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	<title>Mystische Orte &#187; Zwölf</title>
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	<description>von Christopher A. Weidner</description>
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		<title>Die Tanzlinde zu Effeltrich</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jun 2008 00:40:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CAW</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Freya]]></category>
		<category><![CDATA[Hermes Trismegistos]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Linde]]></category>
		<category><![CDATA[Tanzlinde]]></category>
		<category><![CDATA[Zwölf]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn ich auf die uralte Sommerlinde auf dem Dorfplatz in Effeltrich blicke, kommt mir ein Gedicht des fr&#228;nkisches Dichters Friedrich Schnack (1888 &#8211; 1977) in den Sinn, das, wie mir scheint, nur im Angesicht dieses Baumriesen entstanden sein kann:
Unter deinem m&#228;chtigen Gest&#252;hle
&#252;berf&#228;llt mich ahnungslose K&#252;hle,
Str&#246;mt mich an des Sommers Atemsto&#223;,
Und ich sp&#252;re aus der Bl&#228;tter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_11.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="300" height="150" />Wenn ich auf die uralte Sommerlinde auf dem Dorfplatz in Effeltrich blicke, kommt mir ein Gedicht des fr&#228;nkisches Dichters Friedrich Schnack (1888 &#8211; 1977) in den Sinn, das, wie mir scheint, nur im Angesicht dieses Baumriesen entstanden sein kann:</p>
<blockquote><p>Unter deinem m&#228;chtigen Gest&#252;hle<br />
&#252;berf&#228;llt mich ahnungslose K&#252;hle,<br />
Str&#246;mt mich an des Sommers Atemsto&#223;,<br />
Und ich sp&#252;re aus der Bl&#228;tter Wehen<br />
Fremden Lebens heimliches Geschehen,<br />
Deine Seele gro&#223;.<span id="more-39"></span></p>
<p>Wie sie sich verzweigt im Baume,<br />
Aufw&#228;rts steigt und wirkt im Raume,<br />
&#252;berwindend ihren Erdengrund:<br />
Wie sie schauert, klingt und leuchtet,<br />
Lichtgesalbt und regenangefeuchtet,<br />
Mit dem Himmel schloss sie ihren Bund.</p>
<p>W&#246;lbig wohnen, wunderbare Haube,<br />
Licht und Finsternis in deinem Laube,<br />
Nacht und Tag.<br />
Wenn die Abendsterne blinken,<br />
Wenn die Morgensterne sinken,<br />
Gr&#252;&#223;t sie deines Herzens Schlag.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_2.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="200" height="150" />Auf &#252;ber 800 Jahre sch&#228;tzen manche diese Baumahnin. Andere sind vorsichtiger und geben ihr Alter zwischen 400 und 670 Jahren an. In jedem Falle aber beeindruckt dieser ehrw&#252;rdige Baum durch seine imposante Gestalt: der Stamm misst ca. acht Meter im Umfang, der Baum erreicht eine H&#246;he von 4,5 Metern. Der Umfang der Krone bel???uft sich auf sechzig Meter und die Haupt&#228;ste sind bis zu sieben Meter lang und 90 Zentimeter stark.</p>
<p>Welche Verbindung gibt es zwischen Effeltrich, der &#8220;Apfelreichen&#8221;, und der Linde? In der Apfelzucht wird der Bast ben&#246;tigt zur Veredelung der Sorten &#8211; und eben dieser wird aus den jungen, nach oben strebenden Trieben der Linde gewonnen. Auf diese Weise erhielt die Linde ihre  weit gespannte Kuppelkrone. Doch neben dieser ganz praktischen Bedeutung der Linde f&#252;r den Ort markiert sie &#8211; wie in vielen anderen Ortschaften auch &#8211; den zentralen Versammlungsort, sei es um dort Feste zu feiern und in fr&#252;heren Tagen vor allen Dingen auch um Rat zu halten und Recht zu sprechen. Schon die Germanen hielten bevorzugt unter Linden das Thing ab, eine j&#228;hrliche Zusammenkunft einer Stammes unter der Schirmherrschaft des K&#246;nigs. Dann wurde zu Gericht gesessen, politische Gesch&#228;fte beraten und rituelle Br&#228;uche abgehalten. W&#228;hrend des Things mussten alle Waffenruhe ruhen ??? es galt der so genannte Thingfriede. Manches Urteil wird mit der Schlussformel besiegelt: &#8220;Gegeben unter der Linde.