Hügelgrab]]></category>
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		<description><![CDATA[In der N&#228;he von Ralswiek auf der Insel R&#252;gen befindet sich ein dicht bewaldetes, h&#252;geliges Gel&#228;nde, das &#8220;Schwarze Berge&#8221; genannt wird. Dieser Name r&#252;hrt wohl von dem Umstand her, dass sich hier in fr&#252;hen Zeiten Begr&#228;bnisst&#228;tten befanden, vielleicht weil hier die Toten verbrannt wurden oder weil diese St&#228;tten zugleich der dunklen G&#246;ttin Hel geweiht waren, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_142" class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><img class="size-medium wp-image-142" title="schwarze_berge_ruegen" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/schwarze_berge_ruegen-225x300.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="180" height="240" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>In der N&#228;he von Ralswiek auf der Insel R&#252;gen befindet sich ein dicht bewaldetes, h&#252;geliges Gel&#228;nde, das &#8220;Schwarze Berge&#8221; genannt wird. Dieser Name r&#252;hrt wohl von dem Umstand her, dass sich hier in fr&#252;hen Zeiten Begr&#228;bnisst&#228;tten befanden, vielleicht weil hier die Toten verbrannt wurden oder weil diese St&#228;tten zugleich der dunklen G&#246;ttin Hel geweiht waren, der Herrin der Unterwelt, aus deren Namen sp&#228;ter die christliche H&#246;lle wurde. Tats&#228;chlich befinden sich hier etwa vierhundert, bis zu zwei Meter hohe H&#252;gelgr&#228;ber. Fr&#252;her muss diese Gegend waldlos gewesen sein, ein Gr&#228;berfeld und eine heilige St&#228;tte zugleich.<span id="more-138"></span></p>
<p>Ausgrabungen legen Zeugnis ab von den Bestattungssitten des 10./11. Jahrhunderts, zu einer Zeit also, in der Ralswiek ein bedeutendes Handelszentrum auf der Insel war. Offensichtlich wurden die Leichname von Frauen, Kindern und M&#228;nnern in nahe gelegenen Scheiterhaufen verbrannt und dann die Asche in Keramikgef&#228;&#223;en beigesetzt, zusammen mit ebenfalls verbrannten Beigaben wie Lebensmitteln, welche die Toten auf ihrer Reise in die Unterwelt begleiten sollten. Ein Grab auf dem n&#246;rdlichen Ausl&#228;ufer des Gr&#228;berfeldes enthielt keine verbrannten Leichen, sondern vermutlich in Holzs&#228;rgen bestattete K&#246;rper. In einem anderen fand man eine gro&#223;e Anzahl von Nieten und N&#228;geln, was den Schluss zul&#228;sst, dass hier seet&#252;chtige Boote w&#228;hrend einer Bestattungzeremonie verbrannt wurden.</p>
<div id="attachment_204" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-204" title="Schwarze Berge auf R&#252;gen - Blick auf den Gro&#223;en Jasmunder Bodden" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/schwarze_berge_02-300x225.jpg" alt="Foto: Christopher Weidner" width="300" height="225" /><p class="wp-caption-text">Foto: Christopher Weidner</p></div>
<p>Schwarze Berge &#8211; ich betrete das Land der dunklen Hel. Und tats&#228;chlich &#8211; die Insel der wei&#223;en Kreidefelsen zeigt hier ein anderes Gesicht, ein dunkles und geheimnisvolles. Der dichte Wald umschlie&#223;t mich bald und die Wege, die ich gehe, verlieren sich an vielen Stellen im Unterholz, f&#252;hren &#252;ber kleine Lichtungen und verschwinden unter abgebrochenem Holz, um dann an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Mehrmals habe ich den Eindruck, mich zu verirren, um dann doch wieder das Wasser des Gro&#223;en Jasmunder Bodden zwischen den B&#228;umen schimmern zu sehen. Immer wieder n&#228;here ich mich der steil abfallenden B&#246;schung und blicke auf die Bucht. Doch es ist wie ein Blick aus weiter Ferne &#8211; hier in den Schwarzen Bergen schaue ich aus einer anderen Welt in die Welt des Allt&#228;glichen hin&#252;ber. Dann lasse ich mich einfach treiben und h&#246;re auf, mich orientieren zu wollen. Ich folge den Sonnenstrahlen, die durch das Laub