&#8221;</p>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/gerichtslinde.JPG" alt="Gerichtslinde" width="150" height="260" />Nicht nur die Germanen, auch die Slawen und die Kelten verehrten die Linde als heiligen Baum. Er war der G&#246;ttin Freya geweiht, die in vielen ihrer Aspekte mit der lateinischen Venus gleichgesetzt werden kann, der G&#246;ttin der Liebe. Betrachten wir das Blatt einer Linde genauer: gleicht es nicht einem Herzen? Im Zuge der Christianisierung ersetzte die Muttergottes die alte heidnische G&#246;ttin und aus so mancher Freya-Linde wurde eine Marienlinde. Was bleibt: die Linde ist <em>der</em> Baum der Liebe. In ihrem Schatten offenbart  sich ihr Geheimnis in all seinen Spielarten.</p>
<blockquote><p>Mondscheintrunkne Lindenbl&#252;ten,<br />
Sie ergie&#223;en ihre D&#252;fte,<br />
Und von Nachtigallenliedern<br />
Sind erf&#252;llet Laub und L&#252;fte.</p>
<p>Lieblich l&#228;&#223;t es sich, Geliebter,<br />
Unter dieser Linde sitzen,<br />
Wenn die goldnen Mondeslichter<br />
Durch des Baumes Bl&#228;tter blitzen.</p>
<p>Sieh dies Lindenblatt! du wirst es<br />
Wie ein Herz gestaltet finden;<br />
Darum sitzen die Verliebten<br />
Auch am liebsten unter Linden.</p>
<p>Doch du l&#228;chelst, wie verloren<br />
In entfernten Sehnsuchttr&#228;umen -<br />
Sprich, Geliebter, welche W&#252;nsche<br />
Dir im lieben Herzen keimen?</p>
<p>Ach, ich will es dir, Geliebte,<br />
Gern bekennen, ach, ich m&#246;chte,<br />
Da&#223; ein kalter Nordwind pl&#246;tzlich<br />
Wei&#223;es Schneegest&#246;ber br&#228;chte;</p>
<p>Und da&#223; wir, mit Pelz bedecket<br />
Und im buntgeschm&#252;ckten Schlitten,<br />
Schellenklingelnd, peitschenknallend,<br />
&#220;ber Flu&#223; und Fluren glitten.<br />
<em>Heinrich Heine (1797-1856)</em></p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/lindenblatt.JPG" alt="Lindenblatt" width="150" height="194" />Die Kraft der Linde ist die Kraft der Verbindung: in ihrem Schatten begegnen sich die Menschen &#8211; nicht nur um Rat zu halten, sondern auch aus Liebe. So beginnt eines der sch&#246;nsten Minnelieder des Mittelalters, komponiert von Walther von der Vogelweide (170-1230):</p>
<blockquote><p>Under der linden<br />
an der heide,<br />
da unser zweier bette was,<br />
da mugt ir vinden<br />
sch&#246;ne beide<br />
gebrochen bluomen unde gras.<br />
vor dem walde in einem tal,<br />
tandaradei,<br />
sch&#246;ne sanc diu nahtegal.</p></blockquote>
<p><img class="alignright" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/unter_den_linden.JPG" alt="Unter den Linden" width="150" height="209" />Unter der Effeltricher Linde feierte man im 19. Jahrhundert romantische &#8220;Mondscheinn&#228;chte&#8221; mit Musik und Gesang. Aus der ganzen Umgebung kamen die Menschen herbei, um unter den belaubten Armen dieses magischen Baumes einander zu begegnen.&#8221; Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken und tanzen und fr&#246;hlich zu sein, denn die Linde ist uns ein Friede- und Freudenbaum&#8221;, bekennt Martin Luther.</p>