fallen, einem Rascheln im Gras, der Spur einer Ameisenstra&#223;e &#8211; oder einfach nur dem Gef&#252;hl. Es ist unheimlich und heimlich zugleich, wie mich hier die Natur umgibt, aber es ist mehr als nur die Gegenwart der B&#228;ume und des Lebens hier im Wald. Es ist die Pr&#228;senz einer sch&#252;tzenden, aber auch gewaltigen Macht, die ich hier sp&#252;re. Ein Kraft, die mich h&#228;lt und zugleich immer wieder erschauern l&#228;sst. Manchmal blicke ich mich um, f&#252;hle mich beobachtet &#8211; war da nicht ein Schatten zwischen den Baumst&#228;mmen? H&#246;rte ich nicht ein Raunen? Doch dann wieder f&#252;hle ich mich gesch&#252;tzt und geborgen wie selten &#8211; ein Wechselbad der Eindr&#252;cke.</p>
<div id="attachment_193" class="wp-caption alignleft" style="width: 256px"><img class="size-medium wp-image-193" title="Die G&#246;ttin Hel" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2008/07/hel_goettin.jpg" alt="K&#252;nstler: Johannes Gehrts " width="246" height="407" /><p class="wp-caption-text">nach Johannes Gehrts</p></div>
<p>Ich bin sicher, dass ich so manches H&#252;gelgrab gestreift habe, aber entdeckt habe ich keines. Um ehrlich zu sein: ich habe auch aufgeh&#246;rt, danach zu suchen. Kaum ein Ort der Kraft hat mich so sehr beeindruckt wie dieser. Das Numinose, die Anwesenheit des gestaltlosen G&#246;ttlichen steht im Zentrum dieser Erfahrung.</p>
<p>Hel &#8211; die Herrin der Schwarzen Berge &#8211; ist ein unheimliche G&#246;ttin und ihr Helheim, ihr Reich, ein unwirtlicher Ort, so berichten es die Mythen. Doch was ich hier erlebe ist weit davon entfernt, die &#8220;H&#246;lle&#8221; zu sein, zu dem in der christlichen Version das Reich der Hel wurde. Hier f&#252;hle ich mich eher versetzt in das Reich der Holle, der Frau Hulda &#8211; ein weiteres Gesicht der Hel, das uns die M&#228;rchen &#252;berliefern. Auch sie berichten von einer unheimlichen Frau &#8220;mit gro&#223;en Z&#228;hnen&#8221;, und doch ist sie voller G&#252;te und Gerechtigkeit, kein Ungeheuer, sondern eine Macht, die &#252;ber Leben und Tod herrscht, &#252;ber das Werden und Vergehen der Jahreszeiten, &#252;ber Sommer und Winter, &#252;ber Geburt und Tod. Sie ist die Spinnerin, die den Faden des Lebens spinnt &#8211; und ihn wieder abschneidet. Ihr Reich ist die Anderswelt, und dieses Reich kann sehr dunkel sein und abwesend sein, doch nur f&#252;r diejenigen, die das Licht h&#246;her sch&#228;tzen als das Dunkle. Dabei ist Licht ohne Schatten genauso tot wie totale Finsternis. Das Schattige, Zwielichtige ist es, das Leben kennzeichnet, die Graut&#246;ne, das Vielschichtige, Uneindeutige.</p>
<p>Haben Sie schon einmal einen Gegenstand betrachtet, der von allen Seiten voll ausgeleuchtet wird, der gewisserma&#223;en keine Schatten auf seiner Oberfl&#228;che tr&#228;gt? Er wirkt leblos. Erst wenn der Schatten bringt das Leben. Und genau hier in den Schwarzen Bergen begegne ich dem Schatten des Lebendigen, dem notwendigen Dunklen, das das Licht erst erstrahlen l&#228;sst. Leben und Sterben sind hier verwoben zu einer unaufl&#246;slichen Textur.</p>
<p>Ich verstehe, warum die Menschen dieser Erfahrung so viel Ehre und so viel Furcht entgegenbrachten. Die Schwarzen Berge sind kein Wohlf&#252;hlkraftort. Sie betonen die dunkle Seite des Lebens, eine Seite, die wir vielleicht nur mit Unbehagen wahrnehmen, weil sie im Alltag kaum eine Rolle spielen. Doch hier in der Anderswelt der Heil ist der Schatten wirklicher als das Licht &#8211; und lebendiger.</p>
<p>Irgendwann stolpere ich f&#246;rmlich aus dem Wald heraus &#8211; die Schwarzen Berge spucken mich aus. Nachdenklich kehre ich zur&#252;ck, aber ich folge dabei lieber dem Weg parallel zur Bundesstra&#223;e. In mir aber hat sich eine dunkle Seite aufgetan &#8211; und diese f&#252;hlt sich ungew&#246;hnlich lebendig an.</p>
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