<p>Die Effeltricher Linde ist vielleicht eine so genannte Apostellinde, deren Haupt&#228;ste, zw&#246;lf an der Zahl, k&#252;nstlich in die L&#228;nge gezogen und auf 24 St&#252;tzen getragen werden. Zw&#246;lf Apostel, zw&#246;lf Stunden, zw&#246;lf Monate, zw&#246;lf Tierkreiszeichen &#8211; mit dieser Zahl wird die Verbindung zwischen Himmel und Erde ausgedr&#252;ckt, dreimal Vier: die Zahl Vier steht f&#252;r die Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen, w&#228;hrend die Drei die Zahl des G&#246;ttlichen ist, wie die unz&#228;hligen G&#246;ttertriaden in vielen Kulturen der Welt zeigen. Die Vier ist die Zahl des Raumes, die Drei die Zahl der Zeit, denn sie markiert Anfang, Mitte und Ende eines Zyklus. Ich denke auch an die Pyramiden mit ihren vier aus Dreiecken gebildeten Seiten. Auf diese Weise wird diese Linde zu einem Symbol des gesamten Universums &#8211; in ihr verbinden sich oben und unten. &#8220;Wie oben &#8211; so unten&#8221; &#8211; so lautet der oberste Grundsatz des legend&#228;ren Hermes Trismegistos in seinen Smaragdtafeln:</p>
<blockquote><p>Wahr ist es, ohne L&#252;ge und sicher:<br />
Was oben ist, ist gleich dem, was unten ist,<br />
und was unten ist, ist gleich dem, was oben ist,<br />
f&#228;hig die Wunder des Einen auszuf&#252;hren.</p></blockquote>
<p><img class="alignleft" src="http://www.mystische-orte.de/wp-content/uploads/2007/04/effeltrich_linde_4.JPG" alt="Die Dorflinde in Effeltrich" width="200" height="150" />Diese Linde ist nicht einfach nur ein Baum &#8211; aus ihren Wurzeln steigt die Kraft der Liebe und verteilt sich &#252;ber die Bl&#228;tterkuppel auf alle, die unter ihr verweilen. Wer seinen Fu&#223; unter diesen setzt, betritt heiligen Grund. Bedacht gehe ich im Uhrzeigersinn um die Linde mit ihrem m&#228;chtigen, fast acht Meter im Umfang messenden Stamm. Immer enger lasse ich die Kreise werden, n&#228;here mich ihr in einer Spirale. Je n&#228;her ich dem Mittelpunkt komme, umso st&#228;rker wird die Energie, eine weiche, m&#252;tterliche und freundliche Kraft, die mich von allen Seiten umgibt und mich einh&#252;llt. Fast erscheint es mir, als sei ich in ein helles, goldenes Licht getaucht, das aus den zweigen &#252;ber mir auf mich herabregnet. Die Kraft w&#228;chst sanft und bald kann ich mit ausgestreckten Armen die furchige Rinde ber&#252;hren. Ich halte inne, sp&#252;re dem Kreislauf nach, dessen Teil ich geworden bin: aus der Tiefe der Erde &#252;ber die Bl&#228;tterkuppel wieder hinab &#8211; es str&#246;mt auf und ab, und durch mich hindurch. Zwischen Himmel und Erde, oben und unten werde auch zu einem Kanal und erlebe ein eigenartiges Empfinden von Grenzenlosigkeit, von vollst&#228;ndiger Verbundenheit von allem zu allem.</p>
<p>Langsam l&#246;se ich mich aus diesem Zustand und verlasse die Runde. In mir kreisen Gedanken:</p>
<p><em>Was h&#228;lt mich hier zwischen Himmel und Erde? Nach welcher Art der Verbundenheit mit der Welt sehne ich mich? In welchen Bereichen meines Lebens fehlt mir dieses Gef&#252;hl &#8211; eingebunden zu sein, dazu zu geh&#246;ren? Wem w?&#252;rde ich jetzt und hier am liebsten unter der Linde mein Herz schenken? Welchen Menschen, denen ich je mein Herz schenkte, w&#252;rde ich unter diesem Baum wieder begegnen &#8211; und was w&#252;rden sie mir &#252;ber mich und mein Leben erz&#228;hlen?</em></p>
<p>Gegen&#252;ber der Linde erhebt sich trotzig die wehrhafte Umfriedung der Kirchenfestung St. Georg. Was f&#252;r ein Gegensatz! Hier die weiche Umarmung der Linde, die keine W&#228;nde braucht, keine Mauern, um uns Schutz und Geborgenheit zu spenden &#8211; dort die steinerne Umklammerung der Mauern im Schutze des Drachent&#246;ters, ein Bollwerk der Abgrenzung. So offenbart sich in Effeltrich die doppelte Wahrheit des Lebens: Verbindung und Trennung sind nur zwei Aspekte ein und desselben &#8211; so wie Yin und Yang den Tanz des Tao in Gang halten.</p>